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231003 – Die schießen – auf uns?!?! Nachtrag zu 221104 >

Oftmals wird der Begriff „natural awarness“ verwendet, wenn es darum geht solche Reisen vorzubereiten. Und natürlich spielt auch der Hausverstand eine ganz wichtige Rolle.

„Natural awareness“ ist ein sehr dehnbarer Begriff und wird sich/sollte sich auch an Land, Leuten, Kultur und politischer Lage und den zur Verfügung stehenden Informationen orientieren. Hilfreich sind hier die Webseiten der Außenministerien, wobei wir auch hier die Erfahrung machen mussten, dass sich die Warnstufen in Österreich und Deutschland oftmals unterscheiden und z.T. auch widersprechen. Der einzige brauchbare Tipp ist ganz einfach: Augen auf, wenn möglich lokale Nachrichten hören oder schauen, auf die Bevölkerung und aufs Bauchgefühl hören.

Auf unserer ganzen Reise gerieten wir dreimal in gefährliche Situationen, das erste Mal in Kolumbien:

Die schießen – auf uns?!?!

Wir waren in Kolumbien im Süden des Departments Cauca unterwegs, am Rückweg vom Archäologie-Park Tierradentro mit den einzigartigen Felsengräbern, es war früher Nachmittag und somit Tageslicht, und es war eine – für die Gegend ganz normale – Schotterstraße. Diese war plötzlich von einem VW Amarok und einigen Männer blockiert, wir wussten anfangs nicht warum – bis einer der Männer mit einer Handfeuerwaffe auf uns zukam. Wir ersparen uns hier, den Ablauf bis ins kleinste Detail zu schildern – das Video spricht eine deutliche Sprache:

copyright by ottenweinerts 2022/2023, Download, Weitergabe und Verwendung ohne schriftliche Genehmigung ist untersagt

Fazit: die FARC Terroristen versuchten, uns zu überfallen und auszurauben bzw. als Geiseln zu nehmen, um Geld zu erpressen. Wir konnten entkommen und uns ist nichts passiert, aber wir haben 5 Einschusslöcher in unserem armen Krassen Pferd, unter anderem im linken Außenspiegel. Entgegen den Empfehlungen haben wir nicht bereitwillig alles hergegeben, sondern haben – solange wir im Fahrzeug hinter verschlossenen Türen saßen – alles unternommen, um zu flüchten. Die verschlossenen Türen waren die einzige – aber zu diesem Zeitpunkt wirksame – Barriere.

Was nicht mehr am Video zu sehen ist: wir sind mit der demolierten Stoßstange, einem am Vorderrad schleifenden Teil und mit viel Herzklopfen die nächsten 50 Kilometer in die nächste Stadt gerast und haben uns einmal bei einer Tankstelle hinter einigen Gebäuden versteckt, bevor wir uns zur Polizei aufmachten, um den Vorfall zu melden.

Da wir den gesamten Vorfall über zwei Kameras (Dash-Cam und GoProMax) hochauflösend auf Video aufnehmen konnten, waren die Beamten natürlich überglücklich, als wir ihnen eine SD-Karte mit den Videos und auch bereits bearbeiteten Standbildern übergeben konnten.

Die Beamten in Rio Plata verdienen unsere Hochachtung. Sie haben alles getan, um uns Sicherheit zu vermitteln. Nach der Aufnahme des Vorfalls wurde ein sicherer Platz zum übernachten gesucht, am nächsten Tag hatte man einen Mechaniker für uns organisiert, der uns einen korrekten Preis für die Reparatur gemacht hat; zum Geld abheben beim Bankomaten wurden wir begleitet und auch Wochen danach gab es immer wieder Kontakt via WhatsApp und die Frage, ob bei uns eh alles in Ordnung ist.

Tage nach diesem Vorfall fanden wir auch zwei Projektile im Heck unseres Fahrzeugs. Ein Projektil war im Sitzpolster hängengeblieben, das andere hat die Kühltruhe unter dem Sitz durchschlagen und ruiniert.

Wochen später erreichte uns via Polizei ein TV-Beitrag. Einer der Täter konnte in einer aufwendigen Aktion festgenommen werden. Da er für mehrere Straftaten gesucht wurde, gelang der Polizei hier mit Hilfe unserer Videos eine entscheidende Festnahme.

Mit freundlicher Genehmigung von Viviana Llorente, RCN Television S.A. – Beitrag copyright by RCN TV – 2023 / Download, Weitergabe und Verwendung ohne schriftliche Genehmigung ist untersagt.

Dieser Vorfall ist der Klassiker „zur falschen Zeit am falschen Ort“. Wir wurden auf unserer Reise hinterher immer wieder gefragt, ob wir nicht an diesem Punkt die Reise abbrechen wollten. Im Nachhinein betrachtet hat sich diese Frage eigentlich nie wirklich gestellt. Und außerdem ist Kolumbien ein wunderbares Reiseland, voller großartiger Natur, hoher Berge, schöner Strände, freundlicher Menschen (die meisten jedenfalls). Es soll sich also niemand durch unser Erlebnis von einer Reise nach / durch Kolumbien abhalten lassen – bloß das südliche Stück vom Department Cauca (und eventuell auch die Gegend ganz im Nordosten an der Grenze zu Venezuela) sollte man besser meiden.

Wie haben dieses Erlebnis NICHT in unserem täglichen Blog berichtet – erstens hat uns die Polizei in La Plata gebeten, nichts zu posten, um die Ermittlungen nicht zu behindern. Außerdem wollten wir unsere Familie daheim und unsere Freunde, die unsere Reise per Blog mitverfolgt haben, nicht unnötig beunruhigen (und wir sehen jetzt gerade vor unserem geistigen Auge ein paar sehr blasse Freunde in den USA, die die Hände über den Kopf zusammengeschlagen haben – und wir können sie beinahe hören: „Wir haben es Euch ja prophezeit, wenn Ihr dorthin fahrt!“). Der durchlöcherte Außenspiegel und die von uns später gefundenen Projektile werden als Souvenirs einen Platz in unserem Wintergarten bekommen.



We have heard about „natural awareness” multiple times during the preparations for our journey, and of course you need common sense. „Natural awareness“ is a very flexible term, and should be used in combination with all the information you can get about the country, the people, the culture and the political situation. We used the website of the Austrian ministry of foreign affairs extensively, also the German and the US-American one (but we found out that different countries may have different, sometimes even contradictory warning levels about the same destination). The most important thing is: watch the situation carefully, watch the news, listen to the local population – and to your gut. On our journey, we experienced three different dangerous situations, the first time in Colombia:

They are shooting – at us?!?!

We spent the day at the archeological park of Tierradentro in the southern part of Department Cauca, with its one-of-a-kind rock graves; we were on our way back, it was early afternoon, therefore broad daylight and it was one of the usual gravel roads. Which we found blocked by a VW Amarok and some men, we didn´t see why – until one of the men came to our car, armed with a handgun. We won´t describe the details – the video will tell you everything:

copyright by ottenweinerts 2022/2023. Download, distribution and use without written permission is forbidden

Summary: the FARC guerrilleros tried to rob us and / or take us hostage in exchange for money. We could get away unscathed, nothing happened to us, but our poor Brave Camper now has five bullet holes, one of them in the left side mirror. In contradiction to every recommendation, we didn´t give them anything, but did everything we could to get away, as long as we were sitting in our vehicle behind closed doors and windows. The closed doors were the only barrier, but this was enough.

What happened next (not on video anymore): we raced for about 30 miles to the next town, with a damaged front bumper which touched our right front tire in every curve, and with a considerably elevated heart beat rate. There, we hid behind some buildings at a gas station before we contacted the police.

We were filming all the time with two high-definition cameras (a dash-cam and a GoProMax), so we could provide the police with a video and several mug shots of the guerrilleros – the police were very happy about that. All the police personnel in Rio Plata have earned our respect. They did everything to make us feel safe again. After writing down a protocol, they organized a safe overnight place for us; on the next morning, they brought us to a mechanic who did the necessary repair for a fair price; they even guided us to the ATM to get cash. For the next several weeks we stayed in contact and they made sure that we were ok.

Several days after the incident, we found two bullets in our living room – one in the seat cushion, the other one went through the deep freezer under the seat, ruining the freezer box. Weeks later, the police sent us a TV-spot of the regional news – they had been able to apprehend one of the assailants. He was wanted for several criminal offenses – our video was the decisive evidence for the police.

With friendly permission by Viviane Llorente, RCN Television S.A. – Beitrag copyright by RCN TV – 2023 / Download, distribution and use without written permission is forbidden t.

This incident is a classic “at the wrong place at the wrong time”. When we mentioned it to other overlanders during our journey, we were often asked if we didn´t think of returning home after this “adventure”. But astonishingly, we never thought about that. And furthermore, Colombia is a great travel destination, with wonderful nature, high mountains, beautiful beaches, friendly people (most of them, anyway). So please don´t change your plans to travel to / through Colombia – just don´t go to the south of department Cauca (and maybe also not to the northeast near the border to Venezuela).

We did NOT mention this incident on our daily blog – first of all, the police of La Plata asked us not to post anything online in order not to put the investigations at risk. And secondly, we didn´t want to preoccupy our family at home and our friends who were traveling with us, so to speak, by reading our blog. (and right now, we can see our American friends who have turned very pale, throwing their hands up in horror, and we can almost hear them – “told you so if you go to South America!”). The perforated side mirror and the two bullets we found will remain as souvenirs in our sun room at home.