Archiv der Kategorie: Hafen

250606 – Tag 36 – Kreuzfahrt Tag 16 – Freitag, 6.6. – Ogi / Sado Island – 

Um 8:00 früh legen wir in Ogi an, wo wir nicht nur mit rotem Teppich, Karpfenfahnen und einem Oga-Dämon, sondern auch mit der deutschen Bundeshymne begrüßt werden. Das hatten wir auch noch nicht. Der Bus bringt uns zur Aikawa-Goldmine, der einst größten und ergiebigsten Goldmine Japans, mittlerweile ein Schaubergwerk mit zwei begehbaren Stollen. Die bekannteste Ansicht der Mine liegt allerdings an der Oberfläche – ein mehr als 70 m tiefer und 30 m breiter Einschnitt zeigt an, wo durch die unterirdischen Arbeiten ein Spalt im Berg entstand. Die Eintrittstickets sind auf ein Blatt Papier gedruckt, und goldfarben. Blattgold, also. Im Museum kann man versuchen, einen 12,5 kg schweren Goldbarren zu heben – ist gar nicht so einfach.

Von dort geht es zum ehemaligen Verwaltungsgebäude, und dann zur Flotationsanlage, mittlerweile eine Industrieruine, wo sich die Natur Stück für Stück ihr Terrain zurückerobert. Den Raubvogel oben am Eck freut es sichtlich. Der Bus bringt uns rechtzeitig zum Mittagessen zurück zum Schiff, dann haben wir aber immer noch einige Stunden Zeit für eine Runde durch den Ort Ogi. Eigentlich wollten wir ja zu Fuß gehen, aber das GSM Team (Green Slow Mobility) fängt uns ab und komplimentiert uns in eines seiner Elektromobile für die Touristen. Fixe Route mit Fahrplan, festgelegten Stopps und englischsprachigem Guide – gefällt uns. Allerdings bringen die unmöglichen Touristen dann alles durcheinander, als tatsächlich ein Tanuki, ein Marderhund, die Straße überquert und ich aus dem Mobil springe, um zu fotografieren. 

Schließlich steigen wir bei einem regulären Stop aus, um eine Runde mit einem der berühmten Tonnenboote zu fahren – einst wegen ihrer Wendigkeit geschätzt, sind sie heute nur noch eine Touristenattraktion. Hinter dem Tonnenbootpier finden wir in einer großen Halle eines der historischen Segelboote, die einst den Warenverkehr zwischen Sado und Kyoto (Edo) sicherstellten. Ganz in der Nähe liegt ein malerischer Shinto Schrein und dann umrunden wir eine kleine Landzunge. Herrlich, keine Touristen, nur Natur, Lilien, große blaue Schmetterlinge, und zankende Möven draußen auf den Felsen. 

Zum Abschied gibt es wieder roten Teppich, KarpfenFahnen (wir haben kleine Exemplare in einem Shop in Ogi gefunden – das ideale Souvenir – wiegt fast nix), Trommler, die dem Schiff beim Ablegen heftig trommelnd bis ans Ende des Piers nachlaufen, und die deutsche Bundeshymne. Abends bereitet uns einer der Experten dann auf die Ziele der nächsten 2 Tage vor – und das sind dann auch schon die letzten Stopps, am Montag ist die Kreuzfahrt zu Ende.

Day 36 – Cruise Day 16 – Friday, June 6 – Ogi / Sado Island

At 8:00 AM, we dock in Ogi, where we are greeted with a red carpet, koi flags, an Oga demon, and the German national anthem — a first for us! The bus takes us to the Aikawa Gold Mine, once the largest and richest in Japan, now a museum with two accessible tunnels. The most iconic view is actually above ground — a 70 m deep and 30 m wide split where the mountain cracked due to mining. The tickets are printed on gold-colored paper, a nod to gold leaf. In the museum, you can try lifting a 12.5 kg gold bar — no easy feat.

Next, we visit the former administration building, then the flotation plant, now an industrial ruin being reclaimed by nature — much to the delight of a raptor perched atop it. The bus returns us to the ship for lunch, but we still have time to explore Ogi. We wanted to walk, but the GSM (Green Slow Mobility) team whisks us away in an electric vehicle for tourists — fixed route, set stops, English-speaking guide. Great idea — until a tanuki (raccoon dog) crosses the road and I jump out to take a photo, throwing the schedule into chaos.

Later, we get off at a regular stop to ride in one of the famous tub boats. Once prized for their maneuverability, they are now just a tourist attraction. Behind the boat pier, in a large hall, we discover one of the historic sailing ships that once carried goods between Sado and Kyoto (then Edo). Nearby is a scenic Shinto shrine, and then we walk around the small peninsula — no tourists, just lilies, blue butterflies, and squawking seagulls on the rocks.

We depart to another round of red carpet treatment, koi flags (we bought small ones as souvenirs — very lightweight!), and drummers running along the pier as the ship sets sail, accompanied again by the German anthem. In the evening, one of our experts prepares us for the last two destinations of the journey — the cruise ends on Monday.

250604 – Tag 34 – Kreuzfahrt Tag 14 – Mittwoch, 4.6. – 2 Schreine und 1 Sessellift – 

Wir legen in der Früh in Nishi-Maizuru an, mit dem Bus geht es dann knapp eine Stunde  ostwärts nach Obama (nein, hat mit dem Präsidenten nix zu tun). Heute stehen zwei besondere Tempel am Programm: zuerst besuchen wir den über 1.200 Jahre alten buddhistischen Myotsu-ji Tempel, der zu den Nationalschätzen Japans zählt. Tetsuen Nakajima, der rüstige, 83 jährige Oberpriester erzählt uns von der Gründungslegende des Tempels, und dass die Standbilder der drei Hauptgottheiten, die hier verehrt werden, alle aus dem Holz des Kampferbaumes geschnitzt wurden, der vorher an der Stelle wuchs, wo jetzt der Tempel steht. Außerdem war und ist der rüstige Priester Aktivist gegen Atomkraftwerke und begrüßt uns mit einem akzentfreien „Guten Morgen“.

Dann geht es zum Jingu-ji Tempel, den viele Japaner seltsam finden – über dem Eingang hängt ein gedrehtes Seil mit weißen Papierstückchen – eindeutig shintoistisch. In der Haupthalle stehen im Hauptaltar und im linken Seitenaltar je eine Statue einer buddhistischen Gottheit, aber an Stelle des rechten Seitenaltars  ist Platz für die Verehrung einer shintoistischen Gottheit, und dafür gibt es keine Statue. Das stört natürlich das Symmetrieempfinden der Japaner, aber: es ist einfach ein buddhistischer Tempel mit Shinto-Elementen – wir finden das toll, gleichberechtigt nebeneinander und einfach total tolerant  – wenn das bloß überall so wäre! 

Anschließend fahren wir nach Wakasa zum Fischmarkt – aber leider, der hat ausgerechnet heute geschlossen, nur das Gebäude mit den Souvenirshops hat geöffnet – interessiert uns nicht wirklich. Der Bus bringt uns anschließend zurück zum Cruise Pier nach Nishi-Maizuru, aber es ist erst kurz nach Mittag, wir haben strahlenden Sonnenschein und Landgang bis 18:30. Also springen wir, mit Hilfe von Michael, einem netten Deutschen, der hier als Touristiker arbeitet, kurzentschlossen in ein Taxi und lassen uns nach Amanohashidate bringen.

Wir fahren mit einem Sessellift, der in Mitteleuropa nie und nimmer eine Betriebsbewilligung bekäme (kein Sicherheitsbügel, keine Kette, keine Fußstütze, kein Schutz vor Hinunterfallen, man kann sich nur selber anklammern – EpiAnfall am Lift wäre keine gute Idee), auf den Hügel oberhalb des Ortes, zum Amanohashidate Viewland, ein kleiner Vergnügungspark mit grandioser Aussicht. Unter uns liegt die Himmelsbrücke, eine der drei „schönsten Ansichten Japans“. Eine 3,6 km lange Sandbank, bepflanzt mit mehreren tausend Kiefern und herrlichem Sandstrand , der zum Baden einlädt – wenn da nicht die Quallen wären. 

Mit dem Sessellift geht es wieder hinunter – fast unfallfrei, ich verliere meinen Kaffeebecher, aber der Mitarbeiter ist unglaublich schnell, saust hinterher, rettet den Becher und reicht ihn Sigi hinauf – der Sessellift hat etwa 1,5 m Bodenabstand. Unten angekommen, besuchen wir den Chionji-Tempel und kommen dann gerade zurecht, um die Kaisenbrücke, eine Drehbrücke, in Aktion zu sehen. Nach einem kurzen Besuch am Sandstrand der Himmelsbrücke wird es Zeit, den Rückweg zum Schiff anzutreten. Und jetzt nehmen wir den Zug, der besteht aus einem einzigen Wagen mit Lokführer, der gleichzeitig auch als Schaffner fungiert. Die Strecke ist malerisch, bis auf kurze Stückchen vor und nach den Stationen eingleisig und führt durch etliche Tunnels.

Wir sind zufrieden, wir haben jetzt die zweite der „drei schönsten Ansichten Japans“ gesehen. In Nishi-Maizuru steigen wir aus und gehen die 2 km zum Hafen zu Fuß. Wir kommen an mehreren verlockend schönen Tempeln und Schreinen vorbei, aber wir haben keine Zeit mehr – um 18:20 checken wir wieder am Schiff ein – heute waren wir die letzten Ausflügler. Und auch heute gibt es wieder Trommler, die das Schiff am Pier verabschieden.

Am Abend trauen wir uns ausnahmsweise ins Hanseatrium – heute hat das Küchenteam seinen großen Auftritt, alle 20 Köchinnen und Köche werden vorgestellt, mitsamt den Speisen, die sie heute fürs Dinner gezaubert haben, und auch die Küchengehilfen – und sie alle haben sich viel Applaus verdient.

Day 34 – Cruise Day 14 – Wednesday, June 4 – 2 Shrines and 1 Chairlift

In the morning, after docking in Nishi-Maizuru, the bus takes us almost an hour east to Obama (no connection to the president!). Two special temples are on the agenda today. First, we visit the over 1,200-year-old Myotsu-ji Buddhist Temple, a designated National Treasure of Japan. The spirited 83-year-old head priest, Tetsuen Nakajima, tells us the founding legend of the temple and about the statues of the three main deities worshipped here – they were all carved from the wood of a camphor tree that once stood here before the temple was built. The priest, an outspoken anti-nuclear activist, greets us in flawless German with a cheerful “Guten Morgen.”

Next is the Jingu-ji Temple, which many Japanese find unusual – above the entrance hangs a twisted rope with white paper strips, clearly Shinto-style. The main hall features a Buddhist statue at both the main and left side altars, but the right side there is no altar – the space is reserved for a Shinto deity — no statue, just space. This lack of symmetry bothers some Japanese, but we find the blend of Buddhist and Shinto elements wonderful and refreshingly tolerant — if only the rest of the world could be so inclusive.

We continue to Wakasa’s fish market, which – unfortunately – is closed today. Only the souvenir shops are open, which we’re not really interested in. We return to the cruise pier in Nishi-Maizuru, the sun is shining, and we have shore leave until 6:30 PM. So, with the help of Michael, a friendly German working in local tourism, we hop into a taxi to Amanohashidate.

There, we ride a chairlift that would never be approved in Central Europe (no safety bar, no chain, no footrest, no fall protection — you just cling on — not a good place to have an epileptic fit). It takes us up the hill to Amanohashidate Viewland, a small amusement park with a stunning view of the “Bridge to Heaven”, one of the Three Most Scenic Views in Japan: a 3.6 km-long sandbar lined with thousands of pines and a gorgeous beach, ideal for swimming – unfortunately there are jellyfish.

The chairlift takes us back down — almost without incident. I drop my coffee mug, but a staff member rushes to retrieve it and hands it up to Sigi — the lift is about 1.5 meters above the ground. Next, we visit the Chionji Temple and then get to witness the Kaisen Bridge, a turning bridge, in action. After a quick walk along the beach, it’s time to return. This time we take the train — a single-car train with the driver also acting as conductor. The scenic route is mostly single-track and passes through many tunnels.

We’re happy — we’ve now seen the second of the “Three Most Scenic Views of Japan.” In Nishi-Maizuru, we walk the 2 km back to the harbor. Several beautiful shrines and temples tempt us along the way, but there’s no time — we check in at 6:20 PM, the last ones back. As always, drummers see us off from the pier.

In the evening, we attend the crowds at HanseAtrium for once — the kitchen crew is in the spotlight tonight. All 20 chefs and kitchen assistants are introduced, along with the dishes they’ve prepared for tonight’s dinner – they all get a big applause.

250530 – Tag 29 – Kreuzfahrt Tag 9 – Freitag, 30.5. – Hiroshima in 1 Tag –

Hiroshima in einem Tag, das ist ein recht sportliches Unterfangen – andererseits ist das wahrscheinlich die japanische Stadt, von der wir schon öfter und mehr gehört haben als von Tokyo, Kyoto und Osaka zusammen. Unsere japanische Reisebegleiterin erzählt während der Busfahrt zur Burg von Hiroshima über den 6. August 1945, den schrecklichen Tag, der die Welt verändert hat, und über den Krieg, der zu diesem Tag geführt hat, aus sehr privater Sicht – sie erzählt die Geschichte ihrer Familie.

Auch die Burg von Hiroshima wurde damals zerstört, 1958 wurde der Turm restauriert und dient jetzt als Ausstellungsraum. Der Shukkeien-Garten ganz in der Nähe bezaubert – eine liebevoll gepflegte Miniaturlandschaft mit hungrigen Koi und Schildkröten, und einer kleinen Sammlung Azaleen-Bonsais mit unvergleichlicher Blütenpracht.

Vom Garten geht es zum japanischen Lunch im RIGHA Royal Hotel, gleich gegenüber finden wir ein Kaufhaus mit großer Spielzeugabteilung – 10 neue Modelle dürfen mit nach Hause. Und dann wird es ernst – es geht zum Friedenspark, gegenüber steht eines der wohl bekanntesten Bauwerke, die Atombomben-Ruine mit der markanten Kuppel. Im Park hören und sehen wir die Friedensglocke, das Denkmal für die koreanischen Opfer der Atombombe, den Grabhügel, das Kinder-Friedensdenkmal, die Friedensflamme und dann gehts ins Museum. Und das ist nichts für schwache Nerven. Über Krieg und Atombombe im Geschichtsunterricht zu hören, ist etwas ganz Anderes, als hier die Ausstellung zu sehen, mit Relikten, drastischen Fotos und Videos von Zeitzeugen und Überlebenden.

Leise und bedrückt schieben wir uns mit vielen anderen Menschen durch die Ausstellung, bis wir es nicht mehr aushalten und ins „Backen Café Mozart“ flüchten. Dann geht es mit dem Bus retour zum Schiff, um 18:30 müssen alle 201 Passagiere von Bord und durch die Passkontrolle, wir reisen aus Japan aus. Und dann nimmt das Schiff Kurs durch die Seto Inlandssee auf die Meerenge von Shimonoseki, Richtung Südkorea, wo wir übermorgen eintreffen werden. Die heutige Abendveranstaltung „Offiziere mixen Drinks“ und die „Crewband spielt auf“ halten wir ganze 10 Minuten aus, dann flüchten wir in unsere Kabine – und heute sind wir froh über die schalldichten Fenster.

Day 29 – Cruise Day 9 – Friday, May 30 – Hiroshima in One Day

Doing Hiroshima in one day is ambitious. But it’s arguably the Japanese city we’ve heard the most about. During the bus ride to Hiroshima Castle, our guide speaks movingly about August 6, 1945, the war, and her family’s story.

The castle was destroyed in the bombing and rebuilt in 1958. It now houses a museum. Nearby is the Shukkeien Garden – a miniature landscape with koi, turtles, and blooming azalea bonsai trees.

Lunch is at the RIGHA Royal Hotel. Across the street, we find a department store with a huge toy section – 10 new ambulance models will come home with us. Then, it’s time for the serious part: the Peace Park, opposite the iconic Atomic Bomb Dome. In the park, we see the Peace Bell, the monument to the  Korean victims of war, the hill grave, the Children’s Peace Monument, the Peace Flame, and finally the museum.

And this is not for the faint of heart. Seeing relics, photos, videos, and listening to stories from survivors is far more powerful than reading about the war and the atomic bomb in textbooks. We shuffle through in silence until we can’t bear it anymore – we need a break, we retreat to Backen Café Mozart, and then we return to the ship. At 6:30 p.m., all 201 passengers must leave the ship again, lining up at immigration – we’re leaving Japan tonight, sailing through Seto Inland Sea towards the Shimonoseki Strait and South Korea, which we’ll reach the day after tomorrow.

Tonight’s entertainment – “Cocktails mixed by the officers” and the “Crew Band Concert” – we endure for 10 minutes, then we escape to our cabin. Tonight, we’re grateful for our soundproof windows.

250529 – Tag 28 – Kreuzfahrt Tag 8 – Donnerstag, 29.5. – Miyajima, die heilige Insel –

Miyajima – einer der drei malerischsten Orte Japans. Das scheinbar über dem Wasser schwebende Torii des Itsukushima-Schreins ist wohl eine der bekanntesten Impressionen Japans. Wir liegen vor der Insel auf Reede, heute erfolgt der Transport zum Pier mit den Zodiacs, damit die auch mal raus dürfen. Und vermutlich auch, um die Bezeichnung der Reise als „Expeditionskreuzfahrt“ zu rechtfertigen. Man warnt uns vor – auf der heiligen Insel sind wir nicht alleine, die Besucher kommen in Scharen, mit Fähren vom Festland werden Schulklassen und Reisegruppen durchgeschleust. Es gibt für heute keine gebuchten Ausflüge, aber einen begleiteten Spaziergang zur Talstation der Gondelbahn. Am Weg dorthin laufen uns etliche Bambis über den Weg – die Sika-Hirsche leben in ganz Japan, aber hier auf der Insel verfolgen sie Touristen hartnäckig, kontrollieren Rucksäcke und fressen Papier – wie etwa Stadtpläne oder auch Geldscheine.

Wir fahren mit der Gondel mit einmal Umsteigen zur Aussichtsplattform auf 430 m, und dann geht es noch mal 100 Höhenmeter hinauf zum Misen-Schrein und auf den Mount Misen auf 535 m. Etwas anstrengend, aber lohnend, der Ausblick auf die Insel und hinüber auf Hiroshima ist toll. Wir nehmen den Rückweg hinunter zu Fuß in Angriff, auch in der Hoffnung, dass uns der Weg mehr oder weniger allein gehört. Nach etwa einer Viertelstunde ist uns klar, dass wir das  spätestens morgen früh, eventuell schon heute Abend bereuen werden. Viele, viele, verschieden hohe, schräge, rutschige Stufen wechseln sich mit unebenen, löchrigen und durch feuchtes Laub auch rutschigen Wegstücken ab. Und von wegen allein – unerwartet viele Touristen kommen uns entgegen, die meisten schnaubend und stöhnend – dennoch, unsere Hochachtung, wir hätten das bergauf nicht geschafft.

Irgendwann kommen wir dann unten beim Daishoin-Tempel an, und das ist womöglich die schönste Tempelanlage, die wir bis jetzt in Japan gesehen haben. Malerisch, mystisch und perfekt in die Landschaft integriert. Und mit hunderten teilweise angezogenen kleinen Statuen – die meisten mit roten gehäkelten Mützchen. Rotkäppchentempel, quasi.

Von dort ist es nicht weit zur Schatzkammer, in der einzigartige Rüstungen, Kalligrafien, Schwerter, Urnen und andere wertvolle Stücke gezeigt werden – nur ein Bruchteil der Sammlung ist ausgestellt, und leider ist Fotografieren verboten. Und natürlich muss man die Schuhe ausziehen, dafür gibt es – liebevoll mit dem Staubwedel abgestaubte – Schlapfen für die Besucher. Schlußendlich das Highlight der heiligen Insel, der Itsukushima Schrein. Wir haben in der Früh pflichtschuldigst die Fotos bei Flut gemacht, jetzt bei Ebbe sieht man gut, dass der ganze Tempel auf Stelzen ruht. Und man kann auch trockenen Fußes zum Torii gehen. 

Wir schaffen es mit dem vorletzten Zodiac zurück aufs Schiff, versenken uns dankbar im Whirlpool – wir bereuen den Fußmarsch jetzt schon, alle Muskeln schmerzen. Allerdings merken wir dann, dass der Chlorgehalt zu hoch sein dürfte – es schäumt, unsere Badesachen sind fast völlig ausgebleicht und wir riechen wie ein Fläschchen Bleichmittel. Und es juckt. Nach dem Abendessen fallen wir ins Bett, für den heutigen Zoologie-Vortrag um 21:30 sind wir viel zu müde, den werden wir uns übermorgen auf See dann im Bordfernsehen anschauen.

Day 28 – Cruise Day 8 – Thursday, May 29 – Miyajima, the Sacred Island

Miyajima – one of Japan’s most scenic spots. The floating torii gate of Itsukushima Shrine is one of the country’s most iconic views. We’re anchored offshore, using the Zodiacs to reach the island – which is a bit impractical and even unnecessary, but probably done to justify calling this cruise an “expedition cruise”.

We’re warned: we will not be alone on the sacred island. Ferries from the mainland bring in school groups and tourists by the dozens. There are no formal excursions today, but there is a guided walk to the ropeway base station.

Along the way, we’re greeted by numerous Sika deer, common across Japan. But on Miyajima, they’re particularly inquisitive – rummaging through backpacks, eating maps and even paper money.

We take the gondola to a viewing platform at 430 m, then hike another 100 m up to the Misen Shrine and Mount Misen (535 m). It’s a bit strenuous, but the view of the island and across to Hiroshima is stunning. We descend on foot, hoping for solitude. After 15 minutes, we realize we’ll regret this tomorrow, or maybe even tonight – countless uneven, slippery, mossy steps provide a very exhausting hike downhill. And we pass loads of panting and groaning hikers going uphill, we are impressed – we couldn’t have done the hike uphill.

Eventually, we reach Daishoin Temple, possibly the most beautiful temple we’ve seen in Japan so far. Picturesque, mystical, perfectly integrated into the landscape, filled with hundreds of little statues, many wearing red crocheted hats – a Little Red Riding Hood Temple.

Nearby is the treasure hall with rare armor, swords, calligraphy, and urns – only a small portion of the collection is on display, and no photos allowed. Shoes off, slippers provided (carefully dusted off with a feather duster!).

Finally, the highlight: Itsukushima Shrine. We took our high-tide photos in the morning – now, at low tide, we see the entire structure on stilts. You can even walk out to the torii.

We catch the second-last Zodiac back to the ship and immerse ourselves into the hot whirlpool. We already regret today’s hike, every muscle in our body is aching. But then we notice, that the chloride content seems to be too high – there is a lot of foam, our bathing suits have lost almost all color and we both smell like a bleach container. And we feel itchy. After dinner, we fall into our beds – far too tired for the 9:30 p.m. zoology lecture. We’ll watch it the day after tomorrow at sea.

250528 – Tag 27 – Kreuzfahrt Tag 7 – Mittwoch 28.5 – Steinbuddhas und Kugelfische –

Wir haben gestern Abend im Programm gelesen: 9:00 Uhr Ankunft in Beppu, und auch 9:00 Abfahrt zu unserem Tagesausflug- wir sind gespannt, wie das funktionieren soll.

Wir legen tatsächlich erst um 9:00 Uhr in Beppu an, am Pier werden wir von Musikerinnen und dem Häschen Beppyon, dem PR Manager von Beppu empfangen. Bereits vom Schiff aus sieht man auch ohne Fernglas Dampfsäulen an mehreren Stellen aus der Stadt aufsteigen – Beppu ist berühmt für seine „Onsen“, die heißen Quellen – ein Nebeneffekt der Lage Japans am pazifischen Feuerring. Uns zieht es aber nicht ins heiße Wasser (wir dürften ohnehin nicht hinein, wir sind beide tätowiert und das wird in Japan mit Yakuza – Mafia – und somit als unrein assoziiert), sondern zu den steinernen Buddhas nach Usuki, 50 Minuten südlich von Beppu. Und unser Ausflug verzögert sich schon mal um eine halbe Stunde. Dann gleich das erste Drama des Tages: Der Gurt reißt, meine RotKreuz-Trinkflasche fällt hinunter und ist kaputt. Tief durchatmen und auf zu den Buddhas. 

Die berühmten steinernen Buddhas von Usuki, von denen eigentlich niemand weiß, wer sie wann und warum geschaffen hat, wurden bei den Taifunen 1953 und 1954 schwer beschädigt. 1958 begann die jahrzehntelang dauernde Restaurierung, es wurden Pavillons und Dächer über die Figuren gebaut, Moos und Flechten abgekratzt, und abgebrochene Köpfe wieder aufgesetzt.

Von dort geht es zu den Überresten der Burg von Usuki, natürlich wieder auf einem Hügel, aber wenigstens nicht so hoch wie gestern in Uwajima. Anschließend besuchen wir ein Samurai-Haus – wie üblich ebenerdig, und mit Tatami ausgelegt – also Schuhe ausziehen, und dann noch ein Areal mit einigen Shinto-Schreinen.

Dann geht es durch ein paar verwinkelte Gassen mit vornehmlich Bars und Cafés zum Mittagessen, im lizensierten Kugelfisch-Restaurant. Leider gibt es zu wenig Plätze für alle, und bis Ordnung ins Chaos kommt, dauert es etwas. Das Essen ist ganz gut, allerdings trifft Kugelfisch nicht unbedingt unseren Geschmack – hat nicht viel Eigengeschmack. Aber zumindest haben alle das Essen unbeschadet überstanden. Nachher fällt das Schuhe anziehen allerdings deutlich schwerer als vormittags.

Auf der Rückfahrt würden wir gerne unterwegs aussteigen, um in den Affenpark von Takasukiyama zu gehen, aber leider, auch das ist nicht möglich. Aus versicherungstechnischen Gründen, wie uns die recht resolute lokale Reiseführerin erklärt. Und wir kommen statt wie geplant um 15 Uhr erst um 15:45 zurück zum Hafen.

Also schnell ins Taxi und ab zu den Affen, die hier in den Hügeln und Wäldern in verschiedenen Horden leben. Momentan sind es angeblich um die 850 Affen, fast alles Weibchen, viele davon mit Jungen. Es gibt nur ein paar wenige Männchen und da gibt es eine genaue Rangordnung. Und Nummer 1 sieht auch nicht so aus, als würde er Spaß verstehen. Wir Menschen müssen uns an genaue Regeln halten: nicht füttern, nicht berühren, nicht ärgern, und auch nicht in die Augen schauen – das mögen die Affen gar nicht, dann greifen sie an. Und das mögen wir nicht. Wir kommen gerade recht zur Fütterung, und wir sollen uns mit gegrätschten Beinen an die Absperrung stellen – wenn Affen da durchlaufen, dann bringt das Glück. Und wir haben tatsächlich Glück – wir werden nicht angegriffen oder gebissen….

Vom Affenpark fahren wir ganz tapfer mit dem öffentlichen Bus zurück, und das Fahrscheinsystem ist lustig: man steigt bei der hinteren Tür in den Bus ein und zieht ein Ticket. Beim Aussteigen wirft man das Ticket in einen Behälter beim Fahrer, dann wird der Fahrpreis angezeigt. Entweder man hat die Münzen passend, oder man muss die Maschine mit einem Geldschein füttern, dann wirft sie den gleichen Betrag in Münzen aus – und dann muß man die passenden Münzen wieder einwerfen. Besonders effizient ist das nicht. Egal, wir schaffen es problemlos rechtzeitig zum Schiff, wo wir kurz nach dem Ablegen die obligatorische Zodiac-Einweisung über uns ergehen lassen und dann noch Informationen für morgen bekommen.

Day 27 – Cruise Day 7 – Wednesday, May 28 – Stone Buddhas and Pufferfish

Today’s program announces our arrival in Beppu at 9:00 a.m., and the departure for our day trip also at 9 a.m. Curious how that’s going to work.

We dock exactly at 9:00, and are greeted at the pier by musicians and Beppyon the Bunny, Beppu’s PR mascot. From the ship, we can already see steam rising from multiple points in town – Beppu is famous for its “onsen” (hot springs), thanks to its location on the Pacific Ring of Fire. But we skip the hot baths (we wouldn’t be allowed in anyway – we’re both tattooed, which in Japan is linked to the Yakuza and seen as “unclean”) and head to the stone Buddhas of Usuki, about 50 minutes south.

Our trip is delayed by 30 minutes, and the today’s first drama happens: the strap of my bag breaks, my Red Cross water bottle falls and breaks. Deep breath, relax – onward to the Buddhas.

The stone Buddhas of Usuki – no one knows who made them, when, or why – were badly damaged in typhoons in 1953 and 1954. Restoration began in 1958, with pavilions and roofs built to protect them, moss removed, and broken heads reattached.

We then visit the ruins of Usuki Castle, perched on a hill of course, but thankfully not as high up as yesterday in Uwajima, and after that a Samurai residence, all on one level with tatami floors – shoes off again. We also see a group of Shinto shrines nearby.

We stroll through alleys filled with bars and cafés on our way to lunch at a licensed pufferfish restaurant. There aren’t enough seats, so it takes some time to sort everyone. The meal is okay, but pufferfish isn’t really our thing – it has little flavor. At least everyone survived. Putting shoes back on afterwards is harder than this morning.

We’d like to stop by the monkey park at Takasakiyama on the way back, but the no-nonsense guide says that’s not possible, we have to return with the tour bus, for insurance reasons. We return to the port at 3:45 p.m. instead of 3:00.

So we jump into a taxi and head to the monkeys – about 850 of them live here, mostly females with young. Males are few and strictly ranked. And the alpha male looks like he means business. There are strict rules for the humans: no feeding, no touching, no teasing, no eye contact with the monkeys – they don’t like that, they might attack. And that’s something we don’t like. We arrive just in time for feeding, and are told to position ourselves the barrier – if a monkey passes between your legs, it brings good luck – and several monkeys do.

We feel brave enough to take the public bus back to our ship, in spite of the funny ticket system. You board at the back and take a ticket. When exiting, you toss your ticket into a box next to the driver and your fare is shown on a screen. You either pay the exact amount or feed a bill into the machine, which returns coins – which you then insert. Not super efficient, but we manage and get back to the ship in time for the Zodiac safety briefing and some information for tomorrow.

250527 – Tag 26 – Kreuzfahrt Tag 6 – Dienstag, 27. Mai – Uwajima –

Am Vormittag sind wir noch immer unterwegs zum nächsten Ziel. Einige Passagiere spielen tatsächlich Shuffleboard auf Deck 9. Wir machen einen Besuch auf der Brücke, wo sich mittlerweile Plaketten und Blumengebinde sammeln – in jedem Hafen, wo die „Hanseatic Inspiration“ zum allerersten Mal einläuft, werden Gastgeschenke ausgetauscht. Gegen Mittag erreichen wir dann Uwajima auf Shikoku – Boote mit Flaggen schwingenden Japanern begleiten uns in den Hafen, wo wir allerdings nicht am Pier anlegen, sondern auf Reede liegen und erstmals mit dem Tendern das Ufer erreichen. Auch am Pier werden wir herzlich empfangen.

Den Besuch der Burg Uwajima muß man sich echt verdienen – es ist ein schweißtreibender, mühsamer Aufstieg über hohe, schiefe und unebene Stufen, der sich aber lohnt. Die Burg ist eine der insgesamt nur mehr 12 originalen Burgen aus der Edo-Zeit in ganz Japan. Dementsprechend gehegt und gepflegt wird sie auch, Schuhe ausziehen ist mittlerweile selbstverständlich. Der Ausblick von ganz oben ist tolll, aber die Stufen in der Burg haben‘s auch in sich.

Gleich neben dem Busparkplatz sehen wir zwei Rettungsautos im Feuerwehrgebäude, die Kollegen üben zwar gerade, aber sie unterbrechen gerne für ein Foto mit den beiden Touristen, die unbedingt die Ambulanz von innen sehen wollen.

Von dort geht es dann zum shintoistischen Taga-Schrein, bekannt durch den riesigen Holzphallus neben dem Schrein, der dort verehrt wird. Und dieses gute Stück ist beileibe nicht das Einzige – das ganze Museum nebenan beschäftigt sich mit dieser Thematik, teilweise sehr explizit. In der Nähe finden wir einen Friedhof mit typischen Gräbern und buddhistischem Schrein. 

Letzter Stopp für heute: die Steilterrassenfelder von Yusumizugaura – jeder verfügbare Platz für Obst- und Gemüseanbau wird ausgenutzt, aber ohne die umliegenden Wälder abzuholzen, obwohl Holz hier nach wie vor das bevorzugte Baumaterial ist. Dann geht es mit dem Bus retour zum Pier, wo wir von fast echten Samurai verabschiedet werden. Außerdem bekommen wir zum Abschied 40 kg Seebrasse geschenkt – morgen gibt’s Fisch zum Abendessen.

Die heute Abend angebotene Bespaßung „In der Bar zum Krokodil“ mit Swing der 20er und 30er vom Pianoentertainer ersparen wir uns und unseren Trommelfellen, wir sitzen lieber auf Deck 8, sortieren Fotos, schreiben an unserem Reisetagebuch und geniessen die Fahrt.

Day 26 – Cruise Day 6 – Tuesday, May 27 – Uwajima

We’re still at sea in the morning. Some passengers are actually playing shuffleboard on Deck 9. We take a tour of the bridge, where plaques and bouquets have started to pile up – every time the Hanseatic Inspiration enters a port for the first time, gifts are exchanged. Around noon, we reach Uwajima on Shikoku where we anchor offshore, using the tender boats in for the first time.

Climbing up to Uwajima Castle is a real workout – uneven, high, slanted steps, but it’s worth it. It’s one of only 12 remaining original Edo-period castles in Japan, lovingly maintained. Removing shoes is standard for us by now. The view from the top is excellent, but we have to earn it – the stairs inside the keep are steep too.

Next to the bus parking, we spot two ambulances at the fire station. The EMTs are training but pause for photos with two curious tourists, eager to see the inside of the ambulance.

We continue to the Taga Shrine, known for the enormous wooden phallus that is venerated there – and it’s not the only one. The adjacent museum is dedicated entirely to this theme, some parts quite explicit. Nearby we find a small cemetery with typical gravestones and a Buddhist shrine.

Our final stop: the Yusumizugaura terraced fields, where every inch of land is used for crops, without cutting down the surrounding forests – even though wood is still a preferred building material here. Back at the pier, some almost authentic-looking samurai are waiting to bid us farewell. We also receive 40 kg fish as a farewell gift – that will be our dinner tomorrow.

Tonight’s show, “In the Crocodile Bar” with 1920s–30s swing music performed by the piano entertainer, is a pass for us. We relax on Deck 8, sort photos, write our journal, and enjoy the ride

250526 – Tag 25 – Kreuzfahrt Tag 5 – Montag, 26. Mai – Yakushima, die Zederninsel –

Heute sind wir auf Yakushima unterwegs, unser Schiff hat um 8 Uhr morgens in Miyanoura angelegt. Yakushima gilt als die Insel mit 35 Regentagen pro Monat (Zitat unserer einheimischen Reisebegleiterin). Dafür ist aber auch 80 % der Insel von Grün bedeckt. Wir haben Glück, wir dürften Tag 36 erwischt haben – es regnet nicht, es ist angenehm kühl, genau richtig für einen Ausflug zu den uralten Zedern.

Unser Bus bringt uns über eine abenteuerliche Strecke – im Sinne von eng, einspurig, und mit Kurven und Brücken, die der Bus nur im Schritttempo bewältigen kann – auf eine Höhe von knapp 1.000 m. Wir unternehmen eine kleine Wanderung zu uralten Zedern – Yakusugi werden sie genannt, wenn sie das reife Alter von 1.000 Jahren überschritten haben. Die Gegend ist traumhaft schön, der Wanderweg führt steil bergauf und bergab, unter bemoosten Baumriesen durch Schluchten und über Hängebrücken. Es ist friedlich und fast mystisch – kein Wunder, dass dieser Wald die Inspiration für „Prinzessin Mononoke“ von Studios Ghibli lieferte (wobei angeblich 250 verschiedene Grünschattierungen verwendet wurden, um der Atmosphäre dieses Waldes halbwegs nahe zu kommen).

Wir haben uns inzwischen mit Guest Relations Manager Gitti und Fotograf Scott angefreundet, Sigi und Scott fachsimpeln ein wenig, ich gehe fotografieren. Und weil Fotos ohne Touristen schöner sind, nehmen wir bei der Abzweigung den rechten, etwas längeren Weg, während unsere Gruppe links abbiegt – wir werden sie problemlos wieder einholen. Leider haben wir vergessen, uns abzumelden – Scott jagt schnaufend mit seiner schweren Fotoausrüstung hinter uns her, um uns wieder einzufangen. Sehr peinlich, wir entschuldigen uns anschließend bei unserer einheimischen Reisebegleiterin, mit einer – hoffentlich korrekten- 45 Grad-Verbeugung.

Dann bringt uns der Bus zum Yakusugi-Shizenkan-Museum (Schuhe ausziehen, natürlich) mit viel Information über die Bäume selbst und ihre Verarbeitung- leider meist auf japanisch; vor dem Museum steht eine der Loks, die vor vielen Jahren, als das Abholzen der großen, alten Zedern noch erlaubt war, beim Holztransport im Einsatz war. Ein Rest der Schienen ist auch noch zu sehen. Am Rückweg legen wir dann noch einen Fotostopp beim Kigensugi-Zedernbaum ein. Dieser Baum mit einem Stammdurchmesser von mehr als 8 m soll etwa 3.000 Jahre alt sein.

Der Bus bringt uns zurück zum Pier, wo die Abschiedsvorstellung beginnt, Musik und Tanz werden dargeboten, mit viel Begeisterung vor allem der kindlichen TeilnehmerInnen- auch hier ist die „Hanseatic Inspiration“ zum erste Mal, das muss natürlich gefeiert werden. Dann wird die Gangway hochgezogen, und nach dreimaligem Tuten des Schiffshorns verlässt unser Schiff Yakushima. Kurz danach beginnt am Pooldeck eine Veranstaltung, „Meeresapero an Deck mit musikalischer Begleitung“ – wir, natürlich nicht entsprechend gekleidet, flüchten und schauen uns statt dessen in unserer Kabine über Bordfernsehen den interessanten Vortrag „Wie der Buddhismus die Geschichte Japans prägte“ an.

Day 25 – Cruise Day 5 – Monday, May 26 – Yakushima, the Cedar Island

Today, we explore Yakushima, with our ship docking in Miyanoura at 8:00 a.m. Yakushima is known as “the island with 35 rainy days a month” (quote from our local guide0, but that is also why 80% of the island is covered by vegetation. We seem to have hit day 36 – it’s not raining, pleasantly cool – perfect weather to visit the ancient cedars.

Our bus takes us on a rather adventurous route – narrow, one-lane roads with tight curves and bridges we have to cross very slowly – to an altitude of nearly 1,000 meters. From there we hike to the ancient Yakusugi, which is the name for cedars that are over 1,000 years old. The area is stunningly beautiful – steep trails, moss-covered giants, gorges, suspension bridges. Peaceful and almost mystical – no wonder this forest inspired Studio Ghibli’s “Princess Mononoke” (they supposedly used 250 different shades of green to capture its atmosphere).

We have made friends with Gitti, the Guest Relations Manager, and Scott, the ship’s photographer. Sigi and Scott talk shop, while I go off to take photos. And because photos without tourists are prettier, we take the right trail when the trail splits and the group walks to the left – a bit longer, but we’ll easily catch up. Unfortunately, we forget to tell out guide. Scott, with his heavy camera gear, comes chasing after us, breathless, to bring us back. Quite embarrassing – we apologize with (hopefully correct) 45-degree bows.

Afterwards, the bus takes us to the Yakusugi Shizenkan Museum (shoes off, of course), with lots of information about the cedars and their historical use – unfortunately mostly in Japanese. In front of the museum an old locomotive is on display, used for logging the cedars. Some rail tracks are still visible. On the return trip, we stop for a photo at the Kigensugi cedar, over 8 meters in diameter and approximately 3,000 years old.

Back at the pier, the locals provide a farewell performance with music and dance – the kids are especially enthusiastic. It’s the Hanseatic Inspiration’s first visit here, and that calls for celebration. The gangway is lifted, three blasts of the ship’s horn, and we leave Yakushima. Shortly after, there’s some social activity on deck 8, alcohol and music – we, underdressed as usual, retreat to our cabin and watch yesterday’s lecture on “How Buddhism Shaped Japanese History” on TV.

250525 – Tag 24 – Kreuzfahrt Tag 4 / Sonntag, 25. Mai – Okinoerabu-Shima –

Um 7 Uhr früh erreichen wir die Insel Okinoerabu-Shima, eine Insel der Amami-Inselgruppe. Heute gibt es keine organisierten Ausflüge, aber vom Pier zum nahe gelegenen Strand, zum lokalen Museum und zu den Shoryudo-Tropfsteinhöhlen, auf die wir uns schon sehr freuen, fahren Shuttle-Busse. Der Fahrplan steht im täglichen Programm, aber leider – es sind nur Strand und Museum eingetragen, die Abfahrtszeiten zur den Höhlen fehlen. Die Erklärung: die Höhlen sind zu weit weg, das Schiff legt um 12 Uhr schon wieder ab, eine Besichtigung geht sich nicht aus. Sehr ärgerlich, zumal diese Attraktion auf der Rückseite des Programms noch mal sehr ausführlich beschrieben wird, sogar mit Bild.

Einigermassen verärgert steigen wir in den Shuttle-Bus, und fahren halt zum Wadomari Town History and Folklore Museum, quasi das Heimatmuseum der Insel. Interessant anzusehen sind die Musikinstrumente aus Schlangenhaut und die schönen steinernen Graburnen. Ein paar Dinge sind tatsächlich auch in Englisch angeschrieben, dennoch sind wir nach etwa einer halben Stunde fertig und nehmen den nächsten Shuttlebus zum Strand. In den Unterlagen beschrieben sind: Tiefblaues Wasser, Korallenriffe, unberührte Strände und Schildkröten. Das Wetter lädt nicht zum Baden ein, es regnet zwar nicht, aber es ist trüb, daher ist der Strand tatsächlich unberührt. Und die Schildkröten sind nachts aktiv, die sehen wir natürlich jetzt auch nicht.

Also lassen wir den Strand, wir haben ohnehin kein Badezeug mit und nicht das richtige Schuhwerk an, und machen uns zu Fuß auf den Rückweg zum Schiff. Und das ist ein netter Spaziergang. Wir kommen an einem offensichtlich beim letzten Taifun unfreiwillig  angelandeten Boot vorbei, das von drei Ziegen bewacht wird; martialisch aussehende Spinnen, große Schmetterlinge und subtropische Pflanzen und Blumen liefern immer neue Fotomotive. Wir bewundern die Pracht der weißen Lilien auf einem Feld, da bekomme ich vom Besitzer Lilien geschenkt, und wir machen Selfies. Er spricht nicht englisch, wir nicht japanisch, also lassen wir die Blumen sprechen.

Zurück am Schiff läuft uns eine Schulklasse über den Weg, die grad eine Führung bekommt – und am Pier geben Sängerinnen in bunten Kimonos und eine Gruppe TrommlerInnen eine Abschiedsvorstellung – Kreuzfahrtschiffe legen hier kaum an, und für die Hanseatic Inspiration ist es das erste Mal. Also werden wir mit Pomp und Gloria verabschiedet, und wir winken, bis wir den Pier kaum mehr sehen können.

Am Abend gibt es noch zwei sehr interessante Experten-Vorträge: der Aufstieg der Samurai – Japans Wandel zur Kriegergesellschaft, und dann über Plattentektonik und regionale Geologie. Die Unterhaltungsmusik vom Entertainer und die Klaviermusik vom Ozeanpianisten dagegen lassen wir dankend aus.

Day 24 – Cruise Day 4 / Sunday, May 25 – Okinoerabu-Shima

At 7 a.m., we reach Okinoerabu-Shima, an island of the Amami islands group. No organized tours today, but shuttle buses take us to the nearby beach, the local museum, and supposedly to the Shoryudo Caves we were excited about. But the caves aren’t listed in the schedule. The explanation: too far away; the ship will depart at noon, so there’s not enough time. Very disappointing, especially since the caves are prominently featured (with photo) on the back of the program.

Annoyed, we take the shuttle to the Wadomari Town History and Folklore Museum—essentially the island’s local museum. The snakeskin instruments and beautiful stone urns are interesting, some exhibits even have English labels. After 30 minutes, we’re done and take the next shuttle bus to the beach. It’s described as featuring deep blue water, coral reefs, pristine shores, and turtles. The weather isn’t great—not rainy, but gloomy. The beach is indeed untouched, and the turtles are nocturnal—so no sighting.

We don’t have swimwear or proper shoes, so we skip the beach and walk back to the ship—a lovely stroll. We pass a boat clearly stranded by the last typhoon, now guarded by three goats. Impressive spiders, large butterflies, and subtropical plants offer lots of photo opportunities. We admire a field of white lilies, and the owner kindly gives us some—we take selfies. He doesn’t speak English; we don’t speak Japanese—so we let the flowers do the talking.

Back at the pier, a school class is touring the ship, and singers in colorful kimonos and drummers put on a farewell show—cruise ships rarely dock here, and it’s the Hanseatic Inspiration’s first visit. We wave until the pier disappears from sight.

In the evening, we attend two excellent expert lectures—one on the rise of the samurai and Japan’s transition into a warrior society, and another on plate tectonics and regional geology.

250522 – Tag 21 – Kreuzfahrt Tag 1 / Donnerstag, 22. Mai – Einschiffung auf die Hanseatic Inspiration –

Das Hotel in Keelung war gut gewählt, nur ein paar hundert Meter vom Kreuzfahrt-Terminal entfernt. Dennoch kommen wir schnaufend und stöhnend und schon wieder vollkommen durchnässt ob der hohen Luftfeuchtigkeit mit unserem Gepäck kurz vor 16 Uhr dort an. Wir wandeln unsere allerletzten New Taiwan Dollar in Kaffee um, und dann dürfen wir auch schon an Bord einchecken. Wir erhalten unsere Bordausweise und beziehen unsere Kabine auf Deck 5. Die Kabine ist schön, mit sehr viel Stauraum und gut gefülltem Kühlschrank, nur leider lassen sich die Fenster nicht öffnen. Und die Doppelverglasung behindert die Geo-Tagger – ein Tracking unserer Route auf See ist somit leider nicht möglich. Und eine Balkonkabine war in unserem Reisebudget nicht drin. Dafür finden wir eine Flasche Champagner am Tisch, einen netten Expeditionsrucksack, den wir dann auch behalten dürfen, sowie ein Fernglas und 2 Paar Wanderstecken zum Ausleihen – haben wir zwar selber auch mit, aber ok. In einem der beiden Aufzüge dürften Lasten transportiert worden sein – zum Schutz der Wände sind dicke, graue Matten angebracht – so muss sich eine Gummizelle anfühlen.

An der Rezeption werden wir darauf hingewiesen, dass wir schon einen Tisch im Restaurant reservieren können – jetzt sind wir verwirrt – wieso sollten wir fürs Buffet einen Tisch reservieren? Es stellt sich heraus, es gibt zusätzlich zum gewohnten Buffetrestaurant zwei Restaurants mit Bedienung an Bord, eines davon mit peruanisch-japanischer Crossover-Küche. Kommt uns für ein Expeditionskreuzfahrtschiff für etwas über 200 Passagiere ein wenig übertrieben vor, aber gut. Bis wir dann am Zimmer die Infomappe durchblättern – „ auf einer Expeditionsreise dreht sich alles um das Naturerlebnis, und die Entdeckeratmosphäre ist sportlich-elegant“. Für die Restaurants bzw. für besondere Anlässe sind Abendkleidung für die Damen und Dinnerjacket für die Herren empfohlen, Expeditionsoutfit und Laufschuhe oder gar Sandalen sind ein No-go. Wo sind wir hier bloß gelandet??

Nach dem Abendessen müssen nochmals alle Passagiere von Bord, die Ausreiseformalitäten erledigen. Anschließend absolvieren wir den üblichen, verpflichtenden Notfalldrill, eingepfercht in unsere unheimlich bequemen Schwimmwesten, und pünktlich um 22 Uhr verlassen wir nach dreimaligem Tuten des Schiffshorns und unter bombastischer Musik aus allen Schiffslautsprechern den „Po of Keelung“ (das „r“ und das „t“ vom Schriftzug haben den Dienst verweigert). Und dann fallen wir ins Bett – wir haben morgen einen ganzen Tag auf See, um das Schiff zu erkunden und um uns einzugewöhnen.

Day 21 – Cruise Day 1 / Thursday, May 22 – Embarkation on the Hanseatic Inspiration

The hotel in Keelung was a good choice —just a few hundred meters from the cruise terminal. Still, we arrive there huffing and puffing, and completely soaked once again because of the high humidity, shortly before 4 p.m. We convert our very last New Taiwan Dollars into coffee, and then we’re allowed to board the ship. We receive our cruise cards and move into our cabin on Deck 5. The cabin is nice, with lots of storage space and a well-stocked fridge—unfortunately, the windows can’t be opened, and the double glass interferes with our geo-tagging devices, so tracking our route at sea won’t be possible. But a balcony cabin was way out of our travel budget.

But, we find a bottle of champagne on the table, a nice expedition backpack we’re allowed to keep, as well as binoculars and two pairs of trekking poles for loan (though we brought our own). One of the elevators seems to have transported cargo—thick gray padding has been installed to protect the walls; it feels like a padded asylum cell.

At the reception desk, we’re told we may already reserve a table at the restaurant. We’re confused—why reserve a table at a buffet? Turns out, besides the usual buffet restaurant, there are two a la carte restaurants on board, one offering Peruvian-Japanese fusion cuisine. That seems rather extravagant for an expedition cruise ship with just over 200 passengers. Back in our cabin, we flip through the information binder: “An expedition journey is all about experiencing nature, and the explorer atmosphere is sportive and elegant.” For the restaurants or special occasions, evening wear for ladies and dinner jackets for men are recommended. Expedition outfits, running shoes or sandals are a no-go. What kind of cruise did we sign up for?

After dinner, all passengers must disembark again to complete emigration formalities. Then we go through the mandatory safety drill, squeezed into our extremely comfortable life jackets. At precisely 10 p.m., after three blasts of the ship’s horn and dramatic music over the loudspeakers, we leave the “Po of Keelung” (the “r” and “t” in the sign had failed). Then we collapse into bed—tomorrow we will have a full day at sea to explore the ship and get settled in.

250521 – Tag 20 / Mittwoch, 21. Mai – von Taipeh nach Keelung –

Beim Frühstück verabschieden wir uns von Ada und Johnny – die beiden bleiben noch auf Taiwan, aber für uns geht es morgen aufs Schiff und wir wollen noch ein paar Sehenswürdigkeiten hier in Taipeh besuchen. Als erstes geht es zum Lin An Tai Historic House & Museum, ein Anwesen mit im wahrsten Sinne des Wortes bewegter Geschichte. Vor über 250 Jahren erbaut, wäre der Gebäudekomplex in den 1970ern beinahe abgerissen worden, um einem baumbestandenen Boulevard der sich ausdehnenden Großstadt zu weichen. Widerstand regte sich, die Erhaltung der Häuser samt Garten wurde schließlich durchgesetzt, und im Endeffekt wurde jeder Raum Stein für Stein abgetragen, jeder Ziegel, jede Dachschindel, jedes Holzornament nummeriert, fotografiert und katalogisiert und in einem Depot gelagert. Von dort übersiedelten alle Teile nochmals an einen zweiten Lagerplatz, bevor das gesamte historische Anwesen samt Garten auf seinem heutigen Platz Stück für Stück wieder aufgebaut wurde.

Dann geht es weiter zum Xingtian Tempel mit langen Besucherschlangen, die sich geduldig anstellen, zuerst für ein Reinigungsritual durch TempelmitarbeiterInnen mittels Räucherstäbchen und dann fürs Gebet um Gesundheit. Dieser Tempel war mit Abstand der geschäftigste, den wir bis jetzt gesehen haben.

Schließlich besuchen wir noch das Miniatures Museum of Taiwan, wo wir nicht nur Gebäudeminiaturen in verschiedenen Maßstäben finden, wie etwa den Buckingham Palast (ohne Queen, ohne Corgis), sondern auch Szenen aus Disney Classics wie Schneewittchen, Alice im Wunderland oder Peter Pan.

Es ist früher Nachmittag, wir holen unsere Koffer aus dem Hotel und bestellen uns einen Uber nach Keelung an die Nordküste, die Fahrt dauert grade mal eine halbe Stunde. Wir checken in unserem Hotel ein und erkunden dann die Gegend. Im Hafen liegen Schiffe der Küstenwache und auch ein sehr großes Kreuzfahrtschiff. Ein paar Straßen weiter sind die ersten Händler bereits eifrig dabei, ihre Stände für den Nachtmarkt aufzubauen, der auf ganz Taiwan für sein Streetfood, vor allem Meeresfrüchte, bekannt ist. Am Markt finden wir wieder zwei Neuzugänge für unsere Sammlung, und dann finden wir auch noch zwei sehr hübsche Tempel, Ching-an Tempel mit vielen, vielen roten Lampions, und den Dianji-Tempel mit großem Reiterstandbild. Zufrieden ziehen wir uns mit ein paar kleinen Köstlichkeiten vom Nachtmarkt ins Hotel zurück, morgen heißt es Abschied nehmen von Taiwan.

Day 20 / Wednesday, May 21 – from Taipeh to Keelung

At breakfast, we say goodbye to Ada and Johnny—they’re staying in Taiwan a bit longer, but we will be boarding our cruise ship tomorrow and we still want to see a few more sights in Taipei. First stop: the Lin An Tai Historic House & Museum, an estate with quite literally a “moving” history. Built over 250 years ago, the complex was nearly torn down in the 1970s to make room for a tree-lined boulevard as the city expanded. Resistance grew, and eventually, preservation was enforced. Every room was dismantled stone by stone, every tile, roof shingle, and wood carving numbered, photographed, cataloged, and stored. The entire structure was later relocated a second time before being reconstructed piece by piece at its current site, along with its garden.

Next, we visit the Xingtian Temple, where long queues of visitors are patiently lining up—first for a purification ritual conducted by temple staff with incense sticks, then for prayers for good health. This is by far the busiest temple we’ve seen yet.

Last sightseeing stop of the day: the Miniatures Museum of Taiwan, where we find architectural miniatures in various scales—such as Buckingham Palace (no Queen, no Corgis!)—and scenes from Disney classics like Snow White, Alice in Wonderland, and Peter Pan.

In the early afternoon, we pick up our luggage from the hotel and order an Uber to Keelung on the northern coast, just a 30-minute ride. After checking into our hotel, we explore the neighborhood. In the harbor we see Coast Guard ships and a massive cruise liner. A few streets over, vendors are already busy setting up for the night market, which is famous throughout Taiwan for its street food, especially seafood.

At the market, we find two more items for our collection, and then discover two very beautiful temples: Ching-An Temple, adorned with countless red lanterns, and the Dianji Temple, featuring a large equestrian statue. We return to the hotel, with a few tasty treats from the night market. Tomorrow, we will say farewell to Taiwan.