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230811 – Ciao, Brazíl – Buenos días, Uruguay >

Freitag / Friday, August 11, 2023
Tag 481 / 457 – Ciao, Brazíl – Buenos días, Uruguay

Mitten in der Nacht – Weltuntergang. Donner, Blitze, ohrenbetäubend laut prasselnder Regen wecken uns – das Gewitter ist genau über uns. In der Früh sind noch graue Wolken zu bemerken, die Sonne ist noch nicht zu sehen. Am frühen Vormittag kommen wir in Sant´Ana de Livramento an, wo wir eine Runde um die Praça internacional (Brasilien) bzw. Placa internacional (Uruguay) drehen. Das ist der einzige Platz der Welt, den sich zwei Länder teilen (sagt zumindest unser Uruguay-Reiseführer).

Die Grenze läuft genau der Länge nach durch den Platz, das Denkmal steht auf der Linie, nördlich davon weht die brasilianische Flagge und südlich die von Uruguay. Im Geschäft auf der Nordseite finden wir auf einen Streich 4 Rettungsautos und werden somit genau unsere letzten brasilianischen Reaís los; im Shop auf der Südseite bezahlen wir die beiden Koffer, die wir zum Heimfliegen benötigen, mit US-Dollar, der uruguayischen Zweitwährung. Hier gibt es keine Zäune, keine Grenzschilder, nur sporadische Kontrollen durch berittene Polizisten, die Dienstpferde tragen Reflexstreifen an Sattel, Zaumzeug und an den Fesseln. Das Büro für die Passkontrolle für die Ausreise aus Brasilien und die Einreise nach Uruguay finden wir dann, etwas ungewöhnlich, zwei km weiter im Shopping-Center.

Und das Shopping-Center beschert uns dann nochmals einen ziemlichen Zuwachs für die Sammlung – gut, dass wir Koffer gekauft haben. Was wir hier allerdings nicht bekommen, ist das TIP (temporary importation permit) für unser Krasses Pferd, das gibt es 13 km weiter in einem etwas baufällig aussehenden Büro-Container am Rande der Ruta 5, bereits im Department Rivera / Uruguay. Insgesamt ein ungewohnter, aber lustiger Grenzübertritt, mit sehr netten Beamten. Und das war dann auch die letzte Einreise mit unserem Krassen Pferd für diese Reise – nächste Woche werden wir es in Montevideo im Hafen abgeben und nach Hause schicken. 

Aber heute geht es nochmals ins Grüne – wir biegen von der Ruta 5 nach rechts ab, und erreichen nach einer halben Stunde den Parque natural regional Valle del Lunarejo. Kein Nationalpark, sondern ein großes – mit Auflagen – von lokalen Familien bewirtschaftetes Naturschutzgebiet und somit größtenteils Privatbesitz. Der nette Mitarbeiter vom Besucherzentrum heißt uns herzlich willkommen, erklärt uns, wo wir alleine unterwegs sein dürfen und wo wir Guides benötige würden, und lädt uns ein, über Nacht hier zu bleiben. Mittlerweile scheint die Sonne, es ist halbwegs warm, und wir gehen spazieren; die Gegend ist ein Vogelparadies, wir sehen Störche, Stirnbandibisse, Truthahngeier, Galleriewaldrallen und eine Familie von Halsbandwehrvögeln mit drei flauschigen Jungen. 

Als wir zurückkommen, ist das Besucherzentrum schon geschlossen, aber der Platz ist nett, hinter uns grasen Schafe, es gibt kaum Verkehr auf dieser Nebenstraße und das WiFi ist schnell – und wir bleiben einfach da. Ist zwar vielleicht nicht das vernünftigste (es sind immer noch 524 km zu Timo, das schaffen wir morgen sicher nicht), aber nach etlichen Nächten auf Tankstellen freuen wir uns, mit Hundegebell, Schafgemecker und Froschgequake einzuschlafen und morgen mit Vogelgezwitscher aufzustehen.

Day 481 / 457 – Ciao, Brazíl – Buenos días, Uruguay

In the middle of the night, we wake up due to infernal noise – thunder, lightning, rain hammering on our roof – the thunderstorm is right above us. In the morning, there are grey clouds, no sun yet. We arrive in Sant´Ana de Livramento, where we walk around the Praça internacional (Brazíl) respectively the Placa internacional (Uruguay). Our guide books says, that this is the only Plaza in the world shared by two countries.

The border runs exactly through the middle of the plaza, the monument is placed on the center line, with the Brazilian flag north and the Uruguayan flag south of it. In the shop on the north side of the plaza, we find four new ambulances, therefore getting rid of our last Brazilian reaís; in the shop on the south side, we buy two suitcases which we need for the flight home,  paying in US dollars, Uruguay´s second currency. There are no fences, no border signs, only random controls by officers on horses (the horses are equipped with reflecting material on their saddle and bridles and even around their ankles). The immigration offices for exiting Brazil and entering Uruguay are 1,5 miles away, at the shopping mall – a bit unusual for us.

And at the shopping center, we find several more additions for our collection – fortunately, we just bought some suitcases. For the TIP, the temporary importation permit, we have to drive 8 miles further south on Ruta 5, already in department Rivera, Uruguay. The office is located in a container on the side of the road. All in all, this was a very unusual but funny border crossing, with very nice immigration and customs officers. And this was also our last customs procedure for entering a country – next week, we will bring our Brave Camper to the harbur in Montevideo and send it home.

But today, we want to spend some more time in Uruguay´s green north – we turn right from Ruta 5 and after half an hour, we reach the Parque natural regional Valle del Lunarejo. It´s not a national park, but a huge protected area; farming is allowed under certain rules, and most of the land is privately owned. The nice señor at the visitor center welcomes us, explains which trails we are allowed to go on our own and where we would need guides, and even invites us to stay the night. It is sunny and warm now, and we go for a walk – the area is a paradies for birds, we see storks, ibis, vultures, wood rails and a family of southern screamers with three fluffy chicks.

When we come back, the visitor center is closed; the place is nice and quiet – almost no traffic on the road, sheep are grazing behind our Brave Camper, and the WiFi is fast – we decide to stay. It´s maybe not the wisest decision (from here, we still have to drive 325 miles to Timo, we won´t be able to do that tomorrow), but after several nights in a row at gas stations, we are happy to go to sleep with the sound of barking dogs, bleating sheep and croaking frogs, and to wake up to the song of birds.

Route 230811

230810 – Von Porto Alegre Richtung Grenze Uruguay >

Donnerstag / Thursday, August 10, 2023
Tag 480 / 456 – Von Porto Alegre Richtung Grenze Uruguay

Das Wetter schlägt Kapriolen – gestern grauslich, nass und kalt, heute Sonnenschein und am frühen Vormittag schon über 20°C. Wir freuen uns, da macht sowohl Fahren als auch Spazierengehen gleich viel mehr Spaß. Also auf nach Porto Alegre, wo wir in der Nähe vom Mercado Público einen Parkplatz in der Kurzparkzone finden. Brav wollen wir am Parkomat das Ticket kaufen – geht nicht. Der nette Kurzparkzonenparkticketüberprüfungsbeamte eilt mir zu Hilfe und will das Ticket elegant auf seinem mobilen Gerät ausdrucken – geht auch nicht. Das System kann mit unserer österreichischen Autonummer nichts anfangen, somit haben wir einmal gratis Parken gewonnen – auch gut.

Gut gelaunt spazieren wir durch das wuchtige rosa Gebäude des ehemaligen Majestic Hotels, heute ein Kulturzentrum, zum Palacio Piratini. Wir waren ja im Jänner schon hier, da war der Regierungspalast wegen Renovierung geschlossen – im August wären wieder Besuche für Touristen möglich, hieß es damals. Das stimmt im Prinzip auch – nur heute nicht, denn heute findet vor dem Palast eine Demonstration statt, die Sicherheitsvorkehrungen sind erhöht und die Touren ausgesetzt. Na schade – soll wohl nicht sein.

Wir trösten uns mit Caramel Macchiato und Maracuja Frappucino von Starbucks und einem neuen Rettungsauto aus dem Geschäft gegenüber. Dann überlegen wir, wie wir weiterfahren. Die schönen Nationalparks Aparados da Serra und Serra Geral mit ihren tollen Cañons mussten wir wegen des schlechten Wetters auslassen, und die Jesuitenmission von São Miguel da Missoes liegt über 600 km weit weg in nordwestlicher Richtung kurz vor der argentinischen Grenze, das geht sich nicht mehr aus. Die direkte Strecke von Porto Alegre nach Uruguay an der Lagoa dos Patos entlang und dann in Uruguay die Küstenroute sind wir schon gefahren. Also wenden wir uns nach Westen und peilen den Grenzübergang Sant´Ana do Livramento (Brazíl) / Rivera (Uruguay) an, da waren wir noch nicht, und dann können wir uns morgen und übermorgen noch ein bisschen von Uruguays Norden ansehen (in der Hoffnung, dass das Wetter hält).

Die 290 führt geradewegs nach Westen, bereits kurz nach Porto Alegre ist die Gegend wieder sehr ländlich. Auf weiten, feuchten Anbauflächen (vielleicht für Reis?) suchen große, weiße Reiher und Scharen von schwarzen Ibissen nach Nahrung; die rosa Farbtupfen dazwischen sind vermutlich rosa Löffelreiher. Weiden, Rinderherden, Geier und Cara-Caras bestimmen wieder das Bild, eine adrenalinsüchtige Gänseschar versucht, die Landstraße vor uns zu überqueren und besinnt sich gerade noch rechtzeitig eines Besseren. Wir kommen heute bis Rosário do Sul, morgen haben wir noch 110 km bis zur Grenze nach Uruguay. Geht sich auch mit unseren restlichen 90 BRS Bargeld schön aus, das sind etwa 16 € – vielleicht finden wir ja im Shopping-Center bei der Grenze noch ein Rettungsauto. 

Day 480 / 456 – From Porto Alegre towards Uruguay

The weather changed overnight – yesterday nasty, wet and cold, today sunshine with 70°F already late morning. We are delighted, both driving and sightseeing or going for a walk is way more fun in nice weather. We drive the remaining miles to Porto Alegre, where we find a parking spot in the short-term parking zone near the Mercado Público. We want to buy a parking ticket at the machine – doesn´t work. The nice Senhor who is responsible for checking the tickets wants to help and print the ticket with his mobile device – doesn´t work either. The system doesn´t acknowledge our Austrian license plate, so the parking is free for us – very nice. 

We walk through a massive pink building, the former Majestic Hotel which is now a cultural center, towards Palacio Piratini. We have been here in January, the palace was closed for renovations at that time and would reopen for visits in August, we were told then. That turns out to be correct in principle – just not today because there is a demonstration in front of the palace today, security has been increased and visits for tourists are not possible. Well, bad luck.

A bit disappointed, we treat ourselves to a Caramel Macchiato and a Maracuja Frappucino at Starbucks, and we find a new ambulance for our collection in a store nearby. Then we have to decide how to continue. We had to skip the nice National Parks Aparados da Serra and Serra Geral with their impressive canyons due to the bad weather; the Jesuit mission São Miguel da Missoes is more than 460 miles away, direction northeast near the Argentinian border, that´s too far away. And we took the straight route from Porto Alegre to Uruguay along the Lagoa dos Patos and the coastal route in Uruguay in January already, so we turn west, direction Sant´Ana do Livramento (Brazíl) / Rivera (Uruguay). That way, we hope to see a bit more of Uruguay´s north in the remaining two days (weather permitting).

Rota 290 leads us west; a few miles past Porto Alegre it´s green country again. In large and wet agricultural areas (for rice cultivation, maybe?), huge white herons and flocks of black ibis are looking for food. The pink dots in between are probably pink spoonbills. There are countless pastures with cattle along the road, and vultures and cara-cara in the air. An obviously adrenalin-dependent flock of geese tries to cross the road in front of us but turns around just in time. We make it to Rosário do Sul tonight, tomorrow it´s less than 70 miles to the border. We have about 90.- Reaís in cash left, that´s about 18 US $ – maybe we´ll find one more ambulance at the shopping center at the border tomorrow.

Route 230810

230809 – Regen, Regen, Regen >

Mittwoch / Wednesday, August 9, 2023
Tag 479 / 455 – Regen, Regen, Regen

In der Früh nochmals ein Check unterm Auto – nein, es tropft nichts. Wir schreiben eine 5*-Bewertung für die Werkstatt auf Google Maps und fahren dann die paar km zu IVECO Carboni, um uns auch dort zu bedanken und eine 5*-Rezension einzutragen. Senhor Elisio macht noch ein Foto von unserem Krassen Pferd, die 4×4 Variante gibt es hier nicht, wir ziehen mal wieder alle Augen auf uns.

Und im Übrigen hat uns die Schlechtwetterfront jetzt endgültig erwischt – es ist grau, kalt und es regnet. Somit streichen wir den Stopp in Laguna, wo wir im Jänner bei Sonnenschein und herrlichem Wetter Seevögel fotografiert haben, und fahren durch bis Torres, bereits in Río Grande do Sul. Wir parken uns bei den Basaltfelsen von Guarita ein, es ist grauslich kalt und windig – Winter halt. Dementsprechend hat auch alles zu, Restaurants, Hotels, Pousadas – verschlossen, keiner da. Am Strand bewegen sich nur Möwen und Austernfischer, ein einsamer Angler sitzt auf einer Klippe.

Den Plan, auf die Felsen zu klettern, geben wir schnell wieder auf – die Sturmböen könnten uns hinunterwehen. Und von der Ilha dos Lobos 2 km vor der Küste ist absolut nichts zu sehen – bei dem Wellengang würde auch kein Boot hinausfahren, und ob die Seelöwen und Wale, sofern sie denn überhaupt da sind, für Fotos posieren würden, ist eher unwahrscheinlich.

Aber wir dürfen nicht meckern, bis jetzt haben wir mit dem Wetter im Großen und Ganzen unverschämt viel Glück gehabt. Also freuen wir uns, dass wir im warmen, trockenen Wohnmobil sitzen, trinken heißen Kaffee und schauen einer Möwe zu, die einen großen Fisch erbeutet hat. Und dann fahren wir einfach weiter, Richtung Porto Alegre, und zwar gleich auf der Autobahn – die Küstenroute macht bei dem Wetter überhaupt keinen Sinn. Wenigstens kommen wir halbwegs gut voran, übernachten heute nahe Porto Alegre und haben nur noch 757 km zu Timo´s Uruguay Storage. 

Day 479 / 455 – Rain, rain, rain

In the morning, we look under the car again – no, no diesel leaking od dripping, everything is fine. We write a 5* comment on Google Maps for the mechanic and then we drive the few miles to IVECO Carboni to say thank you to Senhor Elisio and leave a 5* comment as well. And of course, pictures of our Brave Camper are taken, the 4×4 version does not exist here.

The unfavorable weather front has finally caught up with us – it´s grey, cold and raining. So, we skip stopping in Laguna – we have been there in January, taking pictures of sea birds in glorious sunshine – and continue to Torres, already in Río Grande do Sul. We park near the basaltic rock of Guarita, it´s nasty, cold and windy – it´s winter here. Therefore, everything is closed, restaurants, hotels, pousadas – locked, no one there. On the beach, we see only sea gulls and oystercatchers, a lonely fisherman is sitting on a cliff. We scratch the plan to climb up the Guarita Rock, the wind gusts could blow us away. The Ilha dos lobos, only one and a quarter mile away, is invisible; there won´t be any boats going there due to the rough sea, and we doubt that the sea lions and whales would pose for pictures – if they are even there. 

But we have no reason to complain; we were more than lucky; we have been blessed with sunshine and good weather during most of our journey. So, we are happy to sit inside our cozy warm and dry camper, drink hot coffee and watch a seagull devouring a large fish. Afterwards, we simply continue direction Porto Alegre on the highway – the coastal route doesn´t make any sense today. At least we make good progress, stay for the night near Porto Alegre and from here, it´s only 470 more miles to Timo´s Uruguay Storage.

Route 230809

230807 – Balneario Camboriú >

Montag / Monday, August 7, 2023
Tag 477 / 453 – Balneario Camboriú

Wir haben gestern abend noch alle Papiere und Unterlagen für die Verschiffung unseres Krassen Pferdes zusammengestellt und der Agentin geschickt, dann sind wir todmüde ins Bett gefallen. Erst heute in der Früh sehen wir, dass wir in einem kleinen Paradies übernachtet haben. Juna und Ivan, die Besitzer, sind von Balneario Camboriú hierher gezogen und haben die Pousada mit den Campingplätzen und Chalets aufgebaut; es gibt einen Swimmingpool, einen kleinen Teich mit Enten und Gänsen, dahinter beginnt der Wald. Ein Pferd, ein Schaf und die Ponys Andorinha und Chocolate kümmern sich um die Rasenpflege, und die „Wachhunde“ Brutus und Max passen auf die Gäste auf. 

Balneario Camboriú ist unser nächstes Ziel. Wir wählen die Küstenroute – ist viel netter zu fahren als die Inlandroute, und trotz Warteschlange zur Fähre sind wir in etwa gleich schnell wie über die Autobahn. Das große Riesenrad am Nordende des Strandes ist unser erstes Ziel, von hier sieht man über die ganze Bucht und den Strand, der auch als „Copacabana des Südens“ bezeichnet wird. Noch scheint die Sonne, aber von Süden her ziehen Wolken auf. Wir fahren die 6 km ans andere Ende der Stadt, die außer Strand scheinbar hauptsächlich aus Hochhäusern, Shops, Hochhäusern, Restaurants, Hochhäusern, Hotels und noch mehr Hochhäusern besteht. Wir verstehen Juna und Ivan gut, die von hier weggezogen sind.

Eigentlich wollten wir mit der Gondelbahn auf den Hügel am Südende der Bucht hinauf und auf der anderen Seite hinunter zum Strand fahren, aber das Wetter spielt nicht mit. Der Wind ist so stark, dass der Gondelverkehr eingestellt wurde, und es beginnt zu regnen. Also bleibt uns quasi nichts anderes übrig, als das Museo do Automóvel zu besuchen (die Touristenbespaßung mit den fast echten „Piratenschiffen“ wollen wir dann doch nicht erdulden). Hier stehen ein paar exquisite Oldtimer, alle davon fahrbereit – so etwa ein Rolls-Royce Wraith Town Car aus dem Jahr 1939, von dem nur 492 Stück produziert wurden, oder ein Ford Victoria von 1951, das erste Ford Modell mit Automatikgetriebe, liebevoll „Ford-o-Matic“ genannt.

Als wir aus dem Museum kommen, regnet es nicht mehr und wir fahren eine unglaublich steile Straße hinauf zum Cristo Luz, einer 33 m hohen Kopie der Christusstatue von Río, die über Balneario Camboriú wacht. Wir schaffen ein paar Fotos, und dann beginnt es zu schütten, zu donnern und zu blitzen, und die Stadt ist kaum mehr zu sehen. Sehr schade, aber nicht zu ändern – wir tasten uns ganz vorsichtig die unglaublich steile und jetzt auch nasse Straße wieder hinunter und schwimmen aus der Stadt, Richtung Süden. An der nächsten passenden Möglichkeit an der Autobahn machen wir Halt, es ist mittlerweile dämmrig. Morgen geht es weiter nach Florianópolis. Wir sind nicht weit gefahren heute, es sind immer noch 1.235 km zu Timo´s Uruguay-Storage.

Day 477 / 453 – Balneario Camboriú

Yesterday evening, we prepared all the paperwork necessary for shipping our Brave Camper home, emailed them to our shipping agent and then we fell asleep. Only this morning we notice that we spent the night in a little patch of heaven. Juna and Ivan, the owners, moved here from Balneario Camboriú and built that beautiful place with camp sites and chalets; there is a swimming pool, a pond with geese and ducks, in the back the forest begins. A horse, a sheep, the two ponies Andorinha and Chocolate keep the lawn in order, and the “guard dogs” Brutus and Max keep the guests safe.

Balneario Camboriú is our next destination. We choose the coast route – it´s far nicer than the inland route, and takes about the same time, despite the wait and the long line for the ferry. The huge Ferris wheel at the north end of the beach is our first stop. From up here, we can see the whole bay and the beach, which is sometimes called the “Copacabana of the South”. The sun is still shining, but there are grey clouds approaching from the south. We drive the few miles to the south end of the city, which seems to consist mainly of skyscrapers, shops, skyscrapers, restaurants, skyscrapers, hotels and even more skyscrapers. Now we understand why Juna and Ivan moved.

The plan was to take the gondola up the hill and down on the other side, to the beach, but the weather does not permit it. Due to the strong wind, the gondolas aren´t operating, and it is starting to rain. So, we have no other choice – so to speak – as to visit the Museu do Automóvel (if we don´t want to go on an almost authentic pirate cruise with about 100 other tourists). Here at the museum, we find some exquisite Oldtimers, all of them in working condition; for example, a Rolls-Royce Wraith Town Car from 1939 – only 492 of this model were ever produced, or a Ford Victoria from 1951, the first automatic Ford model, called “Ford-o-Matic”.

When we leave the museum, the rain has stopped, so we dare to visit Cristo Luz, the 108 ft high copy of the Cristo Redentor from Río, watching over the city from a hilltop. We drive our fearless Brave Camper an incredibly steep road uphill, get to take some pictures, but then a thunderstorm breaks loose, rain pours down, and the city vanishes in water and mist. A pity, but there´s nothing we can do – so we make our Brave Camper tiptoe the incredibly steep and now also wet and slippery street down again, and then we swim out of the city, direction south. At the next option along the highway, we stop for the night, it´s already getting dark. Tomorrow, we will continue towards Florianópolis. We didn´t drive very far today, we are still 767 miles away from Timo´s Uruguay-Storage

Route 230807

230806 – Beto Carrero World >

Sonntag / Sunday, August 6, 2023
Tag 476 / 452 – Beto Carrero World

In der Früh liegt noch etwas Nebel über der Bucht, ein Kingfischer lauert auf dem Laternenpfahl auf Beute, ein Nachtreiher schaut begeistert dem Fischer beim Auswerfen des Netzes zu, und eine Schar roter Ibisse gleitet im Tiefflug über das Wasser. Wir machen uns heute ein wenig zeitiger auf den Weg als üblich – wir haben gestern einen Themenpark in der Nähe entdeckt, den nicht mal unser Brasilien-Buch kennt, obwohl Beto Carrero World angeblich der größte Themenpark in Südamerika ist. Na schauen wir mal.

Bei der Einfahrt zum Parkplatz werden wir gleich zum Busparkplatz gewunken, die Dame am  Ticketschalter spricht zwar nicht Englisch, aber zumindest Spanisch, und dann sind wir schon im Park. Dort lernen wir mal, dass „Beto Carrero“ der Künstlername von João Batista Sergio Murad (1937 – 2008) war, Sohn eines libanesischen Immigranten und einer Brasilianerin. Er war Musiker, Radiosprecher, Verkäufer, Werbeagenturbesitzer und Schauspieler; schließlich eröffnete er 1991 den Themenpark, der seinen Namen trägt.

Um es gleich vorweg zu nehmen: der Park hat uns sehr gut gefallen (und wir sind Disney, Universal und SeaWorld-Standard gewöhnt). Es gibt Adrenalin für die Großen (die Hochschaubahnen mit Namen wie Firewhip und Star Mountain mit jeweils etlichen Loopings haben wir gleich mal ausgelassen), Karussells und andere Attraktionen für die Kleinen, und Fahrgeschäfte und Shows für die ganze Familie. Die Hot Wheels Epic Show ist eine großartige Stunt-Show auf 2, 4 oder 6 Rädern – eigentlich mit unserem Umweltbewusstsein nicht wirklich vereinbar, aber dennoch: spek-ta-ku-lär!

Die Zugfahrt ist eine Überraschung – der Zug fährt zuerst an weitläufigen Tiergehegen mit Gnus, Antilopen und Schimpansen vorbei, wird von einer großen Schlange verschluckt und kommt bei Kaimanen, Riesenschildkröten und Gürteltieren wieder zum Vorschein, fährt dann durch dichten Wald, wird bei einer brasilianischen Fazenda von Banditen überfallen und von Beto Carrero gerettet, (und das zur Musik von „Bonanza“), fährt an Weihnachtsmann mit Rentierschlitten und Schneemann vorbei (als ob man hier in Santa Catarina jemals einen Schneemann bauen könnte), und bleibt dann noch bei brüllenden Dinosauriern stehen. Also Disney trifft Sea World im Jurassic Park am Nordpol, quasi.

Wir wandern über die Pirateninsel (wo es auch eine Station von Projeto Tamar gibt, dem Meeresschildkröten-Rettungsprogramm), machen die Raskapuska Bootsfahrt (erinnert uns sehr an „Small World“ von Disney), sehen im Zoo-Teil des Parks weiße Tiger, Löwen, Elefanten und Giraffen, amüsieren uns in Vila Germânica über das Oktoberfest, trinken im Cowboy-Land Kaffee, überstehen die Wildwasserfahrt in Madagaskar halbwegs trocken, und überhaupt: Madagaskar! Die Bühnenshow mit Tänzern, Akrobaten, Fahrradstunts und der Crew aus dem Film – Alex, Gloria, King Julian und die Pinguine – ist mitreißend, die Musik dazu sowieso. Zum Abschluss gibt’s im Abendlicht noch eine Runde mit dem Riesenrad, die Gondeln tragen weiße Cowboy-Hüte, so wie Beto Carrero in seinen Filmen. Sollten wir jemals wieder in diese Ecke von Brasilien kommen, werden wir den Park sicher wieder besuchen! 

Alle Bilder: https://ottenweinerts.blog/fotogallerie/beto-carrero-world-brazil/

Achja – noch 1.282 km zu unserer Destination in Uruguay kommendes Wochenende!

Day 476 / 452 – Beto Carrero World

In the morning, there is fog in the bay, a kingfisher sits on a lamp post waiting for breakfast to swim by, a night heron watches a fisherman casting his net and a formation of red ibis is flying low over the water. We get started a bit early than usual – yesterday, we found information about a theme park nearby which is not mentioned in our Brazíl guide book although it is supposed to be the largest theme park in South America. Well, we´ll see.

At the parking lot entrance, we are directed to the bus parking; the lady at the ticket booth doesn´t speak English but at least Spanish, and then we are already in the park. There, we learn that Beto Carrero was the stage name of João Batista Sergio Murad, son of a Lebanese immigrant and a Brazilian (1937 – 2008). He was a musician, a radio moderator, a salesman, an advertising agency owner and an actor; in 1991, he opened the theme park bearing his name.

To sum it up: we liked the park very much (and we are used to Disney, Universal and Sea World standards). There is adrenalin for the grownups (we didn´t ride the high-speed thrill rides like Firewhip and Star Mountain with all the loopings), there are carrousels and other attractions for the little ones, and rides and shows for the whole family. The Hot Wheels Epic Show is a fantastic stunt show on 2, 4 or even 6 wheels – not very compatible with our environmental beliefs, but: spec-tac-u-lar!

The train ride is a surprise – first, the train passes large animal enclosures with gnus, antelopes and chimpanzees, then it gets swallowed by a large snake and appears again in the land of giant caimans, turtles and armadillos, passes through dense forest, gets stopped by bandits at a Brazilian Fazenda and saved by Beto Carrero (accompanied by the “Bonanza” soundtrack), passes Santa Claus with reindeer sleigh and snowman (as if they could ever build a snow man here in Santa Catarina), and finally stops in a cavern filled with dinosaurs. Disney meets Sea World in Jurassic Park at the North Pole, so to speak.

We walk across Pirate Island (with a station of Projeto Tamar, the sea turtle rescue program), ride the log ride through Raskapuska (which reminds us very much of Disney´s “Small World”), see lions and white tigers, elephants and giraffes at the zoo-part of the park, have fun walking through “Vila Germânica” with its year-round Oktoberfest, have coffee and cake in Cowboy land, survive the white-water ride in Madagascar more or less dry, and then go to the Madagascar show. An absolutely captivating show with dancers, acrobats, bike stunts and the crew from the movie – Alex, Gloria, King Julian and the penguins – and fantastic music. We end the day with a ride on the Ferris wheel where the gondolas are covered with white cowboy hats – like Beto Carrero in his movies. If we ever come back to this corner of Brazíl, we sure will visit the park again!

All pics: https://ottenweinerts.blog/fotogallerie/beto-carrero-world-brazil/

Oh, and by the way – 796 miles to our destination in Uruguay next weekend!

Route 230806

230805 – São Francisco do Sul >

Samstag / Saturday, August 5, 2023
Tag 475 / 451 – São Francisco do Sul

Nach einer ruhigen Nacht, ausnahmsweise mal ohne Hundegebell, machen wir nach dem Frühstück einen Spaziergang. Es ist sonnig und warm, aber der Strand ist menschenleer – es ist Winter. Im Sommer muss es hier hoch her gehen – aber im Sommer wollen wir eigentlich gar nicht hier sein. Wir folgen der Küstenstraße nach Süden, bis wir in Matinhos zur Fähre kommen; die verkehrt hier im 15-Minuten-Takt, auch LKWs werden transportiert – es gibt kein Problem mit Höhe oder Gewicht von unserem Krassen Pferd. Auf der anderen Seite, in Guaratuba, machen wir Mittagspause. Und dann müssen wir uns entscheiden – fahren wir die Strecke zur BR 101, die uns, durch Joinville durch, in einem sehr weiten Bogen um die Bucht herum nach São Francisco do Sul führt, oder fahren wir die Küste der Halbinsel weiter und versuchen, mit der Fähre überzusetzen?

Wir fragen zwar in Guaratuba wegen der Fähre von Vila da Gloria nach São Francisco, und man versichert uns, ja, es gibt Fährverkehr, aber man kann uns keinen Fahrplan nennen. Wir riskieren es einfach, das Wetter ist schön, die Strecke an der Küste auch. Unbemerkt überqueren wir die Grenze zwischen Paraná und Santa Catarina. Leider sind die letzten 10 km nicht asphaltiert, aber dann sind wir an der Anlegestelle, und wir haben wieder einmal Glück. Die Fähren fahren alle 2 Stunden, wir haben eine Stunde Zeit für eine gemütliche Kaffeepause. 

Die Überfahrt dauert eine Stunde, von der Anlegestelle sind es nur ein paar Minuten ins historische Zentrum von São Francisco do Sul. Die hübsche Altstadt ist deutlich besser erhalten bzw. restauriert als Paranaguá, aber ziemlich ausgestorben – und das am Samstag Nachmittag. Nur einige wenige Restaurants und Café sind geöffnet, die meisten Geschäfte haben zu, leider auch der Mercado Municipal und das Museu Naval mit den alten Schiffen und den schönen Schiffsmodellen – bis auf Weiteres geschlossen. Wir werfen noch einen Blick in die Igreja Matriz de Nossa Senhora da Graça, dann ist es schon wieder 17 Uhr vorbei, die Sonne geht bald unter. Wir kehren zu unserem treuen Krassen Pferd zurück und stellen fest, dass der Parkplatz genial ist – an der Mole, am Wasser, mit Ausblick auf die Schiffe und den Sonnenuntergang – hier bleiben wir heute Nacht. Noch 1.347 km bis zu Terraventura und Timo.

Day 475 / 451 – São Francisco do Sul

After a quiet night (without any dog gangs) we go for a walk. It is sunny and warm but the beach is empty – it is winter. It must be packed here in summer (wouldn´t want to be here in high season). We follow the costal road south to the pier in Matinhos; ferries depart every 15 minutes and they transport trucks as well, so no problems with height or weight of our Brave Camper. On the other side, in Guaratuba, we take our lunch break, and then we have to decide: shall we take the route towards BR 101, which would lead us through Joinville and in a wide arch to São Francisco do Sul, or shall we continue on the coast and try to cross the bay by ferry?

We ask in Guaratuba about the ferry from Vila da Gloria to São Francisco do Sul – yes, the ferry line is working but they don´t know the schedule. We decide to risk it – the weather is nice, the road along the coast, too. Without even noticing, we cross from Paraná into Santa Catarina. After 6 miles unpaved road (surprise!) we reach the ferry pier, and we are in luck: the next ferry will leave in an hour and we have time for a relaxed coffee break. 

Crossing the bay takes about an hour, and then we drive the few minutes to São Francisco do Sul. The really nice historic center is far better conserved than the one in Paranaguá, but rather quiet (although it is a sunny Saturday afternoon). Only a few restaurants and cafés are open, most shops are closed – unfortunately the old Mercado Municipal and the Museu Naval with the nice old ships and ship models is closed, too. We briefly visit the Igreja Matriz de Nossa Senhora da Graça, then it´s 5 pm already and we walk back to our Brave Camper. We agree that we are parked in a very nice spot, at the promenade, near the water, with a view of the ships and the sunset, so we simply stay here for tonight. 837 more miles to Timo and Terraventura in Uruguay.

Route 230805

230804 – Paranaguá >

Freitag / Friday, August 4, 2023
Tag 474 / 450 – Paranaguá

In der Früh nehmen wir die alternative Route „zum Kontinent“ (ist tatsächlich am Straßenschild so angeschrieben), wir verlassen die Ilha de Cananéia mit der Fähre. Die beiden netten Polizisten neben uns staunen, man spricht englisch und kurze Zeit später sind wir schon auf Instagram verbunden. Es geht weiter nach Süden, nach knapp 150 km erreichen wir den Bundesstaat Paraná in der Region Süden, zum dritten Mal. Paraná war auch unser Eintrittstor beim ersten Besuch in Brasilien im Jänner, und Ende Juni, als wir von der argentinischen Seite der Iguaçu-Fälle wieder eingereist sind.

Curitiba, die Hauptstadt Paranás, haben wir bereits im Jänner besucht – wir biegen links ab und fahren nach Paranaguá, der ältesten Stadt Paranás, gegründet 1648. Und man sieht ihr das Alter auch an. Paranaguá ist der Seehafen für Curitiba und nicht auf den Tourismus angewiesen – im historischen Zentrum geben sich etliche alte Gebäude pittoresk dem Verfall hin. Das alte Jesuiten-Colleg von 1736 ist noch halbwegs intakt, es beherbergt das ethnologische und archäologische Museum. Ein paar Häuserblock weiter steht die Basilica Nossa Senhora do Rosario, die erste in Paraná errichtete Kirche aus dem Jahr 1578, frisch verputzt und in recht gutem Zustand.

Wir gehen noch ein Stück weiter zum alten Bahnhof, errichtet 1885 – von hier verlaufen die Schienen über Morretes nach Curitiba; Planung und Bau der eingleisigen Bahnstrecke, die einen Höhenunterschied von knapp 1000 m über die Serra do Mar überwinden muss, war eine Meisterleistung von Ferdinand de Lesseps. Lange stillgelegt, dampft der Zug mittlerweile an Wochenenden mit Touristen durch den Dschungel und über die Berge. Hätten wir auch gern gemacht, aber die Organisation ist zu mühsam, vor allem müssten wir nach Curitiba fahren und das wollen wir nicht. 

An den alten Mercados und an der Brücke zur Ilha dos Valadares vorbei geht es zurück zu unserem Krassen Pferd und weiter an die Küste. In Praia do Leste finden wir einen netten Campingplatz in Strandnähe, morgen geht es weiter nach Süden. Wir hätten gern auch die berühmte Ilha do Mel besucht, aber langsam neigt sich unser Zeitbudget dem Ende zu – nächstes Wochenende wollen wir im Uruguay Storage bei Timo sein, um unser Krasses Pferd für die Heimreise vorzubereiten. Und das sind immerhin noch 1.442 km, die wir auch nicht in Einem durchfahren wollen, ein bisschen Sightseeing sollte auch noch dabei sein.

Day 474 / 450 – Paranaguá

In the morning, we take the alternative route back „to the continent” (as written the road sign), we leave the Ilha de Cananéia by ferry. The two nice police officers in the car next to our Brave Camper are very interested; they speak English, and a bit later we have echanged our Instagram contacts. We continue south, after about 90 miles we arrive in Paraná, for the third time – we came to Paraná in January, arriving from Paraguay, and end of June, when we left Argentina in the Iguaçu area.

We have visited Paraná´s capital Curitiba in January, so we turn left and drive to Paranaguá, the oldest town in the state, founded in 1648. And the city does look old – Paranaguá is Curitiba´s port and doesn´t have to rely on tourism. Many historic buildings in the old city center are silently decaying. The Jesuit college from 1736 is in acceptable condition, it houses the ethnologic and archeologic museum. A few blocks further, we find the Basilica Nossa Senhora do Rosario, the oldest church of Paraná, built in 1578 – even older than the city itself, but newly renovated and in rather good shape.

We walk a bit further to the old train station, built in 1885. From here, the train tracks lead to Morretes and Curitiba. Planning and construction of the single-track train line which has to conquer an altitude difference of about 3.280 ft, crossing the Serra do Mar, was an incredible achievement of Ferdinand de Lesseps. Out of order for many years, the train now transports tourists through the jungle and over the mountains. We would have liked to ride this train, but it´s complicated to organize and we would have to go to Curitiba which we don’t want.

Passing the old Mercados and the bridge leading to the Ilha dos Valadares, we walk back to our Brave Camper and then drive direction coast. In Praia do Leste, we find a nice campground for tonight, tomorrow we will continue south. We would have loved to visit the famous Ilha do Mel also, but we don´t have much time left. Next weekend, we want to be at Timo´s Uruguay Storage to prepare our Brave Camper for his journey home. And that´s still 900 miles away, and there are some more interesting places along the route.

Route 230804

230803 – Wieder an die Küste >

Donnerstag / Thursday, August 3, 2023
Tag 473 / 449 – Wieder an die Küste

In der Früh verabschieden wir uns von Mônica und Daniel, die uns die letzten drei Nächte ein sicheres Plätzchen mitten in São Paulo zur Verfügung gestellt haben, und verlassen die Mega-City. Die Straßen und dann die Autobahn sind überraschend leer – kein Wunder, der Stau ist auf der anderen Seite, alle wollen ins Zentrum, aber wir fahren wieder Richtung Küste.

Von São Paulo auf etwa 800 m Seehöhe geht es hinunter auf Meeresniveau, wieder über bzw. mit Tunnels durch die Serra do Mar, rechts und links Grün, Bananenplantagen, oder einfach nur Wald. Nach knapp vier Stunden Fahrt überqueren wir eine Brücke über das Mar Pequena, und erreichen die Ilha de Cananéia. Kaum Verkehr, rechts und links blitzt zeitweise Wasser durch die Bäume, wir sehen Ibisse, Möwen und einzelne Fregattvögel. Der Ort Cananéia selbst liegt an der Südspitze der Insel, von hier gibt es Fähren zu weiteren Inseln. 

Wir parken uns an der Promenade ein, machen Mittagspause und spazieren dann mit unseren Kaffeebechern zum Ufer. Eine der Fähren hat gerade angelegt, dahinter ziehen Delphine ihre Runden. Es ist herrlich ruhig hier, kaum Touristen, wenig Verkehr – ein ziemlicher Kontrast zu den Tagen in São Paulo. Außer den Delphinen gibt es hier noch zwei interessante Punkte für uns: erstens die Igreja São João Batista, die nicht nur als Kirche verwendet wurde, sondern auch als Festung. Das Bauwerk hat daher keine großen Fenster, sondern Schießscharten – sehr ungewöhnlich für ein Gotteshaus.
Der alte Ortskern ist gut erhalten und vital, in den ebenerdigen Häusern wohnen tatsächlich Menschen und es gibt nur ganz wenige Souvenirshops und das kleine Museu Municipal, welches sich im Wesentlichen mit der Geschichte Cananéias beschäftigt. DIE Attraktion ist allerdings der 5,5 m lange und 3,5 t schwere Weiße Hai, der 1992 hier ins Netz ging, angeblich der zweitgrößte Weiße Hai, der je gefangen wurde. Das arme Tier wurde (leider nicht besonders gut) präpariert, mitsamt den mittlerweile über 30 Jahre alten Zeitungsartikeln ausgestellt, und der Ort lebt noch immer von dieser Sensation.

Es gibt hier im Ort eine Pousada mit Campingmöglichkeit – wir zwängen uns vorsichtig durch die leicht schräge Einfahrt, dann begrüßen uns die beiden Wachhunde so enthusiastisch, als hätten sie uns seit Wochen nicht gesehen und furchtbar vermisst. Der Campingplatz ist eigentlich der Garten des Besitzers, wir sind die einzigen Gäste, es ist ruhig und friedlich. Und grün. Tut gut nach drei Nächten in São Paulo.


Day 473 / 449 – Back to the Atlantic Coast

In the morning, we say good-bye to Mônica and Daniel who let us stay in front of their house, a safe place in the middle of São Paulo, for three nights, and then we leave the huge city. There is almost no traffic on the roads and highways in our direction – the traffic jam is on the other side, everyone is driving towards the city center, but we are headed to the coast.

We cross the Serra do Mar again, driving through tunnels and down from 2.600 ft to sea level, accompanied by all shades of green on both sides of the highway, either banana plantations or forest. After about four hours’ drive, we cross the bridge over Mar Pequena, thus arriving at Cananéia island. Almost no traffic, water on both sides, ibis, seagulls and frigate birds over our heads. The village of Cananéia is situated at the south tip of the island, ferries ensure transport from here to several more islands.
We park at the promenade; after lunch we take our coffee cups and walk to the water´s edge. One of the ferries has just docked, in its wake dolphins are playing in the water. It is very quiet here, almost no tourists, little traffic – what a contrast after spending some days in São Paulo. The dolphins are one of the main attractions here, but there are two more points of interest. One of them is the Igreja Sa6o João Batista which was not only used as a church but as a fortress as well. Therefore, the building doesn´t have any large windows, just arrow slits – very unusual for a church.

The old village center is well preserved and vital – the small, colorful, single-story houses are inhabited by humans and not occupied by souvenir shops. Here, we find the small Museu Municipal with exhibits mostly of local interest. But THE attraction is the 18 ft long Great White Shark, weighing about 7.700 lbs, which has been caught here in 1992 – allegedly the second-largest Great White ever captured. The poor animal has been taxidermized and preserved (not too well, unfortunately) and is on display together with the now more than 30 years old newspaper clips, still attracting tourists.

There is a nice Pousada with camping facilities here in Cananéia – we drive very carefully through the narrow and a bit crooked entrance – and we are greeted by two lovely “guard dogs”, so enthusiastically as if they haven´t seen us for weeks and missed us very much. The campground is actually the large garden of the owner, we are the only guests, it´s peaceful and quiet. And green. A nice change after three nights in São Paulo.

Route 230803

230731 – Von Santos nach São Paulo >

Montag / Monday, July 31, 2023
Tag 470 / 446 – Von Santos nach São Paulo

Heute früh gefällt uns Santos schon viel besser als gestern. Die Sonne scheint, am Strand wird gerade der Sand plattgewalzt, gelb gekleidete Menschen sammeln den wenigen Müll ein, sportliche Menschen joggen, spielen Fußball oder Soft-Tennis, und hoffnungsvolle Menschen gehen mit Metalldetektor Schätze suchen. Felipe hat heute unter anderem einen silbernen Ring gefunden. Riesige Schiffe fahren in die Bucht ein, von der anderen Seite, von Guarujá, grüßt das Forte de Santo Amaro da Barra Grande strahlendweiß herüber. Wir haben es nicht eilig, wir spazieren die Strandpromenade entlang, und wir wissen jetzt schon, dass uns das Meer furchtbar abgehen wird, wenn wir wieder daheim sind. Eigentlich wollen wir hier gar nicht weg, zumal in São Paulo fast alle Museen und sonstigen Sehenswürdigkeiten montags geschlossen haben.

Irgendwann reißen wir uns dann doch los und fahren Richtung São Paulo Stadt. Kurz nach Santos ist wieder alles grün, die Rota 160 über- bzw. durchquert durch etliche Tunnels die Serra do Mar, und wenig später erreichen wir, bereits auf einer sechsspurigen Autobahn, die Ausläufer der Stadt. Wir haben uns ein wenig vor dem Autofahren in São Paulo gefürchtet, der größten Stadt Südamerikas mit über 22 Millionen Einwohnern, mehr als doppelt so viele wie ganz Österreich. Aber es war halb so schlimm; wir haben ja auch den Zoo als Ziel gewählt – der hat heute offen, liegt 15 km außerhalb des Stadtzentrums und hat einen großen Parkplatz, auf dem wir sogar übernachten dürfen.

Im Zoo finden wir etliche Spezies, die uns auf unserer Reise bereits in freier Wildbahn begegnet sind, wie Tamanduas, Pekaris, Kondore oder Iguanas, oder zumindest im Zoo, Harpyien zum Beispiel. Die seltenen Axolotl haben wir in Mexiko nicht zu Gesicht bekommen, die Jaguare im Pantanal haben sich erfolgreich vor uns versteckt, und die prächtigen bunten Königsgeier sehen wir hier auch zum ersten Mal. Das Nilpferd kommt nach der Fütterung zum Zaun Menschen schauen, legt den Kopf aufs Geländer, schläft stehend ein, und sabbert. 

Leider dürfen wir dann doch nicht über Nacht am Zoo-Parkplatz bleiben, und es gibt keine brauchbaren Campingplätze oder Tankstellen mit LKW-Parkplätzen in São Paulo, abgesehen davon, dass uns das von der Nummerntafel abhängige, tageweise rotierende Fahrverbot in der Stadt heute betrifft. Dann finden wir auf IOverlander einen Eintrag: ein Overlander-Paar in einer ruhigen und sicheren Gegend stellt seine Garage bzw. den Parkplatz vor dem Haus für Reisende zur Verfügung. Und tatsächlich, es klappt, wir haben ein sicheres, ruhiges Plätzchen und können morgen stressfrei die Stadt besichtigen. 

Day 470 / 446 – From Santos to São Paulo

This morning, Santos looks a lot better than yesterday. The sun is shining, machines are leveling the sand at the beach; people in yellow uniforms collect the garbage, people in sports outfit are jogging or playing soccer or soft tennis, and hopeful people with metal detectors are looking for treasures. Felipe has found a silver ring this morning. Huge ships cruise into the bay, passing the white Forte de Santo Amaro da Barra Grande on the other side, in Guarujá. We are not in a hurry, we take a walk along the beach promenade, and we know that we will miss the sea and the beaches when we are back home. Somehow, we don´t want to leave here, especially since most museums and other points of interest in São Paulo are closed on Mondays.

By late morning, we finally manage to get going, direction São Paulo City. A few miles past Santos, it´s green hills again, route 160 crosses the Serra do Mar, there are many tunnels to drive through, and a bit later we reach the outskirts of the city on a highway with six lanes in each direction. We were a bit afraid of driving into South America´s largest city with more than 22 million inhabitants – more than twice the number of inhabitants of Austria. But it isn´t as bad as expected because our destination is the zoo – open today, 9 miles away from the city center and equipped with a huge parking lot where we also can stay overnight.

In the zoo, we find several species we have already met on our journey, in the wild, like tamanduas, peccaries, condors or iguanas, or at least in another zoo, like harpies. We have neither seen any of the rare axolotls in Mexico, nor jaguars in the Pantanal, and the colorful king vultures are the first of their kind we get to see. The hippopotamus on the other hand wants to watch some humans – after his lunch he comes to the fence, places his head on the railing, watches us for some time and then falls asleep. Standing. And drooling. Hilarious.

Unfortunately, the first information was incorrect, we are not allowed to stay at the zoo parking lot; we can´t find any campgrounds or gas stations with truck parking lots in São Paulo, and there is a daily rotating driving ban in the city, the day depending on the last digit of the license plate. But we find an entry on IOverlander: another overlander couple right here in the city, offering the parking space in front of their house or even inside their garage to other travelers. And that works, we have a safe and quiet place for our Brave Camper, and tomorrow we can explore the city.

Route 230731

230730 – Kaffee und Fußball >

Sonntag / Sunday, July 30, 2023
Tag 469 / 445 – Kaffee und Fußball

In der Früh überqueren wir zum letzten Mal auf dieser Reise den Wendekreis des Steinbocks. Dieser liegt mitten in der Stadt, wir sind gestern unbemerkt dreimal an dem Monument vorbeigefahren. Wieder kommt uns zu Bewusstsein, wie riesig Brasilien ist – das einzige Land der Erde, durch welches sowohl der Äquator als auch ein Wendekreis verlaufen. Auf der anderen Seite der Straße liegt Ubatuba´s Flughafen, auch mitten in der Stadt (keine Flugzeuge zu sehen, nicht einmal ein Tower, aber zumindest eine Landebahn). 

Wir fahren die Costa Verde entlang nach Süden, die Küstenstraße 101 ist malerisch – immer wieder bieten sich schöne Ausblicke auf Buchten und auf der anderen Seite auf den nebelverhangenen Atlantischen Regenwald, der sich die Serra do Mar hinaufzieht. Ein Strand jagt den nächsten, aber die meisten sind ziemlich leer – das Wetter ist nach wie vor nicht einladend. Und die Serra do Mar ist scheinbar heute eine unüberwindliche Hürde, die Wolken kleben am Hang fest und kommen nicht drüber, es ist grau und hin und wieder nieselt es. Aber die Strecke ist auch anstrengend, windet sich teils mit starker Steigung bzw. Gefälle durchs Grün, und in den Ortschaften nerven die Temporeduktoren, die ungeliebten Schwellen. So benötigen wir für die knapp 240 km fast 6 Stunden.

Aber dann erreichen wir Santos, im Prinzip der Hafen für São Paulo mit viel Schwerverkehr und noch mehr vollbeladenen Zügen, also nicht allzu attraktiv, aber mit zwei besonderen Sehenswürdigkeiten. Zuerst schauen wir uns das Museo do Café an, untergebracht in der Alten Kaffeebörse, einem schönen alten Gebäude mit tollem Interieur. Präsentiert wird die Geschichte des Kaffees, verbunden mit der Geschichte Brasiliens, insbesondere Minas Geraís und São Paulo. Im Shop gibt es die besondere Sorte „Jacú Bird Coffee“ zu kaufen – die Vögel fressen die Kaffeefrüchte, fermentieren die für sie unverdaulichen Bohnen und scheiden sie wieder aus. 250 Gramm kosten stolze 66 €. Das lassen wir mal lieber bleiben.

Einen Häuserblock weiter wird einer der wohl berühmtesten Brasilianer aller Zeiten mit einem Museum geehrt: Pelé, die absolute Ausnahmeerscheinung, Legende und Fixstern am Fußballhimmel, Vorbild für Generationen von Fußballspielern (sagt Sigi) und sogar mir als Nicht-Fußball-Interessierter ein Begriff. 1940 geboren, verstarb Pelé Ende Dezember 2022 – wir erinnern uns, dass im Fußballmuseum von Luque bei Asunción, Paraguay, das wir am 7. Jänner, Sigis Geburtstag, besuchen wollten, deswegen die Flaggen auf Halbmast gesetzt waren.

Und schon wieder ist ein Tag um, es ist 17 Uhr und wir suchen ein Plätzchen für die Nacht. Gestern, in Ubatuba, hat das gut geklappt mit dem Parkplatz am Strand beim Aquarium, also machen wir das heute gleich nochmal, denn auch in Santos gibt es ein Aquarium am Strand. Es sind genügend Parkplätze frei, wir stehen am Strand mit einer super Aussicht auf die Bucht, die Wellen übertönen das bisschen Verkehrslärm. Und jetzt erledigen wir etwas, was wir schon seit Längerem vor uns hergeschoben haben: wir buchen die Tickets für den Heimflug Ende August – unser großes Abenteuer geht leider dem Ende zu. Dann sind wir doch sehr zufrieden mit uns und belohnen uns mit Caipirinhas von der Strandbar. Der Bartender grinst breit, als wir in holprigem Portugiesisch unsere Drinks bestellen und schenkt noch einen Schuss Alkohol nach. Danach hören wir dann gar nix mehr vom Verkehr …..

Day 469 / 445 – Coffee and soccer

In the morning, we cross the Tropic of Capricorn one last time on this voyage. It´s right in the city center, we passed the monument three times yesterday without even noticing it. It´s also a reminder how enormously huge Brazil is – the only country of the world crossed by the equator AND one of the tropics. Ubatuba´s airport is located on the other side of the street, also in the middle of the city (no airplanes visible, not even a tower, only a runway). 

We continue along Costa Verde south, the coastal route 101 is nice – with great views of idyllic bays and on the other side of the misty Atlantic Rainforest all the way up the Serra do Mar. The route is lined by beaches, most of them more or less empty, due to the weather. And the Serra do Mar seems to be an impassable obstacle today, the clouds sort of stick to the mountains, not able to pass, it´s grey and sometimes drizzling. But the 101 is also demanding, winding up and down steep hills and in between through many villages with lots of velocity reductors. We need almost 6 hours for the 150 miles.

Then, finally, we reach Santos, which is mainly the port for São Paulo and therefore full of heavy trucks and even more trains – not a very attractive town, but there are two special points of interest for us. First, we visit the Museo do Café inside the old Coffee Exchange, a beautiful building with great interior. We learn about the history of coffee and the impact of coffee on Brazil, especially Minas Geráis and São Paulo. In the museum shop, there is a very special coffee brand available – “Jacú bird coffee”- the birds eat the fruits, ferment the indigestible beans and excrete them again. Half a pound costs 73 US $. Thank you, but no thank you.

The other special place is a museum in honor of one of the most famous Brazilians ever: Pelé, the exceptional soccer player, a legend already in his lifetime, idol for generations of soccer players (according to Sigi) and known even to me (not interested in soccer at all). Born in 1940, he died end of December last year – we remember that the flags at the soccer museum of Luque near Asunción, Paraguay, which we wanted to visit on Sigi´s Birthday, January 7th, were at half-mast.

And that´s it for today, it is 5 pm and we are looking for a place to stay for tonight. Our overnight spot yesterday, at the aquarium at the beach in Ubatuba, worked great, so we try that again tonight because Santos also has an aquarium, right at the beach. There is enough space for our Brave Camper, we are at the beach, enjoying a great view over the bay, and the small amount of traffic noise gets drowned out by the waves. And now we get something done which we have been postponing for some time – we book the tickets for our flight home end of August; our big adventure will come to an end next month. Then, rather content with ourselves, we decide we have earned a reward, we go and get some Caipirinhas from the beach bar. The bar tender listens to us, ordering the drinks in – probably funny – Portuguese, smiles and adds another shot. Afterwards, we don´t hear any traffic noise anymore. …

Route 230730