260521 – Donnerstag, 21.5 – das Megabauwerk – 

In der Früh bringt uns eine Standseilbahn vom Schiff zum Autobus Richtung DreiSchluchtenmuseum. Das ganze Gebiet rund um den Damm ist militärisch kontrolliert und kann nur im Rahmen von organisierten Ausflügen besucht werden – ein Besuch auf eigene Faust ist nicht möglich.

Im Außenbereich des Museums sind Baumaschinen zu sehen, die in den 90er Jahren aus Europa und Amerika importiert wurden, weil es die entsprechende Technologie in China noch nicht gab. Ein Raupen-Fahrzeug aus den USA kostete damals 2 Millionen US $, einer der riesigen Goodyear Reifen 500.000 Renminbi (wobei der durchschnittliche Monatslohn 480 RMB betrug)

Der Yangtse kommt aus Tibet vom Mt. Everest und fließt 6.300 km bis Shanghai – somit der drittlängste Fluss der Welt, und außerdem sehr fischreich. Karpfen und Barsch fischen ist erlaubt, aber Störe zu fangen ist verboten und wird mit sieben Jahren Gefängnis bestraft – der Stör steht auf der gleichen Stufe wie der große Panda. Außerdem leben hier angeblich 1.249 Süßwasserdelfine – wie man auf diese Zahl kommt, konnten wir leider nicht herausfinden.

Wasser zu bändigen und zu nutzen, ist nicht neu in China. Der Kanal Beijing – Hanghzou, 1.800 km lang, ist ca 2.500 Jahre alt und nach wie vor in Verwendung. Der Yangtze verursachte etwa alle zehn Jahre verheerende Überschwemmungen. Bereits 1919 träumte Dr. Sun Yat-Sen davon, diese Überflutungen zu verhindern. 1944 wurden amerikanische Wissenschaftler eingeladen, ein Projekt für eine Talsperre zu entwickeln, da kam dann aber der chinesische Bürgerkrieg dazwischen. 1958 traf Mao Tse Tung die Entscheidung, den DreiSchluchtendamm bauen zu lassen, scheiterte aber an den damals schon immensen Kosten (stattdessen wurde eine kleinere Talsperre etwa 35 km weiter flussabwärts erbaut). Erst durch Chinas Öffnung für den Westen konnte auch westliche Technologie hier zum Einsatz kommen. Baubeginn war 1994, fertig gestellt wurde das Megaprojekt mit einer Höhe von 175 m im Jahre 2012. Die Konstruktionskosten betrugen 95 Mrd Yuan, und 86 Mrd Yuan kostete die Umsiedlung der etwa 1,4 Millionen Menschen, die von der Entstehung des 600 km langen Stausees betroffen waren. Die Reste ihrer Siedlungen befinden sich nun tief unter uns, im Wasser.

Am Nachmittag, mit gut 2,5 Stunden Verspätung, passiert unser Schiff, gemeinsam mit zwei Frachtkähnen, die fünfstufige Schiffsschleuse. Rechts und links ist da wirklich nicht mehr viel Platz. Mit jeder Schleuse sinken wir ca 25 m tiefer, der ganze Spaß dauert etwa dreieinhalb Stunden. Es gibt zwar auch einen Schiffsaufzug, mit diesem würde das Ganze nur etwa 1 Stunde dauern, aber der eignet sich nur für kleinere Schiffe bis 3500 t. Als wir um 19:40 Uhr endlich aus der Schleuse heraußen sind, ist es dämmrig und 20 Minuten später ist es finster – der Damm und die fünfstufige Schleuse sind toll beleuchtet – hätten wir ohne die Verspätung nicht zu sehen bekommen. Dafür sehen wir dann von der Xiling-Schlucht, der dritten und mit 76 km längsten der drei Schluchten eigentlich nichts, weil es stockfinster ist. Und die Passage der Schleuse des Gezhou Damms verschlafen wir bereits, genauso wie den Rest der Fahrt nach Jingzhou. 

Unser Schiff hat heute 148 km zurückgelegt, unsere Eigenleistung betrug nur 10.655 Schritte oder 6,9 km.

Thursday, May 21 – The Mega Structure

In the morning, a funicular takes us from the ship to a bus heading toward the Three Gorges Museum. The entire area around the dam is under military control and can only be visited as part of organized tours – it is not possible to visit on your own.

Outside the museum, construction machinery is on display that was imported from Europe and America in the 1990s because China did not yet have the necessary technology. One crawler vehicle from the USA cost 2 million US dollars at the time, and one of the giant Goodyear tires cost 500,000 renminbi (while the average monthly salary was only 480 RMB).

The Yangtze originates in Tibet near Mt. Everest and flows 6,300 km to Shanghai, making it the third-longest river in the world. It is also very rich in fish. Fishing for carp and perch is allowed, but catching sturgeon is prohibited and punishable by seven years in prison — sturgeon are considered on the same protection level as the giant panda. Supposedly, 1,249 freshwater dolphins also live here — unfortunately, we could not find out how anyone arrived at that exact number.

Controlling and making use of water is nothing new in China. The Beijing–Hangzhou Canal, 1.800 km long, is about 2,500 years old and still in use today. The Yangtze caused devastating floods roughly every ten years. As early as 1919, Dr. Sun Yat-Sen dreamed of preventing these floods. In 1944, American scientists were invited to develop a dam project, but the Chinese Civil War interrupted those plans. In 1958, Mao Zedong decided to have the Three Gorges Dam built, but the enormous costs prevented the realization  (instead, a smaller dam was built about 35 km downstream). It took decades and the opening of China to the West in order to import Western technology. Construction began in 1994, and the mega-project, standing 175 meters high, was completed in 2012. Construction costs amounted to 95 billion yuan, while another 86 billion yuan were spent relocating approximately 1.4 million people affected by the creation of the 600 km long reservoir. The remains of their settlements now lie deep beneath us, underwater.

In the afternoon, running more than 2.5 hours behind schedule, our ship enters the five-stage ship lock together with two cargo barges. There really isn’t much room to spare on either side. With each lock, we descend around 25 meters lower. The whole process takes about three and a half hours. There is also a ship lift, which would reduce the journey to only about one hour, but it is suitable only for smaller vessels of up to 3,500 tons.

When we finally emerge from the last lock at 7:40 p.m., it is already dusk, and twenty minutes later it is completely dark. The dam and the five-stage lock are beautifully illuminated — something we would not have seen without the delay. On the other hand, we see practically nothing of the Xiling Gorge, the third and longest of the three gorges at 76 km, because it is pitch black. We also sleep through the passage of the Gezhou Dam lock, as well as the remainder of the journey to Jingzhou.

Today our ship covered 148 km. Our own contribution amounted to only 10,655 steps, or 6.9 km.