Miyajima – einer der drei malerischsten Orte Japans. Das scheinbar รผber dem Wasser schwebende Torii des Itsukushima-Schreins ist wohl eine der bekanntesten Impressionen Japans. Wir liegen vor der Insel auf Reede, heute erfolgt der Transport zum Pier mit den Zodiacs, damit die auch mal raus dรผrfen. Und vermutlich auch, um die Bezeichnung der Reise als โExpeditionskreuzfahrtโ zu rechtfertigen. Man warnt uns vor – auf der heiligen Insel sind wir nicht alleine, die Besucher kommen in Scharen, mit Fรคhren vom Festland werden Schulklassen und Reisegruppen durchgeschleust. Es gibt fรผr heute keine gebuchten Ausflรผge, aber einen begleiteten Spaziergang zur Talstation der Gondelbahn. Am Weg dorthin laufen uns etliche Bambis รผber den Weg – die Sika-Hirsche leben in ganz Japan, aber hier auf der Insel verfolgen sie Touristen hartnรคckig, kontrollieren Rucksรคcke und fressen Papier – wie etwa Stadtplรคne oder auch Geldscheine.
Wir fahren mit der Gondel mit einmal Umsteigen zur Aussichtsplattform auf 430 m, und dann geht es noch mal 100 Hรถhenmeter hinauf zum Misen-Schrein und auf den Mount Misen auf 535 m. Etwas anstrengend, aber lohnend, der Ausblick auf die Insel und hinรผber auf Hiroshima ist toll. Wir nehmen den Rรผckweg hinunter zu Fuร in Angriff, auch in der Hoffnung, dass uns der Weg mehr oder weniger allein gehรถrt. Nach etwa einer Viertelstunde ist uns klar, dass wir das spรคtestens morgen frรผh, eventuell schon heute Abend bereuen werden. Viele, viele, verschieden hohe, schrรคge, rutschige Stufen wechseln sich mit unebenen, lรถchrigen und durch feuchtes Laub auch rutschigen Wegstรผcken ab. Und von wegen allein – unerwartet viele Touristen kommen uns entgegen, die meisten schnaubend und stรถhnend – dennoch, unsere Hochachtung, wir hรคtten das bergauf nicht geschafft.
Irgendwann kommen wir dann unten beim Daishoin-Tempel an, und das ist womรถglich die schรถnste Tempelanlage, die wir bis jetzt in Japan gesehen haben. Malerisch, mystisch und perfekt in die Landschaft integriert. Und mit hunderten teilweise angezogenen kleinen Statuen – die meisten mit roten gehรคkelten Mรผtzchen. Rotkรคppchentempel, quasi.
Von dort ist es nicht weit zur Schatzkammer, in der einzigartige Rรผstungen, Kalligrafien, Schwerter, Urnen und andere wertvolle Stรผcke gezeigt werden – nur ein Bruchteil der Sammlung ist ausgestellt, und leider ist Fotografieren verboten. Und natรผrlich muss man die Schuhe ausziehen, dafรผr gibt es – liebevoll mit dem Staubwedel abgestaubte – Schlapfen fรผr die Besucher. Schluรendlich das Highlight der heiligen Insel, der Itsukushima Schrein. Wir haben in der Frรผh pflichtschuldigst die Fotos bei Flut gemacht, jetzt bei Ebbe sieht man gut, dass der ganze Tempel auf Stelzen ruht. Und man kann auch trockenen Fuรes zum Torii gehen.
Wir schaffen es mit dem vorletzten Zodiac zurรผck aufs Schiff, versenken uns dankbar im Whirlpool – wir bereuen den Fuรmarsch jetzt schon, alle Muskeln schmerzen. Allerdings merken wir dann, dass der Chlorgehalt zu hoch sein dรผrfte – es schรคumt, unsere Badesachen sind fast vรถllig ausgebleicht und wir riechen wie ein Flรคschchen Bleichmittel. Und es juckt. Nach dem Abendessen fallen wir ins Bett, fรผr den heutigen Zoologie-Vortrag um 21:30 sind wir viel zu mรผde, den werden wir uns รผbermorgen auf See dann im Bordfernsehen anschauen.
Day 28 โ Cruise Day 8 โ Thursday, May 29 โ Miyajima, the Sacred Island
Miyajima โ one of Japanโs most scenic spots. The floating torii gate of Itsukushima Shrine is one of the countryโs most iconic views. Weโre anchored offshore, using the Zodiacs to reach the island โ which is a bit impractical and even unnecessary, but probably done to justify calling this cruise an โexpedition cruiseโ.
Weโre warned: we will not be alone on the sacred island. Ferries from the mainland bring in school groups and tourists by the dozens. There are no formal excursions today, but there is a guided walk to the ropeway base station.
Along the way, weโre greeted by numerous Sika deer, common across Japan. But on Miyajima, theyโre particularly inquisitive โ rummaging through backpacks, eating maps and even paper money.
We take the gondola to a viewing platform at 430 m, then hike another 100 m up to the Misen Shrine and Mount Misen (535 m). Itโs a bit strenuous, but the view of the island and across to Hiroshima is stunning. We descend on foot, hoping for solitude. After 15 minutes, we realize weโll regret this tomorrow, or maybe even tonight – countless uneven, slippery, mossy steps provide a very exhausting hike downhill. And we pass loads of panting and groaning hikers going uphill, we are impressed โ we couldnโt have done the hike uphill.
Eventually, we reach Daishoin Temple, possibly the most beautiful temple weโve seen in Japan so far. Picturesque, mystical, perfectly integrated into the landscape, filled with hundreds of little statues, many wearing red crocheted hats โ a Little Red Riding Hood Temple.
Nearby is the treasure hall with rare armor, swords, calligraphy, and urns โ only a small portion of the collection is on display, and no photos allowed. Shoes off, slippers provided (carefully dusted off with a feather duster!).
Finally, the highlight: Itsukushima Shrine. We took our high-tide photos in the morning โ now, at low tide, we see the entire structure on stilts. You can even walk out to the torii.
We catch the second-last Zodiac back to the ship and immerse ourselves into the hot whirlpool. We already regret todayโs hike, every muscle in our body is aching. But then we notice, that the chloride content seems to be too high – there is a lot of foam, our bathing suits have lost almost all color and we both smell like a bleach container. And we feel itchy. After dinner, we fall into our beds โ far too tired for the 9:30 p.m. zoology lecture. Weโll watch it the day after tomorrow at sea.
