Archiv für den Monat: Februar 2023

230219 – Das schwarze Gold des Südens >

Sonntag / Sunday, February 19, 2023

Tag 308 – Das schwarze Gold des Südens

Es ist Sonntag, wir schlafen mal aus. Der Wind schläft leider nicht, das Fahren gegen die heftigen Windböen ist anstrengend, zumal unser stolzes Krasses Pferd mit seinen 3,5 m Höhe ja doch einiges an Angriffsfläche bietet – mehr als 60 km/h geht nicht bzw. nur mit unverhältnismäßig hohem Spritverbrauch. Aber auch die Motorradfahrer müssen die Ruta 3 in ziemlicher Schieflage bewältigen. Und dann gibt es noch ein paar Irre, die fahren das tatsächlich mit dem Fahrrad. Bewundernswert, aber für uns einfach völlig irre.

Nach knapp 3 Stunden Fahrt Richtung Süden sehen wir in Astra die ersten Hinweise auf den Ölreichtum und die Ölförderung in der Gegend. Rund um das leider geschlossene paläontologische Museum von Astra stehen im Freigelände unzählige Maschinen und Geräte, von der fahrbaren Dampfmaschine über Bohrer bis zur Förderpumpe. 

Mehr erfahren wir dann in Comodoro Rivadavia im Museo del Petróleo, das genau an der Stelle eingerichtet wurde, an der die Bohrstelle Nr. 2 am 13. Dezember 1907 auf Öl gestoßen ist. Und das war kein Zufall; es wurde nicht nach Wasser gesucht und stattdessen Öl gefunden, wie in vielen Büchern steht, sondern die beiden Ingenieure, ein Argentinier und der Deutsche Josef Fuchs, waren mit ihrer spezialisierten Bohrausrüstung tatsächlich auf der Suche nach Öl. Das Museum erläutert die Entstehung von Erdöl und Erdgas, die Förderung und Verarbeitung, und jetzt wissen wir auch, was „YPF“ bedeutet – Yacimientos Petrolíferos Fiscales (staatliche Erdölvorkommen), also die große argentinische Ölgesellschaft, die abwechselnd privatisiert und verstaatlicht wurde. Bislang kannten wir „YPF“ ja nur von der Tankstelle.

Anschließend setzen wir uns mit einem Kaffee an die Rambla von Comodoro Rivadavia und schauen zu, wie große Brecher vom Atlantik über die Kaimauer kommen. Etwas weiter südlich, nach Caleta Olivia, gibt es am Strand wieder eine Seelöwen-Kolonie, und hier sind die Tiere zum Greifen nah, keine 10 Meter von uns entfernt. Brav halten alle Besucher den Respektsabstand ein, niemand klettert die nur etwa 2 m hohe Böschung hinunter. Die Damen und Herren Seelöwen ignorieren die neugierigen Zweibeiner mit ihren Kameras und   dösen in der Sonne. Ein einsamer Hase fühlt sich in der Gesellschaft offensichtlich sehr wohl.

Wir folgen der Ruta 3 weiter nach Süden, immer wieder stehen Ölförderpumpen in der Landschaft – hier heißen sie „Schwarze Schwäne“. In Fitzroy parken wir uns, wieder einmal, bei einer Filiale der Yacimientos Petrolíferos Fiscales ein – jetzt wissen wir ja, was YPF bedeutet. Morgen geht es zum versteinerten Wald von Jaramillo. Und es sind noch 1.197 km bis Uhuaia.

Day 308 – The black gold of the south

Today is Sunday, we sleep in – the wind does not. Driving our brave camper with its 11,5 ft height against the gusty wind is exhausting, we can´t go faster than 37 miles per hour; higher speed increases our fuel consumption disproportionately. We see travelers on their motorbikes, leaning against the wind in funny angles. And then there are some crazy people on Ruta 3, on bicycles. Admirable, but completely crazy.

After almost 3 hours’ drive, we arrive in Astra where we see the first indications of the rich oil deposits and petrol production in this area. Around the – unfortunately closed – paleontological museum of Astra, there are numerous machines and tools related to oil production – from mobile steam engines to drills and pumps.

We get to know more details at the Museo del Petróleo in Comodoro Rivadavia; the museum is located exactly at the spot where drill number 2 found oil on December 13th, 1907. And this was no happenstance during a search for water, as some guide books try to make you believe. The two engineers, an Argentinian and the German Josef Fuchs, had specialized equipment and were actually searching petroleum, not water. The museum explains a lot about petroleum and natural gas, and now we know what “YPF” means – Yacimientos Petrolíferos Fiscales, the large Argentinian Oil Company, at times a private company and then owned by the state again. Until today, we knew YPF only as gas station brand.

Later, we take our coffee cups and sit down at the Rambla of Comodoro Rivadavia, watching the Atlantic Ocean throwing huge waves against the kai walls. Half an hour south, near Caleta Olivia, we find a sea lion colony on the beach, with the animals at close range, less than 30 ft away. All the visitors are very disciplined, staying on the elevated view point, no one tries to climb down the 6,5 ft high embankment. The sea lions are basking in the sun, totally unimpressed by the humans and their cameras, and one lonely rabbit seems to enjoy the company.

We follow Ruta 3 south, now noticing the oil pumps – here they are called black swans. In Fitzroy, we find another YPF – now we know what that means – and stay there for the night. Tomorrow, we want to visit the Petrified Forrest of Jaramillo. 744 more miles to Ushuaia.

Route 230219

230218 – Eine Zeitreise über 40 Millionen Jahre >

Samstag / Saturday, February 18, 2023

Tag 307 – Eine Zeitreise über 40 Millionen Jahre

Wir beginnen den Tag mit einer Reise in die Vergangenheit, und das bei strahlendem Sonnenschein. Der Geopark Bryn Gwyn (walisisch für „weißer Felsen“, und das trifft es genau) bietet faszinierende Einblicke in die erdgeschichtliche Entwicklung Patagoniens. Der 2 km lange Wanderweg führt vorbei an 39 Millionen Jahren alten, versteinerten Wespennestern (hätten wir niemals als solche identifiziert, wenn sie nicht beschriftet gewesen wären), an fossilen Überresten mittlerweile ausgestorbener Landbewohner wie einer Art Tapir mit Elefantenbeinen oder riesige Vorfahren der heutigen Gürteltiere, über Skelette von prähistorischen Meeresbewohnern, zum Beispiel 1,5 m große Pinguine oder bis zu 15 m lange Haifische, bis zu versteinerten Austernbänken in 125 m Höhe – so hoch war der damals viel wärmere Ozean, der das Landesinnere bis zur Kordillere im Westen bedeckte. Der Spaziergang gleicht dem Blättern in einem paläontologischen Lehrbuch – jede Höhenschichtung entspricht einem Kapitel von mehreren Millionen Jahren; zu danken ist dem Río Chubút, der sich im Laufe der Jahrmillionen hier durchgegraben und so die einzelnen Schichten freigelegt hat.

Am Weg zurück in die Gegenwart bleiben wir noch kurz bei der Capilla Bethel, einer der ältesten walisischen Kapellen in Gaiman stehen (leider geschlossen) und beim Eisenbahntunnel. Wir wundern uns, warum es hier, in dem kleinen Ort, überhaupt einen Tunnel gebraucht hat. Die Erklärung: die Bewohner waren damals dagegen, dass die Schienen mitten durch die Ortschaft gelegt wurden, und so musste der Hügel nördlich von Gaiman untertunnelt werden.

Dann versorgen wir uns auf einem Markt mit frischem Obst und Gemüse, und mit „Asado“, frisch gegrilltem Fleisch in einer Art Baguette als Mittagessen. Im großen – und einzigen – Shopping Center von Trelew suchen wir vergeblich einen Ersatz für unsere dahingeschiedene Nikkon – die Neuanschaffung wird wohl bis Punta Arenas in Chile warten müssen. Als wir endlich Richtung Süden losfahren, ist es 16:30 und wir beratschlagen, wie es weitergehen soll. Die Ruta 3 führt schnurgerade nach Comodoro Rivadavia, 400 km lang, langweilig und abseits der Küste. An der Küste gäbe es Kolonien von Magellan-Pinguinen und auch See-Elefanten – Magellan-Pinguine haben wir schon gesehen, aber See-Elefanten noch nicht. Die Kolonien sind aber nur über Schotterstraßen erreichbar, und davon haben nach der Halbinsel Valdés mal vorläufig genug. Und außerdem haben wir unser Krasses Pferd gestern geputzt, das soll mal ein paar Tage halbwegs sauber bleiben. Die Vernunft siegt, wir bleiben auf der langweiligen Ruta 3, schaffen etwa die Hälfte der Strecke bis Comodoro Rivadavia und kehren bei einer YPF Tankstelle für die Nacht ein. Wir sind in bester Gesellschaft, mehrere andere Wohnmobile übernachten auch hier. Und sie sind auch alle am Weg nach Ushuaia – nur mehr 1.527 km.

Day 307 – 40 million years back in time

We start our day with a journey back in time, with bright sunshine and blue sky. The Bryn Gwyn (Welsh for white hill, completely correct ) Geo Park offers fascinating insights into Patagonia´s paleontological evolution. The 1,3 miles long footpath passes fossilized, 39 million years-old wasp nests (which we would never have identified as such if there hadn´t been signs and explanations), fossil remains of extinct terrestrial animals like a sort of tapir with elephant legs or huge ancestors of today´s armadillos, skeletons of marine animals like 5 ft high penguins or almost 50 ft long sharks; finally, the path leads up to fossilized oyster banks at a height of 410 ft – that was the height of the prehistoric, much warmer ocean which covered Patagonia up to the Cordillera in the west. It feels like walking through a paleontological guidebook – every level coincides with a chapter of several million years; we have to thank Río Chubút for this, the river formed the valley over the course of millions of years and thus made the levels visible and accessible.

On the way back to the present we stop briefly at one of the oldest Welsh chapels in Gaiman, the Capilla Bethel (closed), and at the train tunnel. We are astonished that there was a tunnel necessary at all, for such a small town. The explanation: the locals didn´t want the train tracks to go straight through their village, so the hill north of Gaiman had to be hollowed out for a tunnel.

Then we find an open-air market, where we buy fresh fruit and vegetables, and some “asado” – grilled meat – for lunch. At Trelew´s large – and only – shopping mall we search in vain for a replacement for our deceased Nikkon – we might have to wait till Punta Arenas in Chile till we find a new camera. We start south again, but it´s already 4:30 pm and we have to decide how to proceed. Ruta 3 leads to Comodoro Rivadavia, 250 miles dead straight, boring and far away from the coast. At the coast, there are some Pingüineras and also a colony of sea elephants – we have seen Magellan penguins already, but no sea elephants. But the colonies are only accessible by “ripios” – gravel roads – and after the adventure at the Valdés peninsula, we´ve had it with dirt roads for now. And we have just brushed and cleaned our brave camper yesterday – we want it to stay clean for some days. So, we drive boring Ruta 3 south and stay at an YPF gas station and truck stop about half way to Comodoro Rivadavia for tonight. We are in good company, several other campers are staying here for the night, too. And they all are on the way south, to Ushuaia – only 949 more miles.

Route 230218

230217 – Patagonische Dinosaurier und walisische Drachen >

Freitag / Friday, February 17, 2023

Tag 306 – Patagonische Dinosaurier und walisische Drachen

Nach einer erneut äußerst windigen Nacht fällt uns beim Aussteigen erst so richtig auf, wie paniert unser armes Krasses Pferd ist – über der Salzkruste der vorletzten Nacht liegt jetzt die dicke Schlammschicht von gestern. Wir werden unser Vehikel heute auf jeden Fall baden müssen. Aber zuerst gehen wir mal ins Besucherzentrum der Halbinsel Valdés, um uns in aller Ruhe das kleine Museum anzuschauen. Dort erfahren wir, dass heute aufgrund des Schlechtwetters und Starkregens alle Inselstraßen östlich von Puerto Pirámides für Touristen gesperrt sind. Ein Glück, dass wir gestern schon dort waren!

Die Straße zum Aussichtspunkt auf die Vogelinsel ist offen, also fahren wir die paar Kilometer und sehen endlich Flamingos, wenn auch nur aus der Distanz. Leider hat unsere Nikkon gestern leise und unerwartet den Geist aufgegeben, jetzt haben wir keine Kamera und müssen uns mit Handy-Fotos begnügen.

Vom Aussichtspunkt führt ein kurzer Weg zur Replika der Capilla del Fuerte San José – die Originalkapelle wurde genauso wie das ganze Fort wenige Jahrzehnte nach ihrer Errichtung zerstört.

Dann geht es wieder auf die Ruta 3 und Richtung Süden. Am Ortseingang von Trelew erwartet uns die Replika eines Patagotitans – die Tierchen hatten eine Länge von 40 Metern und wogen an die 70 Tonnen. Wir stellen unser Vehikel daneben – wir haben geglaubt, wir haben ein großes Fahrzeug, aber neben dem Saurier sieht unser stolzes Krasses Pferd aus wie ein Spielzeugauto. Noch mehr riesige prähistorische Exponate, unter anderem auch ein versteinertes Dinosaurier-Ei, sind im interessanten Museo paleontológico Egidio Feruglio in Trelew zu bewundern. 

Gleich vis-a-vis informiert das in der ehemaligen Eisenbahnstation untergebrachte Museo Pueblo de Luis über einen anderen, viel rezenteren Zeitabschnitt – Trelew wurde vom walisischen Auswanderer Lewis Jones gegründet. Auch etliche andere Orte in der Umgebung sind walisischen Ursprungs, sogar die Sprache wird hier noch von den Nachfahren gesprochen, so etwa im walisischen Teehaus Ty Gwyn in Gaiman. Der walisische Drache ist allgegenwärtig, und wir gönnen uns hier eine dekadente „Tea time“ mit Käse-Sandwiches, Buttergebäck mit Marmelade, jeder Menge Süßigkeiten inklusive der schwarzen walisischen Torte und herrlichem Tee. Ausreichend Kalorien für zumindest 4 Personen – das Abendessen ist somit gestrichen!

Ein kleiner Rundgang führt uns am ältesten Haus von Gaiman und am Post Office vorbei – und an einem Spielzeuggeschäft – vier Neuzugänge für die Sammlung. Ein paar Blocks weiter betreibt die Freiwillige Feuerwehr einen Campingplatz direkt am Río Chubút. Hier finden wir ein nettes Plätzchen für die Nacht, schöne Feuerwehrautos aller Altersklassen für einige Fotos, und auch die Möglichkeit zum Autowaschen. Unser braves Krasses Pferd wird geschrubbt und geputzt, jetzt glänzt es wieder. Noch 1.714 km bis Ushuaia.

Day 306 – Patagonian Dinosaurs and Welsh Dragons

In the morning, after another VERY stormy night, we realize just how dirty our poor brave camper is – yesterday´s layer of mud covers the layer of salt from the night before. We have to give our camper a sponge bath today, but first we visit the small museum at the Valdés visitors center. There we find out that all roads east of Puerto Pirámides have been closed for non-residents, due to bad weather and heavy rain. Luckily, we have been to the points of interest yesterday!

But the road to the Mirador de la Isla de Pájaros, the bird island, is open, so we drive the few miles to the view point and finally get to see flamingos, albeit far away. Unfortunately, our Nikkon died silently and unexpectedly yesterday, so we have no camera and have to be content with some cell phone pics. A short walkway leads from the mirador to the replica of the Capilla del Fuerte San José – the original chapel and the whole fortress got destroyed not long after they were built.

Back on route 3 direction south, we find another replica near Trelew – a Patagotitan. Those mighty animals were about 130 ft long and weighed 15.400 pounds. We park our vehicle next to the titan – we always thought we had a big and mighty motorhome, but in comparison our brave camper looks like a toy car. Even more large, prehistoric exhibits and

rare items like petrified dinosaur eggs are on display at the excellent Museo paleontológico Egidio Feruglio in Trelew.

Just opposite there is another interesting museum inside the old train station. The Museo Pueblo de Luis offers information about another, more recent period of history – Trelew was founded by Welsh immigrant Lewis Jones. Several other villages in the area are also of Welsh origin, the descendants still speak the language and the Welsh Dragon is ubiquitous. We pop into the Welsh tea house Ty Gwyn in Gaiman and treat ourselves to an absolutely decadent tea time with cheese sandwiches, buttered scones with jam and an array of sweets including the famous black Welsh cake and perfectly brewed tea. Enough calories for at least four people – no dinner tonight!

Then we stroll around, look at the oldest house of Gaiman and the first Post Office, and we find a toy store – and four new additions for our collection. A few blocks further, the voluntary fire fighters offer camping facilities at the Río Chubút. We choose our spot for tonight, take some pictures of the nice fire fighting vehicles of all decades, and we also take the opportunity to wash and scrub our vehicle. Now our brave camper is clean and shiny again. 1.065 more miles to Ushuaia.

Route 230217

230216 – Halbinsel Valdés >

Donnerstag / Thursday, February 16, 2023

Tag 305 – Halbinsel Valdés

Die Nacht auf dem Strand-Parkplatz in Puerto Pirámides war SEHR stürmisch, und die Windböen vom Atlantik haben unserem armen Krassen Pferd eine glitzernde Salzkruste beschert. Wir machen uns auf den Weg zur Ostküste der Halbinsel, über eine mäßig gute Schotterpiste – für die etwa 70 km brauchen wir eineinhalb Stunden. Und es ist auch hier SEHR stürmisch, und zwar so stark, dass der Wind beim Versuch auszusteigen, die Tür aufreißt – und mich gleich mitreißt. Leider hatte ich die Treppe vorher nicht ausgefahren, aber gottseidank steht da ein Auto neben uns, sonst wäre ich hinausgefallen. Ich kann mich mit der rechten Hand noch etwas am Autodach abstützen, knalle aber dennoch mit dem Kopf auf die Dachkante; die linke Hand umklammert krampfhaft die Türschnalle unserer Einstiegstüre, damit ich nicht hinausfalle. Hilflos und in ziemlicher Schräglage schreie ich nach Sigi. Und was macht mein Göttergatte, als er die Treppe ausfährt, damit ich wenigstens noch halbwegs würdevoll aussteigen kann? Ein Foto. Eh klar. 

Aber wir sind bei der Pingüinera – eine abgezäunte Aussichtsplattform, hinter der, zum Greifen nah, Magellan-Pinguine vor ihren Wohnhöhlen patrouillieren. Als der erste Pinguin zu bellen beginnt, drehen wir uns unwillkürlich um und suchen den Esel – genauso hört sich das an. Flauschige Jungtiere stehen etwas hilflos in der Gegend herum, aber der Sturm scheint sie nicht zu stören, während wir uns am Geländer festklammern müssen.

Etwas weiter südlich, am Mirador Caleta Valdés und an der Punta Cantor, gibt es Seelöwenkolonien mit reichlich Nachwuchs, Seeelefanten bekommen wir leider keine zu sehen. Das Wetter wird etwas mühsam, es ist kalt, es regnet immer wieder. Wir machen bei der Cafeteria an der Punta Cantor Mittagspause, in der Hoffnung, am Nachmittag vielleicht ein paar Orcas zu sehen, die üblicherweise etwa 2 Stunden vor der Flut hier vorbeikommen. In der Wartezeit hole ich die warmen Wintersachen von ganz hinten aus dem Kleiderschrank und verstaue dort seufzend meine Sommerkleidchen – werde ich wohl längere Zeit nicht mehr brauchen. Dann stehen wir, warm eingepackt, auf der Beobachtungsplattform, bewaffnet mit Kamera und Fernglas, die Seelöwen sind immer noch da, die Albatrosse und Möwen auch, aber Orcas lassen sich nicht blicken.

Eine Chance haben wir hier noch, die Flut erreicht die Nordspitze der Halbinsel deutlich später als die Ostseite, also fahren wir nach Punta Norte. Am Weg sehen wir viele Guanakos, ein Cui (Patagonien-Meerschweinchen) sowie Schafe und Perlsteißhühner mit dem lustigen Federschopf. An der Punta Norte gibt es ebenfalls Seelöwen, sehr viele sogar und mit viel Nachwuchs, aber auch hier keine Orcas. Nach langem vergeblichem Warten machen wir uns auf den Rückweg. Mittlerweile hat es auch hier sehr stark geregnet, und die an sich schon nicht besonders gute Waschbrett-Piste beschert uns nun eine rüttelnde, schlammige und glitschige Rutschpartie, und das bei starkem Seitenwind. Das ist für unser armes Krasses Pferd mit seinen Blattfedern und den nicht-mehr-offroad-Reifen nicht lustig, und für uns auch nicht. Für den 70 km Rückweg benötigen wir jetzt 2,5 Stunden, und es wird rasch dunkel. Eigentlich wollten wir die Halbinsel heute wieder verlassen, aber das schaffen wir nicht mehr, und in Puerto Pirámides wollen wir nicht noch einmal übernachten. Beim Besucherzentrum fragen wir höflich nach, ob wir am Parkplatz bleiben dürfen – ja, kein Problem. Von hier sind es immer noch 1.851 km bis Ushuaia.

Day 305 – Valdés peninsula

The night at the beach parking at Puerto Pirámides was VERY windy, and the wind gusts from the Atlantic brought a lot of salt – our brave camper is glistening in the sun. We start direction east coast of the peninsula; we need around 90 minutes for the 43 miles on the not so good dirt road. And it is VERY windy here, too – I am trying to exit from the side door but the storm opens the door forcefully. Fortunately, there is a car parked right next to us, otherwise I would have fallen out of our camper. Instead, I hit my head on the other car although I manage to lean on its roof with my right hand; my left hand is clinging to the handle of our door. Rather helpless, positioned in an almost 90-degree angle, I cry for help. And what does the best of all husbands do, in addition to activating the entrance stairs so that I can climb down? He takes a picture. What did I expect?

But we have arrived at the Pingüinera – a viewing platform with a fence and behind the fence Magellan penguins at arm´s length, patrol in front of their dens. When one of the penguins starts to bark, we turn around, looking for a donkey – that´s the sound they make. Fluffy young penguins are standing around, a bit helpless, but not impressed by the storm at all; we on the other hand have to cling to the hand rail.

A bit further south, at the viewpoint Caleta Valdés and at Punta Cantor, there is a sea lion colony with a lot of cubs, but no sea elephants. The weather is getting worse, it is cold and raining. We stay for lunch at the cafeteria at Punta Cantor, hoping to see some Orcas in the afternoon – they usually turn up two hours before high tide. During the wait, I dive into the clothes compartment for our warm winter clothes all the way in the back; my nice summer dresses are stored there now, I won´t be needing them for the next weeks. Wearing several layers of clothes, with binoculars and camera, we go back to the viewing platform. The sea lions, albatrosses and seagulls are still there, but no orcas are to be seen today.

There is one more chance for seeing orcas – high tide arrives at the northern tip of the peninsula much later than at the east side, so we drive to Punta Norte. On the way we see guanacos, cui (the Patagonian guinea pig), sheep and elegant-crested tinamous with their funny feathers on top of their head. There are a lot of sea lions on the beach of Punta Norte, with a lot of young ones, but no orcas here either. After waiting in vain for some time, we leave direction visitor center. It has been raining heavily in the meantime, and the washboard dirt road has turned into a muddy, slippery slide, with the wind coming from the side. Not funny for our poor brave camper with its truck suspension and the tires which aren´t off-road tires anymore – and not funny for us, either. We need two and a half hours for the 43 miles back, it is getting dark fast. We had planned to leave the peninsula today, bit we can´t make it, and we don´t want to stay in Puerto Pirámides again. So, we ask at the visitor center if we may stay at the parking lot – sure, no problem at all. Still 1.150 miles to Ushuaia!

230215 – Tauchen mit Seelöwen >

Mittwoch / Wednesday, February 15, 2023

Tag 304 – Tauchen mit Seelöwen

Am Weg nach Süden fahren wir an der Abzweigung zur Halbinsel Valdés vorbei noch ein Stückchen weiter nach Süden, nach Puerto Madryn – vielleicht gibt es die Möglichkeit, für morgen einen Tauchgang mit Seelöwen zu buchen. In der Tauchschule und Tauchbasis Scuba Duba werden wir freundlich empfangen, allerdings sind für einen Tauchgang mindestens 2 Taucher erforderlich, und es gibt momentan keine weiteren Interessenten (Sigi ist ja ein begeisterter Nicht-Taucher). Aber ich könnte um 11 Uhr den Schnorchel-Ausflug zu den Seelöwen mitmachen. Hmm, ich bin Taucher, ich will nicht an der Oberfläche herumliegen, ich will unter Wasser. Die rettende Idee: es ist nur eine kleine Gruppe von 5 Schnorchlern, aber mit 2 Guides – ich bekomme einfach einen der Guides als Tauchbuddy und kann tauchen. Um 11 Uhr. Das ist in einer halben Stunde!

Leise Hektik bricht aus – Ausrüstung zusammensuchen – Tauchjacket und mein rosa Drybag mit Flossen, Boots, Maske und Schnorchel sind im Heckkompartment hinter den Fahrrädern verstaut, das restliche Equipment in der rosa Kiste unter der Sitzbank im „Wohnzimmer“, die GoPro samt Akkus in der Technikkiste auf Sigis Seite, und mein Tauchanzug hängt in der Dusche. Als ich mit meinem 3 mm Anzug aufkreuze, bemühen sich die netten Mitarbeiter sichtlich, nicht zu lachen – es sei viel zu kalt dafür. Wassertemperatur? 16 °C. Wäre für mich kein Problem, ich gehe in Österreichs kalten Bergseen auch mit meinem 3 mm tauchen, aber man komplimentiert mich in einen 7 mm Anzug plus eine 7 mm Jacke hinein – sowas hab ich in meinem Leben noch nie angehabt, ich fühle mich entsetzlich eingezwängt und unbeweglich. Na gut, was macht frau nicht alles für einen Tauchgang mit Seelöwen!

Wenigstens kann ich mein eigenes Tauchjacket verwenden, nicht aber meinen Regler – es gibt hier keine Adapter für meinen DIN-Anschluß. Meine rosa Accessoires (rosa Octopus-halter, rosa Distanzstab, etc.) werden gleich wieder vom Jacket abmontiert, mit dem Hinweis, dass die Seelöwen sie zu klauen versuchen würden. Mit dem Boot geht es eine halbe Stunde Richtung Süden, zu einer Seelöwenkolonie an einer Bucht. Dann kommt die nächste Prüfung: 12 (zwölf!) Kilo Blei, an einem Bleigurt – normalerweise brauche ich 4 – 6 Kilo, und die sind in den integrierten Jackettaschen bequem verstaut. Aber mit 2x 7 mm Neopren sind sogar die 12 Kilo noch zu wenig, es kommen dann nach dem Tariercheck nochmals 1,5 kg dazu. Uff. Aber dann sind wir endlich soweit, lassen uns auf 6,5 m sinken, das ist die Maximaltiefe hier, und warten.

Und da kommen sie auch schon – neugierige, verspielte junge Seelöwen, die uns umkreisen und mit ihren Glubschaugen eingehend betrachten. Sie drehen Pirouetten, nähern sich von vorne, hinten und oben, einer beißt mal probehalber in mein (rosa) Maskenband, aber das sitzt zu fest, um es zu stehlen. Sie lassen sich streicheln – voller Begeisterung ziehe ich meine Handschuhe aus, die Gelegenheit kommt so schnell nicht wieder. Die unbehandschuhte Hand wird eingehend beschnuppert und auch probehalber mal ins Maul genommen, ganz vorsichtig. Ich muss mich bemühen, nicht zu vergessen, dass das keine Haustiere sind, sondern wilde Tiere sind – allerdings ganz offensichtlich sehr an Menschen gewöhnt.

45 min und viele, viele, VIELE Fotos und Videosequenzen später geht es wieder zurück ins Boot und dann an Land. Auch mein Tauchbuddy Santos hat unglaublich viele Fotos und Videoclips von unserem Tauchgang gemacht – wird ein paar Tage dauern, bis wir die alle gesichtet haben. Dann geht es ein Stückchen zurück nach Norden, auf die Halbinsel Valdés. Im Besucherzentrum bekommen wir einen Plan mit dem eindrücklichen Hinweis, dass auf der Halbinsel nirgendwo campen erlaubt ist außer im einzigen Ort, Punto Pirámides. Der offizielle Campingplatz dort hat schlechte Kritiken und gefällt uns von außen auch nicht, also stellen wir uns auf den inoffiziellen, aber als Übernachtungsplatz geduldeten Parkplatz für Wohnmobile direkt am Strand. Tolle Aussicht und nette Nachbarn – wir stehen neben der vierköpfigen französischen Familie, die wir bereits in El Cóndor getroffen haben. Noch 1.879 km bis Ushuaia!

Day 304 – Scuba diving with sea lions

On the way south we pass the turn to the Valdés peninsula and drive to Puerto Madryn – maybe there is a chance to book a dive with sea lions tomorrow. The very nice staff at the diving school Scuba Duba explains to us that there have to be at least two divers for a scuba dive, and right now I am the only one (Sigi is an enthusiastic non-diver). But I could join a group of snorkelers at 11 am. Well, I am a diver, I don´t want to lay around on the surface, I want to be down there. Then the million-dollar-idea: it´s a small group of snorkelers, only 5 participants, but with two guides – one of the guides will be my dive buddy and I can go diving. At 11 am. That´s in 30 minutes!

Things get a bit hectic now – search all the equipment – my diving jacket and my pink drybag with fins, boots, mask and snorkel are in the back compartment behind the bicycles, the other stuff is in the pink sorter box under my seat in our “living room”, the GoPro camera and batteries are in Sigi´s technics box, and my wet suit is hanging in the shower. When I turn up at with my 3 mm (0,76 inch) wet suit, the staff is trying very hard not to laugh – it´s way too cold for a 3 mm suit. The water temperature? 60,8 °F. Wouldn´t be a problem for me, I go diving in Austria´s cold mountain lakes with my 3 mm, but ok, I give in – and get stuffed into a 7 mm (1,77 inch) neoprene suit plus a 7mm neoprene jacket. I have never worn a diving suit this thick in my life, I feel cramped and immobile. But hey, the things you do to go diving with sea lions!

At least I may use my own BCD (divers’ jacket) but not my regulator, they have no adapter for my European DIN-connector. My pink accessories get taken off my BCD – allegedly the sea lions would try to steal those. Then off we go, with the boot, half an hour to a sea lion colony in a bay. Then the next test: 26 (twenty-six!) pounds of weight on a weight belt – usually I need between 9 and 13 pounds, easily stored in the integrated weight pockets of my BCD. But with those twice 7 mm neoprene even the 26 pounds are not enough, after checking my buoyancy we have to ad another 3 pounds. Wow. But then, finally, I am good to go. We descend to 21 ft, that´s the max depth here, and wait.

And there they are – curious, playful adolescent sea lions, circling around us and checking us out with their googly eyes. They are dancing pirouettes, coming from the front, the back and above, one them even biting carefully into my pink mask band on the back of my head, but this is fixed too tightly to steal it. They let us touch and pet them – I am fascinated and take off my gloves, I won´t have that opportunity again. The gloveless hand is examined by several sea lions, even taken into the mouth, very carefully – it´s hard not to forget that these are no pets but wild animals, albeit used to human company.

45 minutes and countless pictures and video clips later we are back in the boat and on our way to the beach. My dive buddy also took a lot of pictures and videos, it will take several days to see them all. Then we drive a few miles back north, to the Valdés peninsula. In the visitor center we get a map, with the information that camping is only allowed in the only village on the peninsula, in Puerto Pirámides, nowhere else. We don´t like the official camp site there, so we park at the unofficial but tolerated camper parking directly at the beach. Good view and nice neighbors – we meet the nice French family again whom we got to know in El Cóndor. Only 1.167 miles to Ushuaia!

Route 230215

KM

KM: Sind auf der Halbinsel Valdés. Starke Windböen direkt am Wasser. Unser Krasses Pferd hat die ganze Nacht geschaukelt :-). Jetzt rd. 80 Kilometer über Schotterpiste nach Punta Norte schauen ob sich die Orcas zeigen.

Von meinem iPhone gesendet

230214 – Die Atlantikküste nach Süden >

Dienstag / Tuesday, February 14, 2023

Tag 303 – Die Atlantikküste nach Süden

Gestern abend hatte sich der Wind fast völlig gelegt, um in der Nacht wieder zuzunehmen. Unser braves Krasses Pferd schwankt im Schlaf hin und her, und wir oben im Alkoven schaukeln mit. Nach dem Frühstück steigen wir kurz aus, für ein paar Fotos – ein schwieriges Unterfangen, denn der Wind reißt einem entweder die Tür aus der Hand, oder knallt sie zu – ziemlich schmerzhaft, wenn man mit Einsteigen noch nicht fertig ist. Und es ist auch der Wind, und nicht die Straße, der heute unsere Fahrtgeschwindigkeit begrenzt. Die Ruta 3 ist in ausgezeichnetem Zustand, aber der Seitenwind lässt nicht mehr als 70 km/h zu. Aber wir haben es ja nicht so eilig. 

Wir beschließen, für die Weiterfahrt nicht die ungepflasterte Küstenstraße zu nehmen – die ist laut IOverlander teilweise von Sanddünen zugedeckt und kaum passierbar; unser tapferes Krasses Pferd hat zwar einen Allrad, aber nicht mehr die richtigen Reifen für so ein Abenteuer, und wir wollen nicht stecken bleiben. An der Tankstelle in Viedma spricht uns eine Dame an und fragt ob sie Fotos von unserem Gefährt machen kann – ja, natürlich! Wir plaudern ein wenig und dann schreibt sie uns ihre Adresse und Telefonnummer auf; falls wir durch Las Grutas kommen und irgendetwas benötigen, sollen wir uns melden. Echt nett von Señora Graciela!

Nachdem wir gestern die Seelöwen an der Punta Bermeja von oben und aus der Ferne gesehen haben, freuen wir uns heute auf die Lobería nahe San Antonio del Este, wo man angeblich recht nahe an die Tiere herankommen soll. Aber das hat sich geändert – der Strand ist abgezäunt, der Gehweg abgeriegelt, wir sehen aus der Ferne zwei Tiere im Wasser, und das war´s. Der einsame Pinguin, der vorbeischwimmt, kann die Enttäuschung auch nicht aufwiegen – den Weg hätten wir uns sparen können. Also die 30 km zurück auf die Ruta 3, und weiter südwärts. Nächstes Ziel: Halbinsel Valdes; die Strecke schaffen wir allerdings heute nicht mehr, daher quartieren wir uns wieder bei einer YPF Tankstelle ein. Distanz bis Ushuaia: 1.919 km.

Day 303 – Following the Atlantic coast south

Yesterday evening, the wind died almost completely, but got strong again during the night. Our brave camper is swaying back and forth in his sleep, and we, upstairs in our dormitory, are swaying with it. After breakfast, we climb out of the vehicle for a few pictures – a difficult task because the wind either forces the door out of your hand or shuts it abruptly – which hurts your behind considerably if you are not done with getting in. And it is also the wind – and not the road – limiting our velocity. The route 3 is in very good condition but the wind from the side limits our speed to 31 miles/hour. But we are not in a hurry.

We decide not to take the coastal road – unpaved, and according to IOverlander at some places covered with sand; we do have a 4×4 but no the tires for such an adventure any more, and we don´t want to get stuck. We choose to go back to Viedma and then continue on route 3. At the gas station in Viedma a Señora approaches us, asking us if she could take pictures of our brave camper – of course! We chat a bit, and then she writes down her address and phone number – in case we pass by Las Grutas and need anything. Very, very nice of you, Señora Graciela!

After seeing the sea lions at Punta Bermeja yesterday, from afar up high on the cliff, we are looking forward to visit La Lobería at San Antonio del Este today where we should be able to get much closer to the animals. But that is not the case anymore – the beach has been cordoned off, the walkway is closed, we see two sea lions far away in the water, and that´s it. We are disappointed – even the lonely penguin swimming by cannot change that. We could have saved ourselves the extra miles. So, we drive the 18 miles back to route 3 and continue south, next destination: the Valdes peninsula. But that´s too far to drive today, so we stop at an YPF gas station for tonight. Distance to Ushuaia: 1.192 miles.

Route 230214

230213 – Wieder an der Atlantikküste >

Montag / Monday, February 13, 2023

Tag 302 – Wieder an der Atlantikküste

Kurz nach unserem Übernachtungsplätzchen an der Tankstelle kommt auch schon der erste Obst- und Fleisch-Checkpoint. Wir haben gestern alles aufgegessen, was wir nicht mitnehmen dürfen, und die halbe Zucchini, Speck und Eier im Kühlschrank stört die freundlichen Lebensmittelpolizisten nicht. Wir überqueren den Río Colorado, und dann begrüßt uns ein Schild mit „Patagonia“ – wir haben eines unserer bedeutendsten Reiseziele erreicht. Also eigentlich den ersten Zipfel, denn Patagonien ist riesig. Und – zumindest in diesem Teil – ziemlich flach. Und SEHR windig. Eigentlich verwunderlich, dass es die Herde Nandus rechts der Straße nicht einfach davonweht.

Ein Stückchen später beginnt es rechts vorne zu scheppern – es klingt, als käme das Geräusch aus dem Radkasten. Wir bleiben stehen und finden ein abgerissenes Halterungsteil der Radkastenverkleidung – müssen wir in der nächsten Werkstatt schweißen lassen. Und jetzt wissen wir auch, was das komische metallische Geräusch gestern war – der Moment, als das Teil abgerissen ist. Für den Moment stecken wir die Teile mal ineinander, und siehe da, es hält und es scheppert nichts mehr.

Das Provisorium hält zwar auch die nächsten 300 km, aber wir wollen unser Glück nicht herausfordern. In Viedma suchen wir einen auf IOverlander empfohlenen Mechaniker auf. Die beiden Herren lassen alles fallen und nehmen sich sofort Zeit für uns, schweißen das gebrochene Teil, und nach einer knappen Stunde ist alles erledigt, zu einem Preis, für den sich bei uns ein Mechaniker nicht mal unters Auto legen würde. Und gute Tipps und Streckeninfos gibt´s auch noch, und das gratis, weil Guillermo ist selbst Wohnmobilfahrer.

In El Cóndor sind wir endlich wieder am Atlantik, das erste Mal seit Punta del Este in Uruguay. 30 km weiter, ein Stück nach La Lobería, an der Reserva Punta Bermeja, gibt es eine große Seelöwenkolonie, die wir von oben betrachten können. Es ist grad ziemlich viel Nachwuchs da, hunderte Tiere liegen am Strand oder tummeln sich im Wasser, ihre Unterhaltung dringt über die Steilküste bis zu uns herauf – es wird gebrüllt und geröhrt, gegrunzt, gequiekt und gebellt. 50 m tiefer am Strand muss der Lärm ohrenbetäubend sein.

Irgendwann beschließen wir, dass wir genügend gute Fotos von putzigen Robbenjungen, müden Robbenmamas und furchterregenden Bullen haben, machen sicherheitshalber noch ein paar Fotos, und fahren ein Stücken zurück, zum Aussichtspunkt El Espigón (ziemlich viel Aussicht dort, sonst nichts) und dann zu einer Zufahrtsstraße zum Strand. Viele Tausende kleine Nisthöhlen in den Felsen der Steilküste bieten Platz für Tausende von vierfarbigen Felsensittichen. Die sind aber scheinbar noch alle auf den Futterplätzen weiter nördlich und kommen erst bei Sonnenuntergang zurück – wir sind zu früh dran, nur einige wenige Pärchen lassen sich blicken. Ein paar mehr der gesprächigen, bunten Vögel sehen wir dann beim Malvinas Memorial, dem Mahnmal für den Falklandkrieg zwischen Großbritannien und Argentinien. Der alte Kampfjet aus dem völlig unnötigen Krieg Anfang der 80er Jahre hat eine neue Aufgabe – Aussichtspunkt für Felsensittiche.

Müde fahren wir hinunter nach El Cóndor und parken uns an der Rambla zwischen zwei anderen Wohnmobilen ein – eine französische Familie, die wir schon bei den Robben getroffen haben, und eine uruguayisch-argentinische Familie in einem alten Reisebus-Wohnmobil. Morgen geht es weiter Richtung Süden – nur mehr 2.247 km nach Ushuaia.

Day 302 – Back at the Atlantic coast

Soon after we leave the gas station where we spent last night, we arrive at the first fruit and meat checkpoint. As we have eaten all the forbidden things yesterday, the friendly food police doesn´t find anything of concern in our fridge – half a zucchini, eggs and bacon are no problem. We continue, cross the Río Colorado and then we see a large billboard, welcoming us to Patagonia – we have reached one of the most important destinations of our journey. Respectively, the first tiny corner because Patagonia is enormous. And flat (at least in this part here). And VERY windy. Small wonder that the flock of Nandus we see to our right doesn´t get blown away.

A bit later, we hear a repetitive metallic noise coming from the right front part of our brave camper. We stop and have a look, and we find a broken part of the lining of the wheel housing – we need a repair shop to have it welded. And now we also know what that peculiar metallic noise was yesterday – this was the moment when the part broke off the lining. Right now, we manage to stick the parts together – and that works for now, no metallic rattling anymore.

Our provisional ”repair“ even works for the next 180 miles but we don´t want to test our luck. IOverlander recommends a mechanic in Viedma, so we stop there and ask for help. The two Señores drop everything they are working on, have a look at the problem and weld the broken part immediately. We are out of there in under an hour, for a price for which a mechanic back home wouldn´t even take a look at the problem. And on top of that, we get helpful tips and information about road conditions and places worth to see because Señor Guillermo is a fellow overlander.

In El Cóndor, we are finally back at the Atlantic coast, first time since Punta del Este in Uruguay. 18 miles further west near La Lobería, at Reserva Pinta Bermeja, there is a view point from where we can observe the sea lion colony on the shore. They have had a lot of cubs, hundreds of animals are resting on the sand or playing in the water and we can hear them talking up here – they are bellowing and roaring, grunting, squeaking and barking. The noise level 160 ft below us on the beach must be deafening.

After some time, we decide that we have enough pictures of cute seal pups, tired moms and really huge bulls. We take some more pictures, just to be sure and then drive a few miles back east to the view point El Espigón where we find – a lot of view, nothing else. The next road leads down to the beach where thousands of small holes in the cliffs offer living space for thousands of four-coloured parakeets. But we are a bit too early, they seem to be still at their feeding area a few miles north, returning at sunset; only a couple of couples are already home. We get to see a few more birds at the Malvinas Memorial, the monument for the Falkland War between Argentina and Great Britain. The old fighter jet, a relic from that totally unnecessary war at the beginning of the 80s, has found a new use – it´s a view point for a pair of parakeets now.

Tired, we drive down to El Cóndor and stop at the Rambla, between two other campers – a French family of four whom we already met at the seal view point, and an Argentinian-Uruguayan family with two dogs in an old bus-turned-camper. Tomorrow we will continue south – only 1.396 more miles to Ushuaia.

Route 230213

230212 – Vom Parque Luro nach Bahía Blanca >

Sonntag / Sunday, February 12, 2023


Tag 301 – Vom Parque Luro nach Bahía Blanca


In der Früh schwingen wir uns wieder auf unsere Fahrräder und radeln durch den Park.

Die Nature Reserve ist ein Teil eines ehemals privaten, 20.000 ha großen Wildparks. Der frühere Besitzer Dr. Luro ließ Hirsche und Wildschweine aus Europa importieren, und die haben sich hier prächtig vermehrt. Auch heute früh sehen wir wieder Rehe, einen Fuchs, viele Vögel – vor allem Loros und Raubvögel, Eulen und einen Specht, außerdem Guanakos und schon wieder große Meerschweinchenverwandte – Maras oder Pampashasen, aber keine Wildschweine und leider auch keine Flamingos und auch keine anderen Wasservögel. Die Lagune ist fast völlig ausgetrocknet – wenn ich Flamingo wäre, würde ich auch nicht hierher kommen, es gibt nichts zu essen.
Kurz nach Mittag brechen wir auf, scheitern aber erstmal am verschlossenen Einfahrtstor des Parkes – außer einer Herde Guanakos ist niemand da. Also zurück zum Campingplatz, die nette Betreiberin des Imbissstandes fährt zum Tor und sperrt für uns auf. Dann geht es die schnurgerade Ruta 35 nach Süden und dann nach Südosten, Richtung Bahía Blanca. Links und rechts die schon bekannte, unaufregende Pampa, in der Mitte das wie mit einem Lineal gezogene Band der Ruta 35. Irgendwann mitten auf der Strecke hören wir ein seltsames, metallisches Geräusch von draußen, als ob wir über irgendetwas drübergefahren wären, das gegen unser Fahrzeug geschlagen hat, finden aber keine Ursache.
Vier Stunden, 300 km und ein Gewitter später stehen wir in Bahía Blanca vor einem versperrten Tor und einem netten Marinesoldaten, der uns erklärt, dass das Museo de la Aviación naval geschlossen ist – wegen Regen. Ernsthaft?!? Sind die Flugzeuge nass geworden? Der hilfsbereite Soldat schickt uns weiter nach Puerto Belgrano, dort gäbe es auch ein interessantes Marine- und Militärmuseum. So militärbegeistert sind wir dann doch nicht, wir wollten ja nur die Marineflieger sehen, also machen wir kehrt und fahren ins Zentrum von Bahía Blanca. Am Hauptplatz steht die Catedral Nuestra Señora de la Merced, mit ein paar sehenswerten Gemälden im luftigen, hellen Inneren. Leider hat man auch hier einen Wohnturm direkt an die Kathedrale angebaut, das stört schon den Gesamteindruck – die riesigen Figuren an der Kuppel kommen nicht mehr richtig zur Geltung.
Ansonsten reißt uns Bahía Blanca nicht unbedingt zu Begeisterungsstürmen hin, auch wenn auf großen Schildern „Bahía me gusta“ steht. Wir verlassen die Stadt auf der Ruta 3 Richtung Süden und parken uns an einer YPF Tankstelle mit Truckstop für die Nacht ein. Das Abendessen besteht aus „einmal quer durch den Kühlschrank“ – wenn wir morgen den Kontrollposten der Polizei Richtung Süden passieren, dürfen kein Obst, Gemüse oder Fleisch an Bord sein. Patagonien ist frei von Fruchtfliegen und Rinderseuche, und so soll es auch bleiben. Von hier sind es dann „nur noch“ 2.470 km nach Ushuaia.


Day 301 – From Parque Luro to Bahía Blanca


In the morning, we take our bicycles out again and explore the park. The large nature reserve is part of the former, even larger private estate of Dr. Luro, who had deer and boars imported from Europe. They escaped from their enclosure and started to reproduce, very successfully. We see deer and a fox again, lots of birds – mostly loros and raptors, burrowing owls and carpinteros (woodpeckers), and also Guanakos and another species related to guinea pigs – the Pampas hare (Mara), but neither boars nor flamingos or other water fowl. The salt lagune is almost completely dried out – if I were a flamingo, I wouldn´t come here, either – nothing to eat here!
After lunch we want to leave, but the gate of the park is locked, no one at the entrance booth except a herd of Guanacos. So, we have to go back to the camp site, and the nice lady there drives to the gate to let us out. Now we can continue on route 35, first direction south and then southeast, towards Bahía Blanca. To the left and to the right the already familiar, uneventful pampa, in the middle the dead straight road leading to the horizon. Somewhere in the middle of nowhere, we hear a strange, metallic noise, as if we had hit something but we can´t find anything.
Four hours, 186 miles and one rain shower with thunderstorm later, we arrive at Bahía Blanca, at a locked gate – the nice naval soldier explains to us that the Museo de la Aviación naval, the Navy Aviation Museum, is closed – due to the rain. Really?!?! Did the airplanes get wet?? The helpful soldier recommends another marine military museum, 10 miles south, in Puerto Belgrano. We are not the military afficionados, we just wanted to see the airplanes, so we turn around and drive to the center of Bahía Blanca. At the plaza central, we visit the Catedral Nuestra Señora de la Merced with some very nice large paintings in its light and airy interior. Unfortunately, a large apartment house has been built directly adjacent to the cathedral – reducing the impression of the church façade with the huge sculptures on the cupola.
Bahía Blanca doesn´t impress us very much although some large billboards convey the message “me gusta Bahía” – I like Bahía. We follow route 3 south and stop at a large YPF gas station and truck stop for the night. Dinner consists of left-overs from the fridge – we are not allowed to take any fruit, vegetables or meat through the checkpoint a few miles south because Patagonia is completely free of fruit flies and foot and mouth disease. Let´s keep it that way! From here, we have to drive “only” 1.535 miles to Ushuaia.

230211 – Durch die Pampa oder wo Fuchs und Armadillo einander Gute Nacht sagen >

Samstag / Saturday, February 11, 2023

Tag 300 – Durch die Pampa oder wo Fuchs und Armadillo einander Gute Nacht sagen

Eigentlich wollten wir Tag 300 unserer Reise mit einem großen Frühstück oder noch besser einem Brunch feiern, aber da wir heute etwa 570 km zurücklegen wollen, wird es nur ein schneller Kaffee mit einer der süßen Köstlichkeiten von gestern. Wir verabschieden uns von unseren Gastgebern und machen uns auf den Weg nach Süden. Wir fahren an der Embalse Tercero vorbei, am Stausee vom dritten Fluss – als die Spanier vor 500 Jahren hier das Land erforschten, haben sie die Flüsse einfach durchnummeriert – etwas fantasielos, aber klar und eindeutig (später kommen wir dann auch an Río Cuarto, Vierter Fluss, vorbei).

Kein Wunder, das es hier so viele Touristen und gibt – die Gegend ist wirklich schön und für die hitzegeplagten Städter aus dem Großraum Buenos Aires ein leicht erreichbares Erholungsziel. 50 km später sind wir wieder aber schon wieder in der Pampa – für viele hundert Kilometer ist es rechts und links der Straße flach, grün und gelb – endlose Weizen-, Soja und Sonnenblumenfelder – die braunen, weißen und schwarzen Farbkleckse sind Rinder und Pferde. Wir überqueren überwucherte Schienen, die schon lange keine Eisenbahn mehr gesehen haben, und fahren vorbei an Einfahrtstoren zu Estancias, hinter denen kilometerlange Alleen hoher Bäume zum zugehörigen Gutshaus irgendwo am Horizont führen. Das Thermometer zeigt knapp 40°C – in drei Wochen, in der Antarktis, werden wir uns frierend und scheppernd daran erinnern.

Knappe 600 km später fahren wir beim Tor zur Reserva Natural Parque Luro vor (und sehen hier gleich den ersten Fuchs), in der Hoffnung, dass wir hier auf den Campingplatz dürfen, wo man angeblich eine Reservierung benötigt. Alles kein Problem, reservieren muss man nur die Cabañas; Zelte und Wohnmobile werden ohne Reservierung bis 18 Uhr eingelassen. Und der Pool hat bis 19 Uhr geöffnet. Wir springen erstmal ins Wasser, dann montieren wir die gestern erworbene Österreich-Fahne – kurze Zeit später kommt ein Fuchs zur Inspektion vorbei, und ein großes Rudel Hirsche zieht über den Campingplatz.

Nach dem Abendessen nehmen wir Stirnlampe, Nachtsichtgerät und große Stablampe, und gehen auf Pirsch. Wir begegnen Armadillos – Gürteltieren, die sich beileibe nicht einrollen wie im Comic, sondern in den Sand eingraben und einer Familie Füchse, die uns anbellen.

Ein Uhu ist auf Jagd, und die Hirsche sind auch noch da, am Waldrand. Die hier auch lebenden Pumas haben wir nicht gesehen (sie uns vielleicht schon). Morgen in der Früh wollen wir an die Lagune, vielleicht sehen wir dort Flamingos.

Day 300 – Crossing the Pampa or meet and greet with Fox and Armadillo

The plan was to celebrate day 300 with a big breakfast or even better with a brunch. But as we are planning to drive about 350 mile today, it´s only a quick coffee and some of the delicious sweets we bought yesterday. We say good-bye to our lovely hosts and start the long drive south. We pass by Embalse Tercero, the reservoir of the “Third River” – 500 years ago, the Spaniards who explored the land from the coast to the Sierra, just gave the rivers numbers – not very fancy, but efficient (a bit later, we pass by Río Cuarto, Fourth River).

It´s no surprise that this is a tourist area – the region is beautiful and not too far away from hot Buenos Aires – a perfect destination for a weekend trip. 30 miles later, we are in the Pampa again, for many hundred miles – flat, green and yellow – endless wheat, soy and sunflower plantations with some brown, white and black in between – cattle and horses. We cross grown-over train tracks which haven´t seen a train in ages, and we pass gates of estancias; staring right behind the gates, long alleys of huge trees lead to the farm house somewhere on the horizon. The thermometer crawls up to 100°F – in about three weeks, chilled to the bone in the Antarctic, we will remember this nice, warm day.

After 370 miles we reach the gates of Reserva Natural Parque Luro (where we see the first fox), hoping that we may spend the night in the reserve because allegedly a reservation is necessary. But, no problem at all, reservations are only needed for cabanas – not for tents or campers, and as we arrive just in time before 6 pm, we may stay. And the pool is open till 7 pm. We go for a swim first, then we mount the Austrian flag we bought yesterday. A few minutes later, another (or the same?) fox passes by for inspection, and a herd of deer passes by the camping area.

After dinner, we take a headlight, our night vision goggles and the large torch and walk through the park. We get to see Armadillos who don´t curl into a ball as they do in comic strips but burrow themselves in the sand; a family of foxes who bark at us; an owl is hunting, and the deer are still there, at the edge of the wood. We didn´t see any of the resident pumas (but maybe they saw us – we´ll never know). Tomorrow morning, we want to go to the salt lagune, maybe we´ll get to see flamingos. 

Route 230211