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230619 – Wo die Steine vom Himmel fielen >

Montag / Monday, June 19, 2023

Tag 428 / 404 – Wo die Steine vom Himmel fielen

Es war eine ruhige Nacht unter einem tollen Sternenhimmel, von dem auch nichts heruntergefallen ist. Kurz vor 10 postieren wir uns vorm Museum, aber wir sind zu früh – die nette Señora erklärt den verdutzten Touristen, dass das Museum dann aufsperrt, wenn mehr Besucher da sind. Bitte?!? Und was passiert, wenn keine weiteren Besucher kommen? Ach, es werden sicher welche kommen, heute ist ja Feiertag – was, schon wieder ein Feiertag?

Um 11 Uhr öffnen sich dann tatsächlich die Türen, es sind mittlerweile doch ein Dutzend Interessenten eingetrudelt. Im Erdgeschoß gibt es einen kurzen geschichtlichen Überblick – die lokalen Indígenas wussten immer schon um die Präsenz der himmlischen Steine, deren Fragmente in ihrer Religion eine wichtige Rolle spielten. Die Spanier fanden, vermassen und dokumentierten einige der Meteoriten, dann geriet das „Feld des Himmels“ für 200 Jahre in Vergessenheit. Erst im vorigen Jahrhundert begannen Landvermesser und Geologen mit Unterstützung der Einheimischen mit der wissenschaftlichen Erforschung des Gebiets, und auch in den letzten Jahren wurden immer noch Meteoriten hier gefunden.

Die Ausstellung wird im Untergeschoß fortgesetzt, wo außerirdische Gesteinsbrocken in Reih und Glied in den Regalen liegen. Und zum Abschluss gibt es einen sehr gut gemachten Film – Zusammenfassung: 2036 könnte der Meteorit Apophis, der Zerstörer, auf die Erde stürzen und wir werden alle sterben. Aber eine Chance haben wir noch – 2029 kommt er schon so nahe, dass man versuchen wird, seine Bahn zu verändern und die Apokalypse zu verhindern. Wenn Hollywood zur Realität wird, Stichwort „Armageddon“.

Mit leicht gedämpfter Stimmung ob der endzeitlichen Aussichten verlassen wir das Museum und machen uns auf die Suche nach Einschlagstellen. Wir finden ganz in der Nähe Krater 1, Rubín de Celis und dahinter Krater 2, La Cañada. Beide sind Explosionskrater, heute im Prinzip von Vegetation überwachsene annähernd kreisrunde Senken, die wir nie im Leben mit einem kosmischen Ereignis in Verbindung gebracht hätten. Wir schauen noch bei Krater 13 vorbei, „La Sorpresa“- die Überraschung, wo der 27.000 kg schwere Meteorit „William Cassidy“, nach einem der Wissenschaftler benannt, an seinem Auffindeort ruht.

Dann machen wir uns auf den langen Rückweg nach Osten. Wieder einmal finden wir bei einer YPF Tankstelle ein Plätzchen für die Nacht, bevor es morgen an Resistencia vorbei und durch Corrientes Richtung Misiones geht, der letzten Provinz, die wir bei diesem Aufenthalt in Argentinien noch besuchen wollen. 

Day 428 / 404 – Where stones fell from the sky

The night under the brilliant starry sky was quiet, and nothing fell down. Around 10 am we show up at the museum, but we are too early – the nice Señorita explains to the baffled  tourists that the museum will open as soon as more visitors show up. Come again?!? And what will happen if no one shows up? Oh well, there will be visitors, after all today is a public holiday! Again?? Another public holiday??

At 11 am the museum doors finally open, around a dozen visitors have gathered in the meantime. The exhibition on the ground floor explains a bit a local history – the indígenas have always known about the presence of the stones which fell from the sky – the fragments have played an important part in their religion. The Spaniards found some of the meteorites, measured and documented them, but for the next 200 years no one cared about the “field of the sky”. Mid-20th century, systematic research began, carried out by        and geologists with the help of locals who know where to look. And even in recent years, more meteorites have been discovered.

The exhibition continues in the basement where the extraterrestrial stones are neatly presented in show cases. The museum tour concludes with a – very well done – movie; the message in a nutshell: in 2036, the asteroid “Apophis” (the Destroyer) will collide with earth and we will all die. But we have one shot (literally) in 2029, when the asteroid will pass by so close to our home planet that NASA and ESA will try to alter its course and prevent the apocalypse. Reality catching up with Hollywood (“Armageddon”).

We leave the museum with somewhat dampened spirits due to the apocalyptical vision and search for meteorite craters. In close vicinity, we find crater #1, Rubín de Celis, and crater #2, La Cañada. Both of them are explosion craters, today just shallow depressions in the ground, grown over with vegetation; we would never have identified any of them as the site of a cosmic event. Finally, we visit crater #13, La Sorpresa – the surprise, where the almost 60.000 lbs meteorite “William Cassidy”, named after one of the scientists, is exhibited on its original discovery site. 

Then we start the long drive back direction east. Once again, we find shelter for tonight at a YPF gas station. Tomorrow, we want to continue past Resistencia and through Corrientes towards Misiones, the last province we want to visit in Argentina for now.

Route 230619

230618 – Zum Campo del Cielo >

Sonntag / Sunday, June 18, 2023

Tag 427 / 403 – Zum Campo del Cielo

Wir stehen zeitig auf und kommen tatsächlich relativ früh vom Campingplatz im Nationalpark weg, der Ranger winkt zum Abschied. Es geht die Ruta 16 nach Nordwesten und dann die Ruta 89 nach Südwesten – eine ereignislose, gut ausgebaute Strecke. So gut, dass ich sogar während der Fahrt eine lästige, lang aufgeschobene Arbeit erledigen kann – Nähzeug auspacken, kleinere Reparaturen an unserer Kleidung durchführen und Westen mit Schlingen zum Aufhängen versehen. Señorita Rosita aka Princesa Alpinka Llama ist begeistert, sie profitiert auch davon – sie hätte inzwischen beinahe ihren Kaktus verloren, jetzt wird er in seiner Schale befestigt.

Ab der Ruta 89 sehen wir beidseits der Straße weiße flaumige Bällchen und Klümpchen liegen, die fast wie Wattebäuschchen aussehen. Ein paar mit „Watte“ vollbeladene LKWs sind dann des Rätsels Lösung – es ist Baumwolle, jetzt ist Erntezeit. Die Baumwolle ist das weiße Gold des Chaco und neben dem begehrten Hartholz des Quebracho colorado-Baumes das wichtigste Produkt der Provinz.

Nach 300 km kommen wir am Nachmittag endlich am Campo del Cielo, am Himmelsfeld an, auf dem vor etwa 4.000 Jahren ein circa 600 t schwerer Meteorit, in viele, viele Einzelteile aufgebrochen, niederging. Das Museum, das von außen toll aussieht, sollte eigentlich bis 18 Uhr offen haben, ist aber leider geschlossen – heute finden Regionalwahlen statt, wie wir später herausfinden, und alles hat zu. Gut, dann besuchen wir das Museum morgen, und können dafür ausschlafen, denn es öffnet erst um 10 Uhr. Also gehen wir im Freigelände spazieren und bestaunen die Meteoriten, die hier in der Gegend gefunden wurden. Die meisten davon sind Eisen-Nickel-Meteoriten wie „El Chaco“, 1969 entdeckt, der größte der hiesigen außerirdischen Brocken und der zweitgrößte je gefundene Meteorit, er wiegt unglaubliche 37.000 kg. Schwer vorstellbar, das Steinchen ist grade mal ein Stück größer als wir und kleiner als ein VW Käfer.

Es ist noch hell, wir gehen noch einen kurzen Wanderweg und stellen analog zu gestern fest: die weitaus meisten gefiederten Fotomotive sind rund um Parkplatz und Campingplatz zu finden, egal ob Sittiche, Graukardinäle, Specht oder Täubchen. Im Park integriert sind gratis Campingareale – wir plaudern mit der netten Parkaufseherin, ja natürlich dürfen wir hier übernachten, und ihr Hund „Negra“ ist auch einverstanden, würde aber gern vorher unser Heim auf Rädern inspizieren. Wir schlagen unser Nachtlager auf, hoffen, dass die unglaublich lauten kleinen grünen Krachmacher irgendwann schlafen gehen und dass uns, frei nach Asterix, der Himmel nicht auf den Kopf fällt.

Day 427 / 403 – To Campo del Cielo

We manage to get up and leave the campsite early, the friendly park ranger waved us good-bye. We follow Ruta 16 northwest and then Ruta 89 southwest – a rather unexciting road, well paved. The road is in such god condition, that I am able to do something I have been postponing for some time because that is work I don´t like to do – but I take out the sewing kit, do some minor repair work on our clothes and add loops to our jumpers so that we can hang them properly on hooks. Señorita Rosita aka Princesa Alpinka Llama is enthusiastic because she is also getting something out of it – she almost lost her cactus, now it is fixed properly in its pot on her back.

On Ruta 89 we see lots of little white fluffy balls lying on both sides of the road. At a gas station we see some trucks loaded with the white stuff – it´s cotton, it is harvest time here right now. Cotton is the “white gold” of the Chaco region and together with the hardwood of the Quebracho colorado tree the most important product of the province.

186 miles and several hours later, we arrive at Campo del Cielo, the Field of the Sky, where about 4.000 years ago a meteorite weighing about 600 metric tons arrived – fortunately he separated into many pieces before the impact. The museum which looks great from the outside should be open until 6 pm, but unfortunately it is not – today is a regional election day and everything is closed. Well, then we will visit the museum tomorrow and we get to sleep in because it won´t open before 10 am. We take a walk around the grounds and look at the meteorites which were found in this area. Most of them are iron-nickel-meteorites, like “El Chaco”, discovered in 1969, the second largest of all the meteorites found on earth so far, weighing an astonishing 81.585 pounds. Which is really hard to imagine, that rock is just a little bit taller than we are and smaller than a VW Beetle.

We still have an hour until sunset, we walk a short trail and find out that most of our feathered photo motives – parakeets, red-crested cardinals, woodpeckers or doves, are to be found around the parking lot and the campground, same as in the other parks. There are also areas for camping, free of charge. We talk to the nice park ranger – yes of course we may stay here, her dog “Negra” is ok with it but would like to inspect our home on wheels first. We find a spot between the trees, hoping that the incredibly loud little green noisemakers will go to sleep soon and that nothing will fall from the sky tonight.

Route 230618