Es gibt Dinge, die die Mexikaner lieben – oder vielleicht auch hassen. Da gibt es zum Beispiel die „topes“ (Einzahl: tope) oder aber auch die vielen Checkpoints, die Straßenverkäufer, die Art und Weise, wie man mit Verkehrsregeln umgeht und der kreative Umgang mit Kabeln aller Art.
Aber der Reihe nach.
„Topes“ – bei uns in Mitteleuropa auch als Bodenschwellen bekannt und zumeist ist verkehrsberuhigten Zonen (mit entsprechenden Hinweistafeln angekündigt) eingesetzt, werden hier zu einer echten Herausforderung beim Fahren. An manchen Stellen werden diese topes zwar angekündigt, aber vielerorts tauchen sie plötzlich aus dem Nichts auf. Abgesehen von den topes zieren auch immer wieder Schlaglöcher bis zu rd. 30 cm Tiefe die Fahrbahn, um unaufmerksame FahrerInnen aus dem Gefühl des Dahingleitens zu reißen. Diese tauchen schlag(loch)artig wie aus dem Nichts auf und können bisweilen auch zur Gefahr werden.
Dann sind da auch die Checkpoints. Für den Ausländer ungewohnt und nicht immer ganz klar, wer jetzt gerade kontrolliert und was eigentlich kontrolliert wird. Mal sind es einfache Fragen, dann wieder die Zollpapiere oder aber die Frage nach transportierten Früchten, Hühnern, usw. Im Grunde genommen haben sich viele Checkpoints für uns gar nicht interessiert – auch wenn wir mit unserem Fahrzeug erheblich aus der Masse herausstechen. Abgesehen von den Checkpoints fallen auch immer wieder die schwer bewaffneten mobilen Exekutivkräfte auf. Das sind Pickups mit 4 bis 6 vermummten Polizisten/Soldaten auf der Ladefläche, wobei üblicherweise zwei davon stehen und die Umgebung sondieren. Aber auch diese interessieren wir kaum – im Gegenteil: oftmals kommt ein winkendes Hallo zu uns herüber.
Eine für uns besondere Attraktion im Straßenverkehr – und dies in Verbindung mit den Topes – sind die Straßenverkäufer. Sie haben den Verkaufsstand direkt bei den Topes aufgestellt und stehen in der Fahrbahnmitte auf den Topes und bieten allerlei an. Von Bananen über Früchte aller Art bis hin zu Tortillas. Bei den Topes kommt das Fahrzeug – je nach Tope-Type – fast oder sogar ganz zum Stillstand. Zeit genug für den potentiellen Käufer, die Ware zu mustern und zu entscheiden, ob eingekauft wird oder nicht. Wenn eingekauft wird, dann steht der nachkommende Verkehr natürlich – aber das ist einfach hier so und niemand regt sich auf.
Der Umgang mit Verkehrsregeln ist auch etwas fast typisch mexikanisches. Anfangs hat man noch das Gefühl, dass Verkehrsregeln hier eher als Leitfaden gesehen wird. Nach einiger Zeit entdeckt man aber, dass es eigentlich keine Regeln gibt. Die Verkehrsteilnehmer scheinen hier die Verkehrsregelung selbst in die Hand genommen zu haben, um im Kollektiv möglichst rasch vorwärts zu kommen. Überholt wird nicht dort, wo es erlaubt ist, sondern überall wo es möglich ist. Anfangs waren wir noch verwundert, weshalb die Fahrzeuge zur Hälfte auf dem Pannenstreifen fahren, bis uns klar wurde, dass damit die Gesamtbreite der Straße für drei bis vier Fahrzeuge ausreichend ist und schnellere Fahrzeuge – auch bei doppelten Sperrlinien und Überholverbot – überholen können … und das mit einer Selbstverständlichkeit direkt vor den Augen der Polizei.
Stopptafeln und Vorrangtafeln finden sich oftmals nebeneinander und tragen so auch ein wenig zur Verwirrung des europäischen Fahrers bei. Relativ klar ist zumindest die Regelung, dass man hier zu Lande bei einer roten Ampel rechts abbiegen darf.
Das Fahren mit einem Wohnmobil unserer Größe kann in manchen mexikanischen Städten/Dörfern zu einem Abenteuer werden. Google Maps und auch die anderen Navis geben keine Informationen über die tatsächliche Fahrbahnbreite, die in der Straße geparkten Autos und schon gar nicht über die kreuz und quer gespannten Kabeln (Strom, Telefon, …), den Fahrbahnzustand oder die Steigung. Einige Male streiften wir mit unserem Fahrzeug tief hängende Kabel (ohne eines davon abzureissen) und tasteten uns Zentimeter für Zentimeter an Engstellen zwischen parkenden Autos oder Hauswänden entlang. Natürlich auch mit dem Effekt, dass sich hinter uns eine Autoschlange bildete. Hier muss man der Geduld der Mexikaner Hochachtung zollen. Kein Gehupe, keine bösen Schreie – einfach abwarten bis der „Gringo“ mit seinem Auto durch ist. Natürlich haben wir daraus gelernt: vorher ganz genau auf der Satellitenansicht die Strassen anschauen und wenn diese zu eng erscheinen, ein Einkaufszentrum o.Ä. suchen, dort das Wohnmobil abstellen und mit dem Taxi in die Altstadt fahren. Das sind gut investierte Pesos und schonen Nerven und Fahrzeug gleichermaßen.
Eine weitere Besonderheit ist der Umgang mit der Warnblinkanlage bzw. mit Leuchten aller Art generell. Die Warnblinkanlage wird hier für alle möglichen Situationen genutzt, nur nicht für den ursprünglichen Zweck. In den meisten Fällen, wenn Fahrzeuge langsamer als der Fließverkehr unterwegs sind, wenn es regnet, wenn die Sonne scheint, weil man sich die Schaufenster ansieht, weil man in der zweiten Spur fährt, …. . Besonders kreativ wird hier mit Blinkleuchten umgegangen. Auf Tankstellen gibt es Shops, die auch gleich den Einbau vornehmen. Bremsleuchten werden so modifiziert, dass beim „anbremsen“ die Bremsleuchten flackern und erst danach auf Dauerleuchten umschalten. In der Windschutzscheibe werden in Fahrtrichtung gelb/weiße Lauflichter (ähnlich einem Fahrzeugbalken) angebracht. Lkws haben zumeist auch grelle, helle LED Scheinwerfer die nach hinten gerichtet sind und zusätzlich zur Fahrzeugbeleuchtung eingeschaltet sind. Ist für den Nachfolgeverkehr sehr irritierend, da er sich mit rotem und weissen Licht gleichzeitig konfrontiert sieht.
