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230308 – Antarktisexpedition Tag 10 – Notfall bei Kap Hoorn >

Mittwoch / Wednesday, March 8, 2023

Tag 325 / Antarktisexpedition Tag 10 – Notfall bei Kap Hoorn

Nach einem späten Frühstück gehen wir zu Davids Vortrag mit dem spannenden Titel „Werden Mineralien aus der Antarktis irgendjemanden reich machen?“ Die kurze Antwort wäre „nein“ gewesen, aber David holt weit aus und kann dieses nein gut begründen – keine Infrastruktur, weiter Transportwege, kein fundiertes Wissen über Vorkommen und Abbaumöglichkeiten. Rohstoffabbau in der Antarktis ist sehr unwahrscheinlich, es wäre ziemlich sicher äußerst riskant und somit finanziell unattraktiv. Bisher hatten wir mit Geologie gar nichts am Hut, aber es ist doch ein interessantes Wissenschaftsgebiet; liegt aber sicher auch am Vortragenden.

Nach dem Mittagessen zieht sich Sigi in unsere Suite zurück, während sich das Schiff langsam dem Kap Hoorn nähert. In der Shackelton-Lounge ist wieder Thomas an der Reihe, mit einem sehr persönlichen Vortrag. Gemeinsam mit seiner Frau hat er in Australien ein Stück küstennahen Regenwald in Mission Beach, North Queensland, Australien, gekauft, und sich verpflichtet, 97% davon auf alle Zeiten als Schutzgebiet zu erhalten. Als er gerade zeigt, was dort alles wächst und gedeiht, kommt Sigi leise in die Lounge und macht Handzeichen – „Einsatz, Notfall, JETZT“. 

Ich denke mir, das gibt´s doch nicht, aber wir werden tatsächlich benötigt – der Schiffsarzt braucht selbst einen Arzt, und zwar dringend. Also monitieren wir den Kollegen im Überwachungsbett, versorgen ihn mit Infusionen und allen nötigen Medikamenten, geben der Brücke Bescheid und übernehmen dann die Krankenstation bis zum Ende der Reise (glücklicherweise schon morgen). Sigi checkt die Notfallausrüstung – die meisten Dinge sind uns gut vertraut – und ich überwache den Patienten. Gottseidank haben wir sonst außer einem COVID-Test und der Ausgabe eines Medikaments keine weiteren Notfälle. 

Wir wechseln einander ab mit der Betreuung des Patienten, damit bekommen wir jeweils abwechselnd wenigstens kurz die Gelegenheit, vom Panoramadeck aus das Kap Hoorn zu sehen. Sigi geht dann zum letzten abendlichen Briefing, wo Rashidah dem Publikum mitteilt, dass unsere Expeditionsfahrt gleich mehrere Rekorde gebrochen hat: 74 TeilnehmerInnen waren Kayak fahren, und 118 sind ins eiskalte Wasser gesprungen – so viele wie noch nie zuvor. Außerdem war es der südlichste Polarsprung bis jetzt, auf 66°01.5´ süd, und wir waren „nur“ noch 1.850 nautische Meilen vom Südpol entfernt.

Dann holt mich der Kapitän auf die Brücke – er hat inzwischen die chilenische Küstenwache verständigt, die ein schnelles Boot schicken wird, um den Patienten nach Puerto Williams, Chile, ins nächstgelegene Krankenhaus zu bringen. Vorher benötigt man noch ein paar Auskünfte, aber die Chilenen sprechen kaum Englisch, und der Kapitän und sein erster Offizier nicht Spanisch. Und somit stehe ich auf der Kommandobrücke unseres Expeditionsschiffes, das Funkgerät in der Hand, und erkläre den chilenischen Kollegen auf Spanisch, was unser Patient vermutlich hat und was inzwischen getan wurde.

Das Schiff fährt Richtung chilenische Gewässer, dem Schnellboot entgegen, als wir plötzlich umdrehen. Das Boot der Küstenwache hat einen Maschinenschaden, sie würden Ersatz schicken, aber das dauert länger, als wir nach Ushuaia benötigen. Unserem Patienten geht es mittlerweile auch deutlich besser, die Medikamente wirken und so steuern wir Ushuaia an, wo der Patient schon erwartet und ins Krankenhaus gebracht wird. Todmüde fallen wir ins Bett, mit dem Funkgerät am Tisch – der letzte Tag ist nicht ganz so gelaufen, wie erwartet.

Day 325 / Antarctic expedition day 10 – Emergency near Cape Hoorn

After a late breakfast, we attend David´s lecture with the interesting title “Will Antarctic minerals make anyone rich?” The short answer would be “no” but David lays out his arguments and there are very good reasons why not – no infrastructure, long and expensive transport, no valid knowledge about mineral deposits and exploitation options. So, mining for minerals in the Antarctic is highly unlikely, it would be very risky and therefore economically unattractive. We haven´t been too interested in geology until know, but it seems to be a very interesting field; and the presenter is very good, too!

After lunch, Sigi retreats to our suite while our ship slowly gets closer to Cape Hoorn. In the Shackelton Lounge, Thomas presents a very personal part of his life. Together with his wife, he bought a piece of land in Mission Beach, North Queensland, Australia – coastal rain forest. And 97% of this land will be protected in a conservation covenant forever. He is just showing us pictures of the flora, when Sigi quietly sneaks in, signaling me “Emergency! NOW!

I can´t believe my eyes, but we are really needed – the ship´s doctor urgently needs a doctor himself. So, we put him into the intermediate care bed, monitor him, apply fluids and the necessary medication, inform the bridge and take over the hospital and the doctor´s duties till the end of the voyage (luckily, tomorrow morning). Sigi checks the mobile emergency equipment, most things are very similar or the same we use at home, and I monitor the patient. Fortunately, there are no other emergencies; we only have to do one COVID test and give out some medication.

We take turns in watching over our patient, so we each get to see Cape Hoorn at least for a few minutes, for some photos from the panorama deck. Sigi then joins the last evening briefing with Rashida who tells us that our expedition cruise broke several records: 74 people went kayaking and 118 jumped into the ice-cold polar waters – more than ever before. And it was the southernmost polar plunge at 66°01.5´ south; our distance to the South Pole was “only” 1.850 nautical miles.

Then the captain calls me to the bridge – he has alerted the Chilean Coast Guard, they will send a fast boat to extract the patient and bring him to the nearest hospital in Puerto Williams, Chile. But first, they need some more information; the Chileans don´t speak much English, and the captain and his first officer don´t speak Spanish. Therefore, I find myself standing on the bridge of our expedition cruiser, with the radio in my hand, talking to a Chilean doctor in Spanish about our patient.

Our ship has already reached Chilean waters, but then, all of a sudden, we turn around. The Chilean coast guard boat has an engine problem – they will send another boat but that would take longer than our journey to Ushuaia. Our patient is doing far better by now, thanks to the medication, so the captain decides to sail directly to Ushuaia, where an ambulance is waiting for our patient to take him to hospital. Incredibly tired, we fall into our beds, with the walkie talkie on the table. The last day didn´t go exactly as expected.

Route 230227 – 230309