Archiv der Kategorie: Hafen

260528 – Donnerstag, 28.5 – Shanghai –

Heute heißt es Abschied nehmen – von unserem Betreuer Joey, von unseren Tischnachbarn aus Malaysia, von Eileen aus Kanada, von Toni und Coco von den Philippinen und nicht zuletzt von der gesamten Crew und unserem Schiff, der Century Legend.

Die 10 Tage Kreuzfahrt sind viel zu schnell vergangen, ab jetzt sind wir wieder zu zweit allein unterwegs.

Erfreulicherweise können wir bereits vor Mittag im Hotel einchecken, und beim Blick aus unserem Fenster sehen wir das Radisson Blu, wo wir vor zehn Jahren gewohnt haben. Wir starten einen Spaziergang, über die belebte Nanjing Road, aber dann mache ich schlapp. Ich habe mich gestern schon nicht wohl gefühlt, ich dürfte das Essen vorgestern Abend nicht vertragen haben. Also kehre ich zurück ins Hotel und Sigi zieht alleine die Nanjing Road weiter bis zum Bund. Und kommt ein paar Stunden später mit fünf neuen Rettungsautos für unsere Sammlung zurück,  und mit mindestens 500 Fotos – Shanghai ist einfach sehr fotogen! Sogar alte verlassene Hutongs, die vermutlich der Stadtplanung zum Opfer gefallen sind und irgendwann Hochhäusern weichen müssen, erscheinen durch gekonnte Wandmalereien lebendig.

Für heute Abend haben wir Tickets für die „Era“ in der Zirkuswelt Shanghai- und das ist wieder eine Show der Extra-Klasse. Akrobatik, mit Wippen, an Seilen, mit Reifen, mit Tauben (!!), und schließlich Motorräder, die in einer Stahlkugel ihre Runden drehen. Acht Motorräder. ACHT! Gleichzeitig!

Mit dem Bus geht es durch das nächtliche Shanghai zurück zum Hotel, und zumindest Sigi hat heute doch 16.103 Schritte bzw. 11,9 km zurückgelegt. 

Thursday, May 28 – Shanghai

Today it’s time to say goodbye—to our guide Joey, to our table neighbors from Malaysia, to Eileen from Canada, to Toni and Coco from the Philippines, and last but not least to the entire crew and our ship, the Century Legend.

The ten-day cruise has passed far too quickly. From now on, it’s just the two of us traveling on our own again.

Fortunately, we are able to check into our hotel before noon. Looking out of our window, we can see the Radisson Blu, where we stayed ten years ago. We set off for a walk along the bustling Nanjing Road, but an hour later, I give up. I haven’t been feeling well since yesterday, maybe due to the meal we had the evening before last. So I head back to the hotel while Sigi continues, along Nanjing Road all the way to the Bund.

A few hours later, he returns with five new rescue vehicles for our collection—and at least 500 photos. Shanghai is simply incredibly photogenic! Even old, abandoned hutongs that have likely fallen victim to urban development and will eventually make way for high-rise buildings are brought to life by skillfully painted murals.

For this evening, we have tickets to the “ERA” show at Shanghai Circus World—and once again it is a truly world-class performance. Acrobatics on teeterboards, on ropes, with hoops, with doves (!!), and finally motorcycles racing around inside a steel sphere. Eight motorcycles. EIGHT! At the same time!

Afterwards, we take the bus back to the hotel through the nighttime streets of Shanghai, and at least Sigi managed to cover 16,103 steps or 11.9 kilometers today.

260525 – Montag, 25.6 – am Mt. Jiuhua – 

Nach dem Frühstück fahren wir mit Autobussen eineinhalb Stunden Richtung Jiuhuashan UNESCO Global Geo Park. An sich war für heute Regen angesagt, aber wir haben mal wieder Glück, es ist trocken und freundlich, allerdings wieder bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Es geht ordentlich bergauf, über eine Bergstraße mit vielen Serpentinen inmitten von viel Grün. Könnte man fast mit Österreich verwechseln – wenn da nicht der Bambus am Straßenrand wäre.

Der Mt. Jiuhua ist einer der vier berühmten Berge des chinesischen Buddhismus, die jeweils einem der vier großen Bodhisattvas geweiht sind – hier wird Kśitigarbha/Dizang verehrt, Bodhisattva der Erlösung und des Lichts. Als erstes geht’s mit der Standseilbahn (made in Austria) hinauf zum Baisui Palast (1579, Ming Dynastie), auch Zhaixing Tempel genannt. Die Tempel sind grandios, und der Ausblick auf die umliegenden Berge ebenso – an den Hängen und auf den Gipfeln kleben weitere Klöster.

Am Weg zurück zur Seilbahn werden wir von einer zweiköpfigen Patrouille angehalten – die Makaken möchten die Touristen ein wenig näher begutachten – leider halten sich nicht alle an das Gebot, die Wildtiere nicht zu füttern.

Das Mittagessen ist wieder viel zu viel, zumal wir nur zu viert an einem Tisch für zehn Leute sitzen, wo aber dennoch die Menge für zehn Personen aufgetragen wird. Wir fragen mal unsere Guide, was mit dem übrig gebliebenen Essen passiert, in der Hoffnung, dass die Angestellten es bekommen oder es sonst irgendwie weiter verwendet wird. Leider müssen wir dann mit ansehen, wie alles in große Kübeln geleert und weggebracht wird – also das bekommen die Angestellten so sicher nicht zu essen.

Anschließend bekommen wir noch zwei Tempel zu sehen, zuerst den Huacheng-Tempel, dessen Eingang von Elefanten mit sechs Stoßzähnen bewacht wird. Diese symbolisieren die sechs Tugenden im Buddhismus, die zur Erleuchtung führen sollen. Und der letzte Tempelkomplex besteht eigentlich aus drei großen Palästen, einer schöner als der andere. 

Nach dem Abendessen macht sich unser Schiff auf den Weg Richtung Nanjing, 225 km sind es bis dorthin. Wir haben zumindest 11.034 Schritte oder 6,6 km zurückgelegt heute.

Monday, June 25 – at Mt. Jiuhua –

After breakfast, we travel by coach for an hour and a half toward the Jiuhuashan UNESCO Global Geopark. Rain had actually been forecast for today, but once again we are lucky: it stays dry and pleasant, although the humidity is extremely high again. We head steadily uphill along a mountain road full of switchbacks, surrounded by lush greenery. You could almost mistake it for Austria — if it weren’t for the bamboo lining the roadside.

Mt. Jiuhua is one of the four famous mountains of Chinese Buddhism, each dedicated to one of the four great Bodhisattvas. Here, Kṣitigarbha (Dizang), the Bodhisattva of salvation and light, is venerated. First, we take the funicular railway (made in Austria, by the way) up to Baisui Palace (1579, Ming Dynasty), also called Zhaixing Temple. The temples are magnificent, and so are the views of the surrounding mountains — additional monasteries cling to the hillsides and mountaintops.

On the way back to the cable car, we are stopped by a two-member patrol — the macaques want to take a closer look at the tourists. Unfortunately, not everyone follows the rule against feeding wild animals.

Lunch is served once again in a local restaurant- with far too much food, especially considering that there are only four of us sitting at a table meant for ten people, yet the amount served is still enough for ten. We ask our guide what happens to the leftovers, hoping that the staff get to eat them or that the food is otherwise reused somehow. Sadly, we then have to watch as everything is dumped into large bins and carried away — so the staff definitely are not getting it to eat.

Afterwards, we visit two more temples. First, the Huacheng Temple, whose entrance is guarded by elephants with six tusks. These symbolize the six Buddhist virtues that are said to lead to enlightenment. The final temple complex actually consists of three large palaces, each more beautiful than the last.

After dinner, our ship sets course for Nanjing, which lies 225 km away. At least we managed 11,034 steps — or 6.6 km — today.

260523 – Samstag, 23.5. – ein gelber Kranich, ein Glockenspiel und der älteste Kühlschrank der Welt

Heute Früh wachen wir in Wuhan auf, der nächsten Millionenmetropole mit mehr Bevölkerung als ganz Österreich (13,77 Mio Einwohner). Erste Besichtigung heute: der Turm – nein, nicht der Fledermaus, sondern  des gelben Kranichs. Das heutige Bauwerk, einer der „Vier großen Türme Chinas“, ist allerdings nicht mehr das Original, sondern mittlerweile das zwölfte. Der erste Turm wurde im Jahr 223 n. Chr. errichtet, und im Laufe der Jahrhunderte elf mal durch Kriege, Feuer oder Blitzschlag zerstört und wieder aufgebaut. Der heutige Turm ist 51,4 m hoch und besteht nur aus Beton, was man ihm eigentlich gar nicht ansieht. Im obersten Stock finden sich wunderbare Gemälde und die Aussicht ist großartig. Die mussten wir uns aber auch verdienen, der Besucherandrang ist gewaltig.

Nach dem – gut organisierten und ausgiebigen – Lunch in einem Hotel in der Nähe geht es weiter zum Museum der Provinz Hubei – und hier sind die Besuchermassen angsterregend. Das Museum ist eines der größten in China, und wir bemühen uns in der kurzen Zeit, die uns zur Verfügung steht, wenigstens einige der herausragenden archäologischen Schätze zu besichtigen.

Für das legendäre, über 2000 Jahre alte Bronzeschwert von Goujian müssen wir uns diesmal sogar vor dem Ausstellungsraum anstellen, und dann einfach nach vorne drängeln – mit geduldig Warten kommt man hier nicht weiter. Das Schwert, ganze 57 cm lang, einst im Besitz des Königs von Yue, wurde 1965 ausgegraben, absolut rostfrei und nach wie vor scharf.

Noch älter (2.459 Jahre) sind die 65 Bronze-glocken in ihrem Holzrahmen, die zusammen das Glockenspiel des Markgrafen Yi von Zeng bilden – funktionieren angeblich einwandfrei und decken fast fünf Oktaven ab. Inmitten von vielen unglaublich fein gearbeiteten Bronzegefäße sehen wir dann unter anderem die Jiangu-Trommelbasis – Dutzende kompliziert ineinander verschlungene Phönixe und Drachen bilden die Basis für eine große Trommel. Und auch den vermutlich ältesten Kühlschrank der Welt bekommen wir zu sehen:  der Bronze-Jianfu des Markgrafen Yi, welcher Speisen und Getränke im Inneren durch Eisblöcke im äußeren Behälter gekühlt halten konnte.

Nach vielen weiteren Hallen mit sensationellem Goldschmuck, Bronzekrügen, Musikinstrumenten, Sarkophagen und Grabwächterstatuen aus zweieinhalb Jahrtausenden stauen wir uns zurück zum Pier, wo unser Schiff liegt – für die 12 km brauchen wir eine Dreiviertelstunde – angeblich ist das heute nur leichter Verkehr, weil ja Samstag ist. Also unter der Woche möchte ich hier nicht Autofahren müssen….

Nach dem Abendessen gibt’s eine Runde Gesellschaftsspiele – die lassen wir aus, stattdessen setzen wir uns mit Drinks aufs Aussichtsdeck. Kurz danach kommt auch die hauseigene Band Toni und Coco an Deck, und da darf‘s dann das eine oder andere Tänzchen sein … wenn uns vor zehn Jahren jemand gesagt hätte, dass wir auf einem  Kreuzfahrtschiff mitten am Yangtze eine Rumba tanzen, hätten wir ihn / sie ausgelacht…. Aber damit haben wir heute wenigstens 12.563 Schritte oder 8,3 km geschafft. Unser Schiff steuert mittlerweile die nächste Destination an, es sind 250 km bis Jiujiang.

Saturday, May 23 – A Yellow Crane, a Carillon, and the Oldest Refrigerator in the World

This morning we wake up in Wuhan, the next megacity with more inhabitants than all of Austria (13.77 million residents). Our first sightseeing stop today: the tower—no, not the bat tower, but the Yellow Crane Tower. The current structure, one of the “Four Great Towers of China,” is no longer the original but already the twelfth version. The first tower was built in 223 AD and, over the centuries, was destroyed and rebuilt eleven times due to wars, fires, and lightning strikes. Today’s tower stands 51.4 meters high and is made entirely of concrete—something you would hardly guess by looking at it. The top floor contains wonderful paintings, and the view is magnificent. We had to earn it, though—the crowds of visitors are enormous.

After a well-organized and extensive lunch at a nearby hotel, we continue to the Hubei Provincial Museum—and here the crowds are truly intimidating. The museum is one of the largest in China, and in the short time available to us, we try to at least see some of its outstanding archaeological treasures.

For the legendary Sword of Goujian, over 2,000 years old, we actually have to queue outside the exhibition room and then simply push our way forward- waiting patiently won’t get you anywhere here. The sword, 57 cm long and once owned by the King of Yue, was excavated in 1965, completely rust-free and still sharp.

Even older (2,459 years) are the 65 bronze bells mounted in a wooden frame, forming the bell chime set of Marquis Yi of Zeng – still working perfectly, covering nearly five octaves. Among many superb bronze vessels, we also see the Jiangu drum base—dozens of intricately intertwined phoenixes and dragons form the base for a large drum. And we even get to see what is probably the oldest refrigerator in the world: the Bronze Jianfu of Marquis Yi, which kept food and drinks cool inside by using ice blocks placed in an outer container.

After many more halls filled with sensational gold jewelry, bronze jugs, musical instruments, sarcophagi, and guardian statues from two and a half millennia, we slowly make our way back to the pier where our ship is docked. The 12 km journey takes us 45 minutes—apparently today’s traffic is considered light because it’s Saturday. I definitely wouldn’t want to be driving here during the week…

After dinner there’s a round of board games—we skip that and instead head to the observation deck with some drinks. Soon after, the ship’s resident band, Toni and Coco, also come up on deck, and that calls for a dance or two. If someone had told us ten years ago that we’d be dancing a rumba on a cruise ship in the middle of the Yangtze River, we would have laughed at them… But at least that helped us reach 12,563 steps or 8.3 km today.

Our ship is now heading toward the next destination: Jiujiang, 250 km downstream.

260522 – Freitag, 22.5. – die Königsgräber der Chu –

Nach dem Frühstück geht es mit dem Autobus eineinhalb Stunden zu den Königsgräbern der Chu, ca. 35 km nordöstlich von Jingzhou. Die enorme Anlage ist mindestens so bedeutend wie das Mausoleum des ersten Kaisers Qin Shi Huang mit seiner Terrakotta Armee in Xian, und wurde auch genauso zufällig durch Feldarbeit gefunden. Allerdings haben wir bis zur Vorbereitung auf diese Reise noch nie etwas vom Reich der Chu (ca. 1040 – 220 v. Chr.) gehört.

Auch hier finden sich, so wie in Xian, riesige Opfergruben für Streitwagen und Pferde – aber nicht aus Terrakotta, wie die sorgfältig präparierten Skelette der armen Tiere belegen. Außerdem finden sich zahlreiche 

Gräber für Leibwachen, Konkubinen und Ehrengarden. Als Grabbeigaben waren vor allem Jadeschmuck und Kupfergefäße gebräuchlich. Die Lage der Mausoleen des Kaisers und der Kaiserin ist bekannt, allerdings wurden die Grabhügel bislang noch nicht geöffnet, um den möglichen Zerfall der 2500 Jahre lang luftdicht verschlossenen Artefakte durch den plötzlichen Einfluss von Licht und Sauerstoff zu verhindern. Daher weiß bis jetzt auch niemand, um welchen Chu-Kaiser es sich eigentlich handelt.

Am Nachmittag gibt es eine Präsentation über den mächtigen Fluss und die berühmten drei Schluchten. Der Fluss fließt durch elf chinesische Provinzen, bevor er bei Shanghai ins Meer mündet. Und eigentlich hat er viele Namen: im Oberlauf etwa heißt er Tongtian – mit dem Himmel verbunden, einer der gebräuchlichsten Namen ist Chang Jiang – langer Fluss. Außerdem hören wir, dass der Bezirk Fengjie, am Eingang in die erste Schlucht, die Qutang-Schlucht, auch Drei-Drachenbezirk genannt wird: der schwarze Drachen bezieht sich auf den Kohleabbau, der orange Drachen auf die Orangenplantagen und der weiße Drachen auf die Stadt des weißen Kaisers. Und schlussendlich lernen wir auch den Begriff  „wandelndes Portemonnaie“ kennen – das ist die Bezeichnung der Einheimischen für uns, also die Touristen, die ihr Geld hierlassen.

Abends bietet die Crew eine Art Varietee-Show, das Publikum ist begeistert und klatscht heftig – mit den vorher ausgeteilten Handklatschern! 

Und unser Schiff ist seit Mittag bereits wieder unterwegs, bis zu unserem nächsten Stopp morgen früh sind es immerhin 478 km. Bei unserer Eigenleistung dagegen merkt man, dass wir zu den Sehenswürdigkeiten gekarrt oder geschippert werden: heute haben wir nur 9.292 Schritte oder 6 km zurückgelegt.

Friday, May 22 – The Royal Tombs of Chu

After breakfast, we travel by bus for an hour and a half to the royal tombs of Chu, about 35 km northeast of Jingzhou. This enormous site is at least as significant as the mausoleum of the first emperor Qin Shi Huang with his Terracotta Army in Xian, and it was discovered just as accidentally—through agricultural work. However, until preparing for this trip, we had never even heard of the Kingdom of Chu (ca. 1040–220 BC).

Here too, as in Xian, there are enormous sacrificial pits for chariots and horses—but not made of terracotta, as the carefully preserved skeletons of the poor animals clearly show. There are also numerous graves for bodyguards, concubines, and ceremonial guards. Jade jewelry and bronze vessels were especially common as burial goods. The locations of the emperor’s and empress’s mausoleums are known, but the burial mounds themselves have not yet been opened in order to prevent possible deterioration of the artifacts, which have remained airtight for 2,500 years, from sudden exposure to light and oxygen. Therefore, no one yet knows which Chu emperor is actually buried there.

In the afternoon, we attend a presentation about the mighty river and the famous Three Gorges. The river flows through eleven Chinese provinces before reaching the sea near Shanghai. And in fact, it has many names: in its upper reaches, for example, it is called Tongtian—“connected with heaven”; one of its most commonly used names is Chang Jiang—“Long River.” We also learn that Fengjie District, at the entrance to the first gorge, the Qutang Gorge, is also known as the “Three Dragons District”: the black dragon refers to coal mining, the orange dragon to orange plantations, and the white dragon to the City of the White Emperor. And finally, we learn the expression “walking wallet” — the locals’ nickname for us, the tourists, who leave their money here.

In the evening, the crew puts on a kind of variety show. The audience is delighted and applauds enthusiastically—with the clappers that had been handed out beforehand!

Meanwhile, our ship has already been underway again since noon. Until our next stop tomorrow morning, there are still 478 km to go. As for our own contribution, it’s clear that we’re mostly being driven or ferried from one attraction to the next: today we managed only 9,292 steps, or 6 km.

260521 – Donnerstag, 21.5 – das Megabauwerk – 

In der Früh bringt uns eine Standseilbahn vom Schiff zum Autobus Richtung DreiSchluchtenmuseum. Das ganze Gebiet rund um den Damm ist militärisch kontrolliert und kann nur im Rahmen von organisierten Ausflügen besucht werden – ein Besuch auf eigene Faust ist nicht möglich.

Im Außenbereich des Museums sind Baumaschinen zu sehen, die in den 90er Jahren aus Europa und Amerika importiert wurden, weil es die entsprechende Technologie in China noch nicht gab. Ein Raupen-Fahrzeug aus den USA kostete damals 2 Millionen US $, einer der riesigen Goodyear Reifen 500.000 Renminbi (wobei der durchschnittliche Monatslohn 480 RMB betrug)

Der Yangtse kommt aus Tibet vom Mt. Everest und fließt 6.300 km bis Shanghai – somit der drittlängste Fluss der Welt, und außerdem sehr fischreich. Karpfen und Barsch fischen ist erlaubt, aber Störe zu fangen ist verboten und wird mit sieben Jahren Gefängnis bestraft – der Stör steht auf der gleichen Stufe wie der große Panda. Außerdem leben hier angeblich 1.249 Süßwasserdelfine – wie man auf diese Zahl kommt, konnten wir leider nicht herausfinden.

Wasser zu bändigen und zu nutzen, ist nicht neu in China. Der Kanal Beijing – Hanghzou, 1.800 km lang, ist ca 2.500 Jahre alt und nach wie vor in Verwendung. Der Yangtze verursachte etwa alle zehn Jahre verheerende Überschwemmungen. Bereits 1919 träumte Dr. Sun Yat-Sen davon, diese Überflutungen zu verhindern. 1944 wurden amerikanische Wissenschaftler eingeladen, ein Projekt für eine Talsperre zu entwickeln, da kam dann aber der chinesische Bürgerkrieg dazwischen. 1958 traf Mao Tse Tung die Entscheidung, den DreiSchluchtendamm bauen zu lassen, scheiterte aber an den damals schon immensen Kosten (stattdessen wurde eine kleinere Talsperre etwa 35 km weiter flussabwärts erbaut). Erst durch Chinas Öffnung für den Westen konnte auch westliche Technologie hier zum Einsatz kommen. Baubeginn war 1994, fertig gestellt wurde das Megaprojekt mit einer Höhe von 175 m im Jahre 2012. Die Konstruktionskosten betrugen 95 Mrd Yuan, und 86 Mrd Yuan kostete die Umsiedlung der etwa 1,4 Millionen Menschen, die von der Entstehung des 600 km langen Stausees betroffen waren. Die Reste ihrer Siedlungen befinden sich nun tief unter uns, im Wasser.

Am Nachmittag, mit gut 2,5 Stunden Verspätung, passiert unser Schiff, gemeinsam mit zwei Frachtkähnen, die fünfstufige Schiffsschleuse. Rechts und links ist da wirklich nicht mehr viel Platz. Mit jeder Schleuse sinken wir ca 25 m tiefer, der ganze Spaß dauert etwa dreieinhalb Stunden. Es gibt zwar auch einen Schiffsaufzug, mit diesem würde das Ganze nur etwa 1 Stunde dauern, aber der eignet sich nur für kleinere Schiffe bis 3500 t. Als wir um 19:40 Uhr endlich aus der Schleuse heraußen sind, ist es dämmrig und 20 Minuten später ist es finster – der Damm und die fünfstufige Schleuse sind toll beleuchtet – hätten wir ohne die Verspätung nicht zu sehen bekommen. Dafür sehen wir dann von der Xiling-Schlucht, der dritten und mit 76 km längsten der drei Schluchten eigentlich nichts, weil es stockfinster ist. Und die Passage der Schleuse des Gezhou Damms verschlafen wir bereits, genauso wie den Rest der Fahrt nach Jingzhou. 

Unser Schiff hat heute 148 km zurückgelegt, unsere Eigenleistung betrug nur 10.655 Schritte oder 6,9 km.

Thursday, May 21 – The Mega Structure

In the morning, a funicular takes us from the ship to a bus heading toward the Three Gorges Museum. The entire area around the dam is under military control and can only be visited as part of organized tours – it is not possible to visit on your own.

Outside the museum, construction machinery is on display that was imported from Europe and America in the 1990s because China did not yet have the necessary technology. One crawler vehicle from the USA cost 2 million US dollars at the time, and one of the giant Goodyear tires cost 500,000 renminbi (while the average monthly salary was only 480 RMB).

The Yangtze originates in Tibet near Mt. Everest and flows 6,300 km to Shanghai, making it the third-longest river in the world. It is also very rich in fish. Fishing for carp and perch is allowed, but catching sturgeon is prohibited and punishable by seven years in prison — sturgeon are considered on the same protection level as the giant panda. Supposedly, 1,249 freshwater dolphins also live here — unfortunately, we could not find out how anyone arrived at that exact number.

Controlling and making use of water is nothing new in China. The Beijing–Hangzhou Canal, 1.800 km long, is about 2,500 years old and still in use today. The Yangtze caused devastating floods roughly every ten years. As early as 1919, Dr. Sun Yat-Sen dreamed of preventing these floods. In 1944, American scientists were invited to develop a dam project, but the Chinese Civil War interrupted those plans. In 1958, Mao Zedong decided to have the Three Gorges Dam built, but the enormous costs prevented the realization  (instead, a smaller dam was built about 35 km downstream). It took decades and the opening of China to the West in order to import Western technology. Construction began in 1994, and the mega-project, standing 175 meters high, was completed in 2012. Construction costs amounted to 95 billion yuan, while another 86 billion yuan were spent relocating approximately 1.4 million people affected by the creation of the 600 km long reservoir. The remains of their settlements now lie deep beneath us, underwater.

In the afternoon, running more than 2.5 hours behind schedule, our ship enters the five-stage ship lock together with two cargo barges. There really isn’t much room to spare on either side. With each lock, we descend around 25 meters lower. The whole process takes about three and a half hours. There is also a ship lift, which would reduce the journey to only about one hour, but it is suitable only for smaller vessels of up to 3,500 tons.

When we finally emerge from the last lock at 7:40 p.m., it is already dusk, and twenty minutes later it is completely dark. The dam and the five-stage lock are beautifully illuminated — something we would not have seen without the delay. On the other hand, we see practically nothing of the Xiling Gorge, the third and longest of the three gorges at 76 km, because it is pitch black. We also sleep through the passage of the Gezhou Dam lock, as well as the remainder of the journey to Jingzhou.

Today our ship covered 148 km. Our own contribution amounted to only 10,655 steps, or 6.9 km.

260519 – Dienstag, 19. Mai – Geisterstadt, Megadamm und Feuer in den drei Königreichen – 

Wir haben seit gestern Abend leise und unbemerkt 177 km zurückgelegt (nein, nicht zu Fuß), heute früh wachen wir in Fengdu auf, und hier lernen wir: Beijing ist die Hauptstadt von China, aber Fengdu ist die Hauptstadt der Unterwelt. Das Wetter mit mystischen Nebelfetzen passt hervorragend dazu.

Über eine lange Pontonbrücke erreichen wir das Ufer, dann geht es mit dem Shuttle weiter. Der ausgedehnte Tempelkomplex, malerisch auf dem Ming Berg am nördlichen Ufer des Yangtze gelegen, kombiniert Elemente aus Buddhismus, Taoismus und Konfuzianismus. Hier müssen die Toten drei Tests bestehen – eine Brücke überqueren, einen Torbogen durchschreiten und einbeinig auf einer Kugel stehen – bevor sie ins Leben nach dem Tod weiter ziehen dürfen; furchterregende Dämonenstatuen säumen den Weg. Wer die Tests nicht besteht, landet in der 18. Hölle, die recht plastisch dargestellt ist. Und außerdem lernen wir: die Herren steigen mit dem linken Fuß über die Tempelschwelle und die Damen mit dem Rechten, weil: „die Damen haben immer recht!“

Am Nachmittag gibt’s Fortbildung: zuerst die äußerst interessante Dokumentation „Megadamm“ und dann eine Präsentation zum Dreischluchtendamm, den wir übermorgen besuchen werden. Unser Schiff legt inzwischen 62 km bis nach Zhongxian zurück, und nach dem Abendessen geht es von dort mit Bussen ca 30 min zur Show „Feuer in den 3 Königreichen“, wieder ein Mega-Spektakel: eine Freiluftaufführung mit Kriegern zu Pferd auf einer gewässerten Bühne, die den Yangtze symbolisiert, schirmschwingenden Tänzerinnen, die sich inmitten von blühenden Pfirsichbäumen aus der Luft abseilen, beweglichen Kulissen mit riesigen Projektionsflächen sowie rotierendem Auditorium. Also quasi „Kangxi Ceremony“ x „Chongqing 1949“, nur leider ohne englische Untertitel oder Kopfhörer. Von der Story (die zur Zeit der drei Königreiche in China ab 220 n. Chr. spielt) haben wir daher nicht viel mitbekommen, aber die war ja auch eher Nebensache – Reitkunst, Akrobatik, Technik und Spezialeffekte waren die eigentlichen Hauptdarsteller.

Und somit waren wir während dieser zwei Wochen in China öfter im Theater als in den letzten Jahren daheim! Dafür waren es heute nur 11.454 Schritte oder 7,5 km. 

Tuesday, May 19 – Ghost City, Mega Dam, and Fire in the Three Kingdoms –

Since yesterday evening, we’ve quietly and unnoticed covered 177 km (no, not on foot). This morning we wake up in Fengdu, and here we learn: Beijing is the capital of China, but Fengdu is the capital of the underworld. The weather, with its mystical wisps of fog, fits the theme perfectly.

We reach the shore via a long pontoon bridge and continue by shuttle. The extensive temple complex, picturesquely situated on Ming Mountain on the northern bank of the Yangtze, combines elements of Buddhism, Taoism, and Confucianism. Here, the dead must pass three tests—cross a bridge, walk through a ceremonial archway, and stand on a sphere on one foot—before they are allowed to move on into the afterlife; terrifying demon statues line the path. Those who fail the tests end up in the 18th Hell, which is portrayed in rather graphic detail. We also learn another important fact: men step over the temple threshold with their left foot first, and women with their right—because “women are always right!”

In the afternoon, we watch the extremely interesting documentary Mega Dam, followed by a presentation about the Three Gorges Dam, which we’ll visit the day after tomorrow. Meanwhile, our ship travels another 62 km to Zhongxian, and after dinner we take buses for about 30 minutes to see the show Fire in the Three Kingdoms—another mega-spectacle. It’s an open-air performance featuring warriors on horseback on a flooded stage symbolizing the Yangtze, dancers twirling parasols and descending from the sky among blooming peach trees, moving stage sets with enormous projection screens, and even a rotating auditorium. Basically, it’s like Kangxi Ceremony × Chongqing 1949, only unfortunately without English subtitles or headphones. As a result, we didn’t understand much of the story (which is set during China’s Three Kingdoms period beginning in 220 AD), but that was almost secondary—the real stars were the horsemanship, acrobatics, technology, and special effects.

And so, during these two weeks in China, we’ve gone to the theater more often than we have in recent years back home! On the other hand, today we only managed 11,454 steps, or 7.5 km.

260518 – Montag, 18. Mai – bye bye Chongqing – Ahoi Century Legend –

Heute gehen wir’s gemütlich an – wir schlafen länger, nützen die hoteleigene Waschmaschine und den Trockner und frühstücken ausgiebig. Gegen Mittag spazieren wir unerschütterliche Touristen trotz leichten Regens zum Luohan Tempel –  vor beinahe 1000 Jahren gegründet, immer wieder zerstört und wieder aufgebaut, beheimatet der Tempel Hunderte Buddhas und Arhats. Die Architektur ist atemberaubend, ebenso der Kontrast zu den Hochhäusern ringsherum. Dies ist wohl der schönste Tempel, den wir bis jetzt gesehen haben.

Dann stolpern wir in ein Kaufhaus, dessen 8. Stockwerk nur aus Spielzeuggeschäften besteht. So ein Zufall…. Schwer beladen mit vielen Rettungsautos kehren wir ins Hotel zurück und müssen natürlich Koffer umpacken, bevor wir uns, jetzt mit drei Gepäckstücken, auf den Weg machen. Wie hügelig Chongqing tatsächlich ist, merken wir am Weg, den unser Taxifahrer nimmt: um den Stau in der Innenstadt zu vermeiden, nimmt er doch tatsächlich den Weg durch eine Parkgarage – Einfahrt in Ebene 8, Ausfahrt auf Ebene 1, nahe der Uferstraße, bei  朝天门11码头 (No.11 Chao Tian Men Pier). Und von hier legt heute Abend unser Kreuzfahrtschiff, die Century Legend, ab.

Nach fünf verschiedenen Hotels in fünf verschiedenen Städten in den letzten zwei Wochen sind wir froh, jetzt nicht nach zwei oder drei Tagen wieder Koffer packen zu müssen, sondern 10 Nächte im gleichen Bett schlafen zu können. Die 11-tägige Yangtze-Flussfahrt von Chongqing nach Shanghai ist unsere mittlerweile fünfte Kreuzfahrt, und wir sind schon sehr gespannt. 

Wir beziehen unsere gemütliche Kabine und gehen Abendessen – dann stellen wir plötzlich fest, dass sich das Schiff bewegt- wir haben völlig unbemerkt abgelegt. Schnell hinauf auf Deck 6, das nächtliche Chongqing zieht an uns vorbei – ein fantastischer Anblick, und eine tolle Stadt, die einen längeren Besuch verdient hätte.

Dann gibt es die übliche Sicherheitsunterweisung sowie die Vorstellung des Programms für die kommenden Tage – ziemlich schnell und auf chinesisch, aber wir haben Kopfhörer mit englischer Übersetzung. Anschließend bietet das philippinische Duo Toni & Coco live Musik bis zur Willkommensparty des Kapitäns und da gibt es dann noch mehr Musik und Tanz. Und damit kommen wir dann doch immerhin auf 15.356 Schritte bzw. 10 km.

Monday, May 18 – Bye Bye Chongqing – Ahoy, Century Legend –

Today we’re taking it easy — we sleep in, make use of the hotel’s washing machine and dryer, and enjoy a long breakfast. Around noon, we fearless tourists set off despite the light rain and walk to the Luohan Temple. Founded almost 1,000 years ago and repeatedly destroyed and rebuilt over the centuries, the temple is home to hundreds of Buddhas and Arhats. The architecture is breathtaking, as is the contrast with the surrounding skyscrapers. This is probably the most beautiful temple we’ve seen so far.

Then we happen to wander into a shopping mall where the entire 8th floor consists only of toy stores. What a coincidence… Heavily loaded with numerous ambulances for our collection, we return to the hotel and, of course, have to repack our luggage before setting off again — now with three pieces of baggage.

We realize just how hilly Chongqing really is from the route our taxi driver takes: to avoid downtown traffic, he actually drives through a parking garage — entering on Level 8 and exiting on Level 1 near the riverside road by 朝天门11码头 (No. 11 Chao Tian Men Pier). And this is where our cruise ship, the Century Legend, will depart this evening.

After staying in five different hotels in five different cities over the last two weeks, we’re happy not to have to pack our suitcases again after just two or three days, but instead to spend 10 nights sleeping in the same bed. The 11-days Yangtze River cruise from Chongqing to Shanghai is already our fifth cruise, and we’re very excited.

We settle into our cozy cabin and then head to dinner — and suddenly realize that the ship is moving. We had completely missed the departure without noticing! We quickly rush up to Deck 6, and nighttime Chongqing glides past us — a fantastic sight and a wonderful city that would have deserved a much longer visit.

We attend the usual safety briefing and the presentation of the program for the next days — quite fast and in Chinese, but we have headphones with English translation. Afterwards, the Filipino duo Toni & Coco provides live music until the captain’s welcome party, where there is even more music and dancing.

And with that, we still manage to end up with 15,356 steps — about 10 km.

250524 – Tag 23 – Kreuzfahrt Tag 3 / Samstag, 24. Mai – Okinawa –

Der erste Landgang beginnt mit der Einreise in Japan, das heißt Paß- und Zollformalitäten am Kreuzfahrtpier von Naha erledigen, dann zurück aufs Schiff. Um kurz nach 10 Uhr startet unser erster Ausflug „Eindrücke von Okinawa“. Der Bus mit der laut Ankündigung sehr gut deutsch sprechenden einheimischen Tourbegleiterin bringt uns zuerst zum Shikinaen Garten, einem ehemaligen Anwesen der königlichen Familie von Ryukyu, komplett mit Wohngebäuden, Teich, steinernen Brücken und kleinem Pavillon, und viel gepflegtem Grün. Und scheinbar Giftschlangen.

Von dort geht es weiter zum Shurijo Schloss (unser Bus fährt hier tatsächlich in die Tiefgarage), welches der königlichen Familie bis zum Ende des Ryukyu Königreichs 1879 als Wohnsitz diente. Durch etliche verschiedene Tore geht es hügelaufwärts bis zum Hauptgebäude, welches laut Fotografien unglaublich prunkvoll und beeindruckend gewesen sein muss – bevor es 2019 leider einem Feuer zum Opfer fiel. Inzwischen wurde mit der Rekonstruktion begonnen. Über die Überreste des Palasts hat man eine große Halle gebaut, um die Arbeiten witterungsgeschützt durchzuführen zu können. Und die Besucher können sich auf drei Ebenen vom Fortgang der Arbeiten ein Bild machen.

Anschließend bringt uns der Bus ins Stadtzentrum von Naha, zur Kokusai-dori, einer bekannten Einkaufsstraße. Wir ziehen voller Hoffnung los, aber es gibt hier eigentlich nur Souvenirs und Kitsch, und dazwischen Cafés und Restaurants. Wir finden zwar ein paar Patches mit Rettungsdienstbezug (Henri Dunant Starfleet International finden wir besonders kreativ), aber Spielzeug suchen wir vergeblich, auch in den wenigen Kaufhäusern, und es ist furchtbar laut, aus beinahe jedem der grell-bunten Shops dröhnt Musik und dazwischen japanische Texte aus den Lautsprechern. Hungrig lassen wir uns in einem kleinen Schnellrestaurant nieder, wo so etwas wie „Maki-Burger“ angeboten wird. Eine gute Wahl – erstens hat es gut geschmeckt, und zweitens haben wir somit genau die 15 Minuten, die der tropische Regenguss gedauert hat, im Trockenen verbracht.  

Wir machen uns auf den Weg zum Schiff, vorbei an den beiden imposanten Drachensäulen, die die Straße in die Stadt bewachen. Zurück an Bord finden wir für morgen abend eine Einladung: „Ihre Offiziere laden Sie zum Dinner ins Nikkei Restaurant ein“. Oh Schreck – wir haben natürlich nichts Passendes zum Anziehen mit, und was ist eigentlich der Anlass? Wir fragen an der Rezeption nach: diese Einladung erging an alle Gäste, die zum ersten mal mit Hapag-Lloyd Cruises unterwegs sind, und es ist eine Art „Speed-Dating“: nach jedem Gang wechseln die Offiziere den Tisch. Aha. Wir fragen nach wegen dem Dress-Code, und erhalten den guten Rat, wir mögen uns doch in der Bordboutique angemessene Kleidung besorgen. Nein, vielen Dank – abgesehen vom Preisniveau würden wir die hier angebotenen Stücke niemals freiwillig anziehen. Also melden wir uns einfach vom Event ab und lassen auch das Angebot fürs Champagnertasting (Unkostenbeitrag € 90,00 pro Person) dankend aus. Dafür schauen wir uns im Bordfernsehen die Aufzeichnung des gestrigen Experten-Vortrages an: Landeskunde Japan – eine allgemeine Einführung in das Land – Christian Wagner ist mit einer Japanerin verheiratet, lebt seit Jahren in Japan und weiß wovon er spricht – vielen Dank für den interessanten und witzigen Vortrag – Arigato gozaimas!

Day 23 – Cruise Day 3 / Saturday, May 24 – Okinawa

Our first shore excursion begins with immigration into Japan, this means passport and customs checks at the Naha cruise terminal, then back onboard. Shortly after 10 a.m., our excursion “Impressions of Okinawa” starts. The bus and our local guide (supposedly fluent in  German), takes us to Shikinaen Garden, once an estate of the royal Ryukyu family, with the (very humble) royal residence, ponds, stone bridges, a small pavilion, and beautifully maintained greenery. And possibly venomous snakes.

Next stop: Shurijo Castle (our bus actually drives into the underground parking garage), the royal family’s residence until the end of the Ryukyu Kingdom in 1879. We walk uphill, passing several gates to reach the main building, which, according to photos, was stunningly beautiful before being destroyed by fire in 2019. Reconstruction has started—visitors can view the work across three levels under a large protective hall built over the ruins.

After that, we head to Naha city center and Kokusai-dori, a well-known shopping street. Full of hope, we explore, only to find mostly souvenirs and kitsch, with cafés and restaurants in between. We find a few EMS-themed patches (we find “Henri Dunant Starfleet International” especially creative), but no toys—even in the few department stores. It’s terribly loud, with blaring music and Japanese announcements from every garish shop. Hungry, we settle into a small fast-food place offering “Maki-Burgers.” A good choice—tasty, and we stay dry during the 15-minute tropical downpour.

On our way back, we pass the two impressive dragon pillars guarding the street. Back onboard, we find an invitation for tomorrow evening: “Your officers invite you to dinner at the Nikkei Restaurant.” Oh no—we don’t have anything to wear! What’s the occasion? Reception desk informs us it’s for first-time Hapag-Lloyd guests—sort of a speed-dating dinner where officers change tables after each course. We ask about the dress code and are advised to buy something appropriate at the onboard boutique. No, thank you—not just because of the prices, but we would never wear those outfits voluntarily. We politely decline both the dinner and also the € 90-per-person champagne tasting. Instead, we watch yesterday’s recorded lecture on Japanese culture by Christian Wagner. He’s married to a Japanese woman and lives in Japan—a great, informative, and funny talk. Arigato gozaimasu!

250608 – Tag 38 – Kreuzfahrt Tag 18 – Sonntag, 8. Juni – Hakodate, der letzte Landausflug – 

Nach einem kurzen Besuch am Morning Market (frischer Fisch, Obst und Gemüse sowie Souvenirs sind im Angebot) fahren wir zum Goryokaku Tower, der von der Aussichtsplattform auf 100 m einen tollen Blick auf die Stadt bietet, und damit auch auf die außergewöhnliche fünfeckige Anlage der ehemaligen Festung, heute ein Park. Hier haben sich auch außergewöhnliche Ereignisse abgespielt: nach der Meji-Restauration 1868 wollten einige Samurai das Ende des Shogunats und die Öffnung Japans nicht so einfach hinnehmen. Man zog sich nach Hokkaido zurück, sagte sich vom Kaiserreich los und gründete hier die Republik Ezo. Der Traum von Demokratie währte gerade mal ein halbes Jahr, dann mußten sich die Rebellen ergeben – aber diesmal wurde das Potential des Anführers erkannt – anstatt ihn zu hinzurichten, machte man ihn zum Minister. Auch eine Lösung. Auf den Besuch des restaurierten Gebäudes im Park verzichten wir – ziemlich sicher leere Räume mit Tatami-Matten. Und Schuhe ausziehen.

Dann geht es mit der Gondelbahn auf den Mt. Hakodate mit seinen stolzen 350 m.  Nebelschwaden ziehen umher, manchmal sieht man die Stadt, den Goryokaku Turm und auch unser Schiff im Hafen, dann wieder nicht. Aber der Besucher wird ja bereits am Eingang vorgewarnt – „es ist möglich, dass die Aussicht unsichtbar ist“. 

Die Gondelbahn bringt uns wieder hinunter, und wir spazieren durch das völlig atypische Motomachi Viertel – richtig exotisch für japanische Verhältnisse, wir finden zum Beispiel eine evangelische und eine russisch-orthodoxe Kirche. Dazwischen so lustige Angebote wie Tintenfisch-Tinteneis (nein, haben wir nicht probiert – ich erinnere mich immer noch mit Schaudern an das Hummer-Eis in Maine, USA, 2022) und das „zweitbeste Eiscreme- Melonenbrot der Welt“ (und ja, das war gut). Und die Krönung war dann das alte Rathaus, ein Traum in blau-gold, innen mit Möbeln, ohne Tatami-Matten, aber trotzdem mit Schuhe ausziehen. Am alten Britischen Konsulat und der Statue von Matthew Perry vorbei geht es zurück zum Bus und zum Schiff, um 13:00 Uhr laufen wir aus, Richtung Otaru.

Auf der Brücke siehts aus wie in einem Blumenladen, neben den Vasen liegen die Plaketten der insgesamt 16 Häfen aufgereiht, die die Hanseatic Inspiration auf dieser Kreuzfahrt zum allerersten Mal angelaufen hat. Wir packen das letzte Gepäckstück, machen Abschiedsfotos mit Rezeptionist Philipp, Sous-Chef Gregor aus dem Waldviertel und Pasta-Spezialist Hristo aus Bulgarien und schreiben für das Kuvert mit dem Trinkgeld für die Crew „Danke“ in 18 verschiedenen Sprachen. Ein malerischer Sonnenuntergang beschließt den letzten Tag am Schiff.

Day 38 – Cruise Day 18 – Sunday, June 8 – Hakodate, the Final Shore Excursion – 

After a brief visit to the Morning Market (offering fresh fish, fruits and vegetables, as well as souvenirs), we head to the Goryokaku Tower, which provides a fantastic view of the city from its 100-meter-high observation deck—including a clear look at the unique star-shaped layout of the former fortress, now a park.

Some remarkable events unfolded here: after the Meiji Restoration in 1868, some samurai weren’t ready to accept the end of the shogunate and the opening of Japan. They retreated to Hokkaido, declared independence from the empire, and founded the Republic of Ezo. The dream of democracy lasted just half a year before the rebels were forced to surrender. But this time, the potential of their leader was recognized—rather than executing him, they appointed him a minister. We skip visiting the restored building in the park—most likely just empty rooms with tatami mats. And shoes off, of course.

Next, we take the cable car up Mt. Hakodate, a proud 350 meters high. Wisps of fog are swirling around; sometimes you can see the city, the Goryokaku Tower, and even our ship in the harbor—sometimes not. But visitors are warned right at the entrance: “It is possible that the view will be invisible.”

The cable car brings us back down, and we stroll through the very atypical Motomachi district—genuinely exotic by Japanese standards. For example, we find both a Protestant and a Russian Orthodox church. Along the way, we encounter quirky offerings like squid-ink ice cream (no, we didn’t try it—I still shudder at the memory of lobster ice cream in Maine, USA, 2022), and “the second-best ice cream melon bread in the world” (yes, that one was good). The crowning highlight was the old town hall, a dream in blue and gold, with furniture inside, no tatami mats—but still: shoes off.

We pass the old British Consulate and the statue of Matthew Perry on our way back to the bus and the ship. At 1:00 p.m., we set sail toward Otaru, our final destination. The ship’s bridge looks like a flower shop; alongside the vases, the plaques of all 16 maiden ports of call for the Hanseatic Inspiration on this cruise are lined up. We pack the final suitcase, take farewell photos with receptionist Philipp, sous-chef Gregor from the Waldviertel, and pasta specialist Hristo from Bulgaria, and write “Thank you” in 18 different languages on the envelope for the crew’s tip. A picturesque sunset closes our final day on the ship.

250607 – Tag 37 – Kreuzfahrt Tag 17 – Samstag, 7.6. – Akita – 

Wir haben heute keinen Ausflug gebucht, wir haben vorerst mal genug von Palästen (leere Räume mit Tatami-Matten, Schuhe ausziehen), historischen Verwaltungsgebäuden (leere Räume mit Tatami-Matten, Schuhe ausziehen) und Samurai-Häusern (leere Räume mit Tatami-Matten, Schuhe ausziehen). Stattdessen fahren wir mit dem Shuttle Bus in die Stadt und dann weiter mit dem öffentlichen Bus in den Zoo von Akita. Dort gibt’s Rote Pandas, Amur-Tiger und Schneeleopard zu sehen, japanische Makaquen zu füttern und Kängurus zu streicheln. Ohne Schuhe ausziehen. 

Und in dem kleinen Vergnügungspark im Zoo können wir eine Runde Rettungsauto fahren – damit wir keine Entzugserscheinungen bekommen.

Kurz nach Mittag fahren wir mit dem Bus zurück in die Stadtmitte und gehen hungrig in den Citizens Market, aber leider – wir haben übersehen, dass heute Samstag ist, die meisten Verkaufsstände haben bereits geschlossen oder räumen gerade weg. Also ein Stückchen weiter zum durchaus imposanten Bahnhof, wo wir einen riesigen Plüsch-Akita finden – die knuffigen Fellknäuel, einst für die Jagd gezüchtet, sind mittlerweile das Symbol für die Stadt und die Region. Detail am Rande: wir haben heute den ganzen Tag in der Stadt zugebracht, und wir haben weder einen echten Akita Inu noch die kleinere Ausgabe Shiba Inu gesehen – aber hunderte Plüschversionen.

Wir spazieren weiter, in den Senshu-Park mit den Überresten der Kubota Burg und dem restaurierten Burgturm sowie dem Hachiman Akita Schrein. Dann wollen wir ins Folk Art Museum mit den tollen Lampions, die während der Festivals durch die Straßen getragen werden. Der Shuttle Bus fährt uns vor der Nase davon, also nehmen wir ein Taxi – um dann am Zielort draufzukommen, dass wir im falschen Museum gelandet sind. Wie bekommen zwar schöne Lampions zu sehen, aber nicht die in drei, vier oder sogar fünf Etagen gestapelten Lampionstangen für die Umzüge. Macht nix, dafür steht hier ein sensationeller Festival-Umzugswagen mit furchterregend dreinschauenden Figuren, und mit Wasserfall. Und abends, beim Sortieren der Bilder, bemerken wir, dass wir ja sowohl am Bahnhof als auch im Burgturm Lampionstangen gesehen haben.

Vom Museum sind es nur ein paar Schritte zum Selion Tower am Hafen, der mit einer Aussichtsplattform in knapp 100 m Höhe einen schönen Blick über die Stadt bietet. Und dann geht es schon wieder zurück zum Schiff, wir legen heute schon um 17 Uhr ab. Wir nützen die Zeit am Abend, um die ersten beiden Koffer zu packen – ist recht schnell erledigt, sind ja nur Schachteln mit Rettungsautos. Allerdings schleppen wir jetzt dann die nächsten 2 Wochen drei große Gepäckstücke quer durch Japan …. Was tut man nicht alles für die größte Rettungsautosammlung der Welt….

Day 37 – Cruise Day 17 – Saturday, June 7 – Akita

We didn’t book an excursion today; for now, we’ve had enough of palaces (empty rooms with tatami mats, shoes off), historic government buildings (empty rooms with tatami mats, shoes off), and samurai houses (empty rooms with tatami mats, shoes off). Instead, we take the shuttle bus into town and then continue by public bus to the Akita Zoo. There we can see red pandas, Amur tigers, and snow leopards, feed Japanese macaques, and pet kangaroos. No shoes-off required. And in the small amusement park inside the zoo, we get to ride in a rescue vehicle — just to prevent any withdrawal symptoms.

Shortly after noon, we take the bus back to the city center and head to the Citizens Market with growling stomachs. Unfortunately, we forgot that it’s Saturday, and most of the market stalls are already closed or packing up. So we continue a little further to the rather impressive train station, where we discover a giant plush Akita — these adorable furballs, once bred for hunting, are now the symbol of the city and region. Fun fact: we spent the whole day in the city and didn’t see a single real Akita Inu or even the smaller Shiba Inu — but we saw hundreds of plush versions.

We continue our walk to Senshu Park, with the ruins of Kubota Castle and the restored castle tower, along with the Hachiman Akita Shrine. After that, we want to visit the Folk Art Museum, known for its beautiful lanterns that are carried through the streets during festivals. The shuttle bus leaves just before we arrive, so we take a taxi — only to realize at our destination that we ended up at the wrong museum. We do see some lovely lanterns, but not the multi-tiered lantern poles (three, four, even five levels) used in parades. Oh well — instead, there’s a spectacular festival float here, featuring fearsome-looking figures and even a waterfall. And later, while sorting our photos in the evening, we notice we actually did see lantern poles — at both the train station and the castle tower.

The museum is just a few steps from Selion Tower at the harbor, which offers a nice view over the city from its nearly 100-meter-high observation deck. Then it’s already time to head back to the ship — we’re setting sail today at 5 p.m. sharp.

We use the evening to pack the first two suitcases — done quickly, since it’s just boxes of rescue vehicles. However, over the next two weeks, we’ll be lugging three large pieces of luggage across Japan… All for the sake of owning the world’s largest collection of rescue vehicles!