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230408 – La Trochita >

Samstag / Saturday, April 8, 2023

Tag 356 / 332 – La Trochita

Es war ein großer und kühner Traum – ganz Argentinien mit einem Eisenbahnnetz zu überziehen. Auf Bestreben des damaligen Präsidenten wurde geplant, dann auf die ökonomischere Schmalspur umgeplant und Loks und Wagons in großem Stil in Kassel, in Belgien und in Philadelphia eingekauft und mit dem Bau begonnen. Heute ist freilich nicht mehr viel übrig geblieben von diesem Traum – El Trochita erinnert in einem Museum, einer Wartungshalle und der Nostalgiefahrt an vergangene Zeiten. Eisenbahnfahren ist in Europa nichts Ungewöhnliches – hier in Argentinien schon, und etwas ganz Besonderes mit einer Schmalspur-Dampflok. Von El Maitén, Region Chubút, fährt der Zug einmal die Woche nach Ñorquinco in der Region Río Negro. Die Fahrt dauert rund 90 Minuten und der Zug erreicht an manchen Stellen eine Spitzengeschwindigkeit von 45 km/h.

Das Programm beginnt mit einem Rundgang durchs Museum und einer Führung durch die Wartungshalle, wo original Maschinen etwa in der Tischlerei oder der Dreherei noch immer in Betrieb sind. Ersatzteile werden direkt hier vor Ort hergestellt und auch alle Wartungen werden hier durchgeführt. 30 bis 40 MitarbeiterInnen kümmern sich um die Organisation, um Reparatur, Wartung und Pflege der Eisenbahn. Danach geht es mit Volldampf los. Schnaufend und ächzend setzt sich El Tronchita in Bewegung. Die Fahrt führt vorbei an Weiden mit Schafen, Rindern und Pferden – begleitet von einer Schar schimpfender Vögel, die sich in der Ruhe gestört fühlen. Die Mitarbeiterin setzt sich zu uns in den Wagon und beginnt zu erzählen – über den Bahnbau, über das Land, durch das wir fahren, über Fauna und Flora – viele, viele Details, die man sich fast nicht merken kann. Die touristische Unterweisung endet mit dem Hinweis, dass man den Holzofen in der Mitte des Wagons selbst befüllen darf, falls es zu kalt wird. Abgerundet wird das Unterhaltungsprogramm noch von einem mitfahrenden Gitarristen, der einige argentinische Weisen trällert und unter Applaus danach zum nächsten Wagon weiterwandert.

Nach 90 Minuten erreichen wir die Station Ñorquinco. Hier ist Endstation Richtung Norden – die Gleise ab hier sind versandet und werden nicht gewartet. Nun beginnt die Lokomotive das lustige „Umreihen“ des Zuges. Der Schlusswagon muss auch wieder an den Schluss und die Lokomotive muss gewendet werden. Der Lokführer sieht Sigi´s sehnsüchtigen Blick und lädt ihm ein, die Tour mitzufahren – der ehemalige ÖBB-Mitarbeiter lässt sich das nicht 2x sagen. Etwas später wird dann getauscht und ich komme auch in den Genuss einer Lokfahrt.

Währenddessen bieten die Bewohner von Ñorquinco alles auf, was das Herz eines Touristen begehrt: Hamburger, Sandwiches, gebratenes Fleisch, Wein und Nachspeisen, Keramik und anderen Souvenirs und natürlich saisonbedingt Ostereier. Dann geht es wieder zurück nach El Maitén. Diesmal huschen Hasen den Hügel hinauf, der einzige Esel auf der Strecke posiert für ein Foto, die Kühe machen widerwillig dem Dampfross Platz und einige Wildpferde liefern sich kurz vor El Maitén noch ein Wettrennen mit dem Zug.

Für uns ist der Tag fast zu Ende – wir wollen nur noch bis El Bolsón fahren und dort übernachten, aber die Stadt reißt uns wahrlich nicht vom Hocker. Hektischer Osterbetrieb mit Musik und Festzelten, viele Menschen, dichter Verkehr und Wohnmobil-unfreundliche Hinweise, dass freies Übernachten nicht erlaubt ist. So lassen wir El Bolsón hinter uns und finden einige Kilometer weiter ein ruhiges Plätzchen unter einem fantastischen Nachthimmel.

Alle Fotos von La Trochita: https://ottenweinerts.blog/fotogallerie/la-trochita-railway/

Day 356 / 332 – La Trochita

It was a great plan and a bold dream – to connect all Argentina by railroad. The president initialised the plans, sometime later the gauge was changed from standard to narrow gauge for economic reasons; engines and wagons were bought in great numbers in Kassel (Germany), in Belgium and in Philadelphia, USA, and construction began. Today, there is not much left of the big dreams, but El Trochita keeps the memory alive with a museum, the workshop and a nostalgic train ride. Riding a train is nothing unusual in Europe, but here in Argentina it is – especially with a narrow-gauge steam engine. The train ride from El Maitén, Chubút, to Ñorquinco, Río Negro, happens once a week and takes about 90 minutes, with a maximum velocity of 28 miles per hour.

The day starts with a tour through the museum and a guided tour through the workshop, where original machines are still working. Spare parts are produced right here and also all necessary inspections and repairs are done here. 30 to 40 employees take care of the organization and of repair and care of the engines and the wagons. After the museum tour, the steam train whistles and the ride begins. We pass estancias with sheep, cattle and horses; flocks of birds start from a pond, yelling at us. One of the guides, sitting in our compartment, is talking about the train construction, about the land we are crossing, about fauna and flora – many, many details we cannot memorize. If we are cold, we are allowed to put some logs into the wooden stove in the middle of the wagon. And a guitar player is also on board, wandering from wagon to wagon, singing Argentinian ballads.

After 90 minutes, we reach Ñorquinco – end of the train tracks which are still in use, the remaining tracks are not maintained anymore. Now the train has to be rearranged – the last wagon has to be put on the other end of the train in order to stay the last wagon, and the engine has to turn around. The engineer interprets Sigi´s longing look correctly and gestures him to join him on the engine – Sigi, the former employee of ÖBB, Austria´s Federal Train Company, doesn´t hesitate. A bit later, we trade and I get to ride on the engine, too. In the meantime, Ñorquinco´s inhabitants take care of the tourists – with burgers, sandwiches, “asado” (grilled meat), wine and sweets, ceramics and other souvenirs and of course easter eggs. Then the train whistles for the journey back to El Maitén. We see rabbits hurrying through the grass, the one and only donkey who lives here poses for a picture, cows reluctantly make way for the steaming engine and shortly before El Maitén, some wild horses race the train.

It´s late afternoon, we want to drive only a few miles to the nearest town on R 40, El Bolsón – but we are not sure we want to stay there. Very busy, a lot of festival tents, loud music, throngs of people, dense traffic and camper-unfriendly signs with the information that overnighting outside of campsites is not allowed. So, we continue on Ruta 40, and several miles north we find a nice, quiet spot under a starry night sky.

All pics of La Tronchita: https://ottenweinerts.blog/fotogallerie/la-trochita-railway/

Route 230408

220602 – Geschichte hoch 3 >

Donnerstag / Thursday, June 2, 2022

Tag 46 – Geschichte hoch 3: Gestern haben wir George Washingtons Wohnhaus besucht, heute standen wir in der alten Senatskammer im State Capitol in Annapolis, Maryland, in der Washington im Dezember 1783 als Oberbefehlshaber zurücktrat und die Macht in die Hände der Zivilregierung legte – ein friedlicher und freiwilliger Machtwechsel (!). In der Glasvitrine unter der Rotunde des Kapitols ist das Manuskript seiner Rede ausgestellt. Auch Harriet Tubman, einer der führenden Figuren der „Underground Railroad“, ist eine Statue gewidmet.

Weiter ging es nach Baltimore, Maryland, zuerst in das B&O Railroad Museum. Auch hier wurde Geschichte geschrieben, die Geschichte der amerikanischen Eisenbahnen nahm hier ihren Anfang. Unter den Gründern der B&O Railroad Company fanden wir auch zwei uns bekannte Namen – Samuel Morse (-> Alphabet) und Johns Hopkins (-> Universität). Von liebevoll restaurierten Kutschen und Planenwagen über erste kleine Dampfloks bis zu riesigen Ungetümen wie etwa die „Chessie“ – alle sind hier vertreten – im großen Rundhaus, im Freigelände oder in der Reparaturhalle – Tage könnte man hier verbringen!

Letzte Geschichtelektion für heute im Fort Mc Henry im Hafen von Baltimore – die Entstehungsgeschichte der amerikanischen Nationalhymne, geschrieben nach dem erfolglosen britischen Angriff auf die Stadt im Jahr 1812, und der Weg der Originalflagge, die damals über dem Fort wehte, bis zu ihrem heutigen Ehrenplatz im Smithsonian Museum in Washington, DC.

Day 46 – 3 history lessons: Yesterday we visited George Washingtons Mt. Vernon – today we stood in the Old Senate Chamber in Maryland´s State Capitol in Annapolis, where Washington resigned his commission as leader of the continental army in December 1783 – a peaceful and voluntary transition of power (!). The manuscript of his short speech can be seen directly beneath the rotunda, in the center of the capitol. And there is also a statue of and a lot of information about Harriet Tubman, the important “conductor” of the underground railroad.

Second lesson: History of American Railroading at its birthplace in Baltimore, MD, at the B&O Railroad Museum. Among the founders of B&O we found two familiar names – Samuel Morse and Johns Hopkins. Coaches, station wagons, Conestogas, tiny early locomotives and huge engines – they are all there, under the roof of the big roundhouse, in the North car shop or at the exterior platforms. Funny detail: one of the first train robberies in the US and the first one involving ice cream happened in July 1864 – the great civil war ice cream raid!

Third lesson: the origin of “The Star-Spangled Banner” at Fort Mc Henry in Baltimore´s harbor, after the unsuccessful attempt of the British to destroy Baltimore, and the history of the original flag from its pole in the Fort to the display in the Smithsonian Museum in Washington, DC.

Route 220602