Sonntag / Sunday, December 18, 2022
Tag 245 – Jetzt reichts – raus aus Perú
Um halb sechs Uhr morgens, es ist gerade hell geworden, hören wir LKWs fahren. Sie kommen von Süden, also springen wir in unser Gewand und fahren los. Einige Straßensperren sind unbewacht, dort können wir problemlos durch. Bei anderen Blockaden bedarf es längerer Verhandlungen, und die Entscheidung fällt immer die ganze Gruppe an Protestern gemeinsam. Wir zeigen Verständnis für die schwierige Situation der Peruaner, ersuchen aber auch um Verständnis für uns – mein holpriges Spanisch sorgt für Erheiterung und so oft für eine Entspannung der Situation. Manchmal dauert es eine halbe Stunde, eine Stunde, oder auch zwei, aber dann dürfen wir durch.
Vor einer Sperre aus riesigen Baumwurzeln ist dann Schluss, da kommen wir auch mit dem besten Verhandlungsgeschick nicht durch. Nach einiger Zeit entschließen wir uns, rechts in den Ort abzubiegen und einer ungepflasterten Nebenstraße zu folgen. So kommen wir wieder ein paar km weiter nach Süden, dann geht gar nichts mehr. Die 3S ist mit riesigen Schutthaufen blockiert, die Nebenstraße, wo auch schon ein paar LKWs auf der anderen Seite warten, ist auch verbarrikadiert. Man hört uns geduldig zu, und verspricht uns, um 17 Uhr dürfen wir durch. Also warten wir – mehr oder weniger – geduldig die vier Stunden ab. Als um 16 Uhr eine Ambulanz kommt und die Sperre geöffnet wird, zwängen sich auch alle LKWs hinter der Ambulanz durch, und auch wir nutzen unsere Chance und fahren schnell durch.
Und dann fahren wir einfach immer weiter – bei den Sperren zeigt sich, dass auch die Bevölkerung schon etwas mürbe ist – LKW-Fahrer, Peruaner mit ihren PKWs, Touristenbuschauffeure und die Touristen selber, alle legen Hand an, um dort wo es möglich ist Sperren zu beseitigen, es wird nicht mehr verhandelt. Das letzte wirklich große Hindernis hält uns in Sicuani etwa eine Stunde auf, und wir müssen mit Leuco auf unsere Windschutzscheibe „Viva el Paro“ – es lebe die Blockade – kleben, damit wir durchgelassen werden. Es geht immer weiter Richtung Süden, es wird dunkel – ist uns egal, heute fahren wir, soweit wir kommen. Etwa um Mitternacht sind wir nahe dem Titicaca-See, dann passieren wir Puno – jammerschade, dass wir Puno nicht besichtigen können. Immer wieder fahren wir durch – mittlerweile – unbewachte und teilweise beseitigte Sperren, Steine liegen unvorhersehbar auf der Straße, und wir sehen auch Zeichen der Verwüstung wie verbrannte Mauthäuschen am Highway oder Autowracks. Um drei Uhr früh sind wir dann endlich an der Grenze zu Bolivien (und hier liegt übrigens Schnee!!!). Wir hatten eigentlich nicht erwartet, soweit zu kommen, und nicht geplant, die Nacht durchzufahren, aber wir wollten nur mehr raus. Schräg gegenüber der Grenzstation parken wir das Auto am Straßenrand und fallen ins Bett.
Day 245 – Enough is enough – let´s get out of Perú
At 5:30 am, it is just dawning, we hear trucks driving into Combapata. They come from the south, so we jump into our clothes and start driving. Some road blocks aren´t guarded, these we can pass easily. At other blocked points we have to negotiate, and the decision is made by the whole group of protesters together. We explain that we understand the difficult situation in Perú, but ask them to understand our situation as well. My far from perfect Spanish makes them smile and helps to relax the situation a bit. We have to wait half an hour, an hour or two, but then we may pass.
The next blockade, consisting of huge tree trunks, is unpassable – negotiating won´t help, we´d need a bulldozer. So, we decide to take back roads again, which brings us a few miles south, then we have to stop again, in front of huge amounts of earth and dirt and gravel on the 3S. The alternate route, where a long line of trucks is waiting, is also blocked. We explain and beg again, people are listening, and promise to let us through at 5 pm – meaning we´d have to wait four hours. At 4 pm an ambulance arrives, the blockades are lifted, all the trucks fall in line behind the ambulance and we grab the chance and leave hastily.
And then we just drive and drive – at some blockades we notice that the people here have had enough, too – truck drivers, Peruvians in their private cars, tourist bus drivers and the tourists themselves, they all work together to open blockades; no more negotiations. At the last really big blockade in Sicuani we have to wait an hour, and we have to write “Viva el paro” – long live the total blockade – on our windscreen, with tape, so that they let us through. We continue south, it is getting dark, we don´t care – we will drive as far as possible tonight. Around midnight we are near Lake Titicaca, a bit later we pass Puno – what a pity that we can´t visit the town. From time to time we drive through rests of blockades, all of a sudden there are stones on the highway, and we also see signs of violence like burnt down toll booths on the highway or car wrecks. At 3 am we arrive at the border to Bolivia (there is snow on the street here, by the way!). We had not expected to get this far tonight and we had not planned to drive all night, but we just wanted to get out. We park our car near the border station and fall into our beds.











